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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Lokalsport

In dünner Höhenluft dick im WM-Geschäft

08.12.2017

Oldenburg Vor wenigen Jahren gehörte Verena Rücker noch zu den Talenten, die zu den Stars der Ju-Jutsu-Szene aufblicken und von einem Auftritt auf der großen Bühne träumen – an diesem Wochenende dürfte die Kampfsportlerin vom Polizei SV nun selbst im Fokus stehen, wenn sich Nachwuchskräfte aus Deutschland, Schweden, Dänemark und den Niederlanden beim „X-Mas-Turnier“ in der Sporthalle Wechloy messen. Die 25-Jährige gehört inzwischen selbst zu den Größen ihrer Sportart – bei der Weltmeisterschaft in Kolumbien hat die Bodenkampf-Expertin gerade Bronze im Einzel und mit der deutschen Mannschaft gewonnen.

Spendenkonto explodiert

„Natürlich hofft man immer auf eine Medaille, aber die wenigsten Athleten schaffen es in ihrer Karriere, einen Podiumsplatz auf einer Weltmeisterschaft zu erkämpfen“, erzählt Rücker, die sich das WM-Abenteuer in der nicht so im Fokus stehenden Sportart mit einer ungewöhnlichen Aktion erarbeitet hatte.

Über eine Internet-Plattform, auf der Sportvereine sowie Athletinnen und Athleten selbst Geld für ganz unterschiedliche Projekte einsammeln können, hatte sie um Unterstützung gebeten. Durch Vereinsmitglieder, Familie, Freunde, Fans und andere Geldgeber kamen statt den benötigten 1600 sogar 1958 Euro zusammen.

Nachwuchs misst sich bei X-Mas-Turnier in Sporthalle Wechloy

Veranstalter/Teilnehmer Die 21. Auflage vom traditionellen „X-Mas-Turnier“ im Ju-Jutsu findet an diesem Freitag und Samstag in der Sporthalle Wechloy statt. Zum größten Nachwuchsturnier dieser Art im Bundesgebiet werden mehr als 300 Aktive von rund 40 Vereinen aus Deutschland, Schweden, Dänemark und den Niederlanden erwartet.

Veranstaltet wird das Turnier vom Niedersächsischen Ju-Jutsu-Verband und dem Polizei SV. „Besonders freuen wir uns auf die internationalen Nachwuchsathleten“, sagt Landesverband-Sportdirektor Michael Höflich.

Zeitplan Freitag: Ab 18 Uhr werden die Duelle in der Disziplin „Newaza“, bei der der Bodenkampf im Fokus steht, ausgetragen. Samstag: Um 9.15 Uhr findet die offizielle Eröffnung durch Sportdirektor Höflich, Bürgermeisterin Christine Wolff und Vereinsvertreter Andreas Rehling statt. Im Anschluss starten die Disziplinen „Fighting“ und „Duo“ auf fünf Wettkampfflächen.

Lokalmatadore Der Polizei SV schickt bei seinem Heimturnier insgesamt 17 Aktive in den Disziplinen „Newaza“ und „Fighting“ auf die Matte und stellt damit eines der größten Teams. Neben der Wettkampferfahrung wollen sich die Athletinnen und Athleten eine der extra angefertigten „X-Mas-Turnier“-Medaillen sichern.

Nachdem die NWZ darüber berichtet hatte, sei „das Spendenkonto innerhalb nur eines Tages explodiert“, erklärt Rücker und bedankt sich noch einmal bei allen, die den WM-Trip nach Bogota und die Vorbereitung darauf durch ihre Unterstützung erst möglich machten: „Ich bin noch immer ganz überwältigt von dem vielseitigen Zuspruch.“

Durch das zusätzliche Geld war es der Oldenburgerin möglich, den gesamten Aufenthalt über 10 Tage im kostenintensiveren Athletenhotel zu verbringen – und vor allem auch eher anzureisen. Letzteres war letztlich nicht unentscheidend für den Erfolg.

Anders als Aktive aus anderen Ländern hatten die sieben Athleten aus Deutschland (fünf Stand- und zwei Bodenkämpfer), die mit Bundestrainer Roland Köhler und dem Teamarzt nach Kolumbien reisten, die Chancen sich an den Zeitunterschied (sechs Stunden) und die örtlichen Verhältnisse zu gewöhnen.

„Dass Bogota auf 2640 Meter Höhe liegt, hat jeder von uns schnell feststellen können – in zwei Trainingseinheiten vor Ort hatten wir stark mit Luftknappheit zu kämpfen“, erläutert Rücker. Die frühe Anreise eröffnete aber auch die Möglichkeit, Land und Leute kennenlernen. „Wir sahen neben der Armut vor Ort auch viel Herzlichkeit der Bewohner – oft wurde uns von der anderen Straßenseite ,welcome to colombia’ zugerufen“, erzählt die PSVerin.

Sportlich machte sich nicht nur die frühe Anreise, sondern auch die intensive WM-Vorbereitung bezahlt. In vielen Einheiten hatte Rücker für den Bodenkampf (Newaza) schon vor der Reise nach Bogota Gewicht verloren.

Topfit statt ausgehungert

„Ohne Schwierigkeiten ging ich mit 69 Kilogramm über die Waage und konnte nicht nur ,nicht ausgehungert’ in den Wettkampftag starten, sondern war für meine Klasse bis 70 Kilogramm topfit“, meint die 25-Jährige, die es mit acht Kontrahentinnen aus Thailand, Kasachstan, Belgien, USA, Kanada, Panama, Polen und Kolumbien zu tun bekam.

Nach einem Freilos traf die Oldenburgerin in ihrem ersten Duell auf eine Kasachin. „Ich habe den Kampf dominiert und mir eigentlich Punkte erkämpft – was der Kampfrichter allerdings nicht so sah“, bedauert Rücker, die von ihrer Rivalin in der Endphase mit einer Umdrehtechnik bezwungen wurde.

In der Trostrunde stand der PSVerin eine Lokalmatadorin gegenüber. Die Kolumbianerin hatte zwei Tage zuvor im Fighting (Standkampf) Bronze geholt, doch Rücker brachte sie relativ schnell durch einen Konterwurf zu Boden und fixierte sie dort bis zum Ende durch eine Festhaltetechnik. „Jeder weitere Kampf für einen Abwürger oder eine Hebeltechnik wäre aufgrund der knappen Luft unmöglich gewesen, da ich starke Probleme hatte, über die volle Kampfzeit von sechs Minuten zu kommen“, erklärt die Oldenburgerin, die damit nur noch einen Sieg von Bronze entfernt war.

Im Duell mit einer Rivalin aus Panama hielt Rücker zunächst im Stand aggressiv dagegen. Am Boden zwang sie die Gegnerin schließlich 40 Sekunden vor Schluss zur Aufgabe und holte damit die einzige deutsche Einzel-Medaille im Newaza (im Fighting gab es drei Titel und zwei dritte Plätze). Den im Kampfsport üblichen zweiten Bronzerang belegte eine Polin. Gold und Silber gingen nach Belgien und Kanada. „Es ist eine Ehre, auf dem gleichen Podest zu stehen wie diese Topathleten oder sogar Berufssportler“, meint die PSV-Athletin.

Mini-Team trumpft auf

Im Teamwettbewerb reichte es ebenfalls zu Bronze – und das war eine positive Überraschung, obwohl Rücker vor einem Jahr mit der deutschen Auswahl in Polen noch Gold geholt hatte. Während alle anderen Nationen wechseln konnten, mussten die deutschen Athleten durchkämpfen. Um die Minimalbesetzung von acht Aktiven für die Disziplinen Fighting, Newaza und Showkampf überhaupt zu erreichen, war Bundestrainer Köhler spontan eingesprungen.

Gegen Belgien war in dieser Aufstellung nichts zu holen. Nach der 2:5-Niederlage machte das Team aber gegen Kasachstan das Unmögliche möglich, setzte sich seinerseits mit 5:2 durch und hatte damit Bronze in der Tasche. „Besonders gut war, dass ich eine Revanche gegen meine erste Gegnerin bekam – in unserem Duell konnte ich zeigen, dass bereits der erste Kampf meiner gewesen wäre“, erzählt Rücker und hat sicher auch beim „X-Mas-Turnier“ noch die eine oder andere Anekdote zu erzählen.

Jan-Karsten zur Brügge Redakteur / Sportredaktion
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