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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Lokalsport

Regen und eitel Sonnenschein

13.05.2019

Oldenburg Die Sonne kommt am Sonntagvormittag feucht herunter. So what? Very british. Für Hans-Jörg Speckmann kann es ohnehin stürmen, regnen oder schneien. Der Oldenburger Radliebhaber hat nämlich Geburtstag. Und wo lässt sich der schöner feiern, als beim 9. Oldenburger Tweed Run.

Neben seinem besten Freund hat der Landschaftsgärtner der Stadt natürlich ein historisches Zweirad mitgebracht. 70 Jahre hat das gute Stück auf dem Buckel. „Erst“, sagt Hans-Jörg Speckmann und guckt sich bewundernd um. Auf dem Schlossinnenhof tummeln sich etliche Ladys und Gentlemen im feinen Zwirn mit noch weitaus geschichtsträchtigeren Modellen. Aus dem Jahr 1880 stammt das Niederrad von Filip Caby. „Ein Original aus England. Die erste Variante seiner Art nach dem Hochrad“, sagt seine Frau Andrea. Man habe es wegen der zu großen Unfallgefahr entwickelt, berichtet die Leeranerin – „dieses Modell hat noch Komplett-Gummibereifung“.

Bei dem Ereignis ist das Paar regelmäßig vertreten – „weil es so familiär ist“. Die Beiden sind Größeres gewohnt. Just sind die Cabys aus England zurück, wo sie beim Londoner Tweed Run neben 1500 anderen Teilnehmer mitgefahren sind. „Alles ist bunt und schrill und man fühlt sich wie in den 20er-Jahren“, sagt Andrea Caby und zeigt Fotos auf ihrem Smartphone, wo sie im knallblauen Dress an einem feuerroten Borismaster vorbei radelt. Bei der britischen Originalversion zähle vor allem das Outfit: „Hauptsache auffällig – ansonsten kann man auch mit ollem Klapprad kommen.“ Zuhause im Schrank hat sie selbstverständlich eine größere Auswahl Vintage-Garderobe und in der Garage stehen 16 historische Räder sowie einige motorisierte Oldtimer.

Auf einen Preis für das beste Fahrgestell oder den stilvollsten Zwirn spekuliert das Paar dennoch nicht. Auch wenn es neben Ruhm und Ehre so hübsche Dinge wie Maß- Sakkos, Koffer oder Brillen zu gewinnen gibt. „Alles Produkte von ,Oldenburgs Gute Adressen’“, sagt Oliver Sklorz, der mit hochgezwirbeltem Schnauzbart und fahrradbedruckter Fliege erschienen ist. Sklorz ist mit seinem Geschäft „Die Form“ Teil von „Oldenburgs Gute Adressen“, und damit auch einer der Organisatoren des „Tweed Run“. Ihm liegt die schöne Veranstaltung sehr am Herzen: „Es ist ein Spagat zwischen neu und alt, spleenig, charmant und es ist eine schöne Gelegenheit, einander kennenzulernen.“ Auch in diesem Jahr trifft er auf neue Gesichter – und bekannte. Als „alten Hasen“ stellt er Uwe Schellhas vor, der den Oldenburger Tweed Run als „schönstes Event Deutschlands“ lobt. Immerhin hat der IT-Experte hier die Gelegenheit, mit seinem schottischen Harris-Tweed und dem fahrbaren Museumsstück von 1892 zu glänzen. Sechs historische Modelle hat er zuhause stehen. Fahren würde er damit selten – darum fiebere er der Nostalgie-Tour auch seit der ersten Teilnahme 2015 entgegen, sagt er. Dass es dieses mal zu den Vintage Race Days nach Rastede geht, gefällt ihm. Oldtimer angucken sei immer schön, seine Leidenschaft gelte aber denen mit Pedale.

Überhaupt nicht abstrampeln, um die Schmuckstücke im Ammerland zu bewundern, muss sich Martina Gemlin. Die Berlinerin thront standesgemäß royal in einem Velo-Helfer-Korb. Die seitlich vom Herrenrad angespannte Mini-Kutsche hat sie sich mit ihrem Mann Stefan nach Vorlage eines englischen Originals nachbauen lassen. Für 3000 Euro haben Schweizer Korbmacher dem Paar zu ihrem Vintage-Traum verholfen. Krempenhut und Kleid hat Martina Gemlin in Großbritannien erstanden, das Samtjäckchen käme aber aus Mallorca, gesteht sie. Ihr Gatte hat sich für eine Londoner Parade-Uniform entschieden, die hat er aus dem Auktionshaus. Den weiten Weg von der Bundeshauptstadt nach Oldenburg haben die Beiden vor allem wegen des Besuchs bei den Vintage Race Days auf sich genommen. Englische Oldtimer sind auch Teil ihrer Luxusleidenschaft.

„Ich bleib’ bei Rädern. Autos kann ich mir nicht leisten“, sagt Hans-Jörg Speckmann und wischt sich einen Regentropfen von der Nase. Gutes Wetter wünsche er sich zum Geburtstag. Schließlich sollen vielen Leute kommen, um gemeinsam zu radeln, zu staunen, Tea und Scones und die After-Run-Party zu genießen. Einen großen Teil des Startgeldes lassen die Veranstalter sozialen Einrichtungen zugute kommen – welchen, steht noch nicht fest. Langsam füllt sich der Schlossinnenhof. Die Zeitreise kann losgehen. „Ich freu’ mich“, sagt Hans-Jörg Speckmann und strahlt mit der feuchten Sonne um die Wette. Auf die feine, englische Art.


Ein Video unter   www.nwzonline.de/tv 
Mehr Bilder unter   www.nwzonline.de/fotos 
Infos unter   www.tweedrun.de 
Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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