• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Lokalsport

Für dieses Team ist die Welt eine Scheibe

25.11.2017

Oldenburg Wer denkt, eine Frisbee würde nur im Urlaub am Nordseestrand fliegen, der liegt weit daneben – es gibt einen Sport, bei dem die Scheibe in der Halle wie unter freiem Himmel fliegt. Ultimate Frisbee nennt sich der laufintensive Mannschaftssport, den in Oldenburg rund 20 Männer und Frauen selbst an klirrend kalten und verregneten Novemberabenden in Wechloy ausüben.

„Ein bisschen Überwindung kostet es schon manchmal, raus aus der warmen Wohnung zu kommen“, verrät mir Kathrin Jäger leicht bibbernd: „Aber wenn man erstmal am Spielen ist, will man nicht wieder aufhören.“

Heute will ich mich selbst in diesem Trendsport ausprobieren. Mit vier Lagen Kleidung versuche ich, mich vor der nasskalten Witterung zu schützen, im Auto genieße ich die letzten Minuten mit der Sitzheizung. Schließlich wage ich mich doch raus und treffe die Sunblocker. Die Ultimate-Frisbee-Gruppe gibt es seit 2002 in Oldenburg, aber schon in den 80ern konnten Studenten über den Hochschulsport den aus den USA kommenden Sport austesten.

„Kraft, Ausdauer und Koordination, darauf kommt es an“, weist mich Matt Bulow ein. Ich merke schnell: Ganz so einfach wie gedacht wird das heute nicht – meine ersten Wurfversuche scheitern kläglich. Den klassischen Rückhandwurf beherrsche ich zwar mit der Zeit, doch die Vorhand bereitet mir Probleme – klar, dass daran nur das Wetter schuld sein kann.

Im Duell „Sieben gegen Sieben“ geht es dann um Punkte. Jedes Team spielt auf eine Endzone, in der die Scheibe gefangen werden muss. Dabei dürfen die Spieler mit der Frisbee in der Hand nicht laufen, die Scheibe wird über kurze oder lange Distanzen gepasst – die Teamkollegen müssen sich geschickt freilaufen.

Mein Gegenspieler ist Juan – wir haben beide keine Stollenschuhe an den Füßen. Eine fatale Fehlentscheidung, der Boden des Wechloyer Platzes kommt mir vor wie ein Sumpf. „Beim ersten Mal ist eigentlich jeder ohne Stollenschuhe dabei, spätestens im zweiten Training sind alle dann schlauer“, meint Kathrin Jäger mit einer gewissen Prise Mitleid.

Doch Juan ist kein blutiger Anfänger. Mit schöner Regelmäßigkeit verliere ich ihn in meinem Rücken aus den Augen, Punkt um Punkt landet auf dem gegnerischen Konto. Bemerkenswert bleibt: Keiner begeht ein Foul, fair wird dem Gegner gratuliert. Das läge am „Spirit of the Game“, sagt Matt Bulow. Eines wird mir nun klar: „Ultimate“ unterscheidet sich von allen mir bekannten Sportarten.

„Spirit ist eigentlich ganz einfach: Wir glauben, dass niemand mit Absicht foult – deswegen gibt es keine Schiedsrichter, die Spieler diskutieren selbst über die Entscheidungen“, erklärt Matt Bulow: „Zum Spirit gehört aber auch, dass man versucht, das Beste aus sich und dem Gegner herauszuholen.“ Bei jedem Turnier gibt es neben dem sportlichen Gewinner auch einen „Spirit-Sieger“ – jenes Team, welches sich nach Ansicht der Gegner am Besten nach den „Spirit-Regeln“ verhalten hat.

Nach dem Training werde ich erneut überrascht. Alle Spieler bilden einen großen Kreis. Während neben mir noch zur Musik von „Der König der Löwen“ gesungen wird, beginnt Coach Henning Credet, das Training zu besprechen. „Den Spiritkreis machen wir nach jedem Spiel zusammen mit den Gegnern – man gratuliert dem Gewinner und lobt die andere Mannschaft“, erklärt er. Wie eine große Familie wirkt das Team in diesem Moment – und genau so ist das Teamgefühl. „Wir sind eine super Gemeinschaft, wir sind immer super drauf“, meint Anke Hammer.

Erfunden wurde die Sportart 1968 in den USA an der Columbia High School in New Jersey. In Deutschland gab es 1981 die erste offizielle Meisterschaft. Über den Schulunterricht soll „Ultimate“ nun auch hier bekannter gemacht werden. Anke Hammer hat an der Oberschule Eversten den Wahlpflichtkurs „Ultimate Frisbee“ eingeführt – und das mit Erfolg: „In diesem Jahr haben wir an den Schulmeisterschaften in Hamburg teilgenommen, die Kinder machen richtig gut mit“, erzählt mir die Lehrerin.

Auch die Sunblocker selbst nehmen an Turnieren teil. Kürzlich gewann das Team die „Weltgeisterschaft“ in Emden. Dort setzten sich die Oldenburger gegen Teams aus dem Norden und Westen Deutschlands durch und holten am Ende durch einen Sieg gegen die „Altgeister“ den Titel. 13:7 wurden die Lokalmatadore bezwungen.

„Beim Ultimate trifft man bei Turnieren immer wieder auf bekannte Gesichter in den anderen Teams“, sagt Anke Hammer. „Auf den traditionellen Beerraces und Partys werden diese Freundschaften natürlich besonders gepflegt“, fügt Kathrin Jäger schmunzelnd hinzu.

Am ersten Dezember-Wochenende treten die Oldenburger in Kamen zum ersten Mal in der vierten Liga an. „Viele Leute hier haben früher Fußball, Rugby oder andere Mannschaftssportarten gemacht – dort dürfen ja aber selbst in den untersten Ligen nur die spielen, die auch wirklich gut sind“, sagt Matt Bulow: „Bei uns sitzt keiner auf der Bank – keiner wird ausgeschlossen.“

Neue Mitspieler sind immer herzlich willkommen. „Ultimate ist halt einfach die geilste Sportart der Welt“, fasst Anke Hammer kurz und treffend zusammen. Wer Ultimate Frisbee einmal spielen konnte, der kommt immer wieder, denke ich mir. Auch ich plane eine Wiederholung – dann aber ganz sicher mit Stollenschuhen im Gepäck.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.