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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Lokalsport

Der schnellste Praktikant der Stadt

28.08.2018

Oldenburg „Wo ist Jon eigentlich?“ Eine Stunde nach Dienstbeginn ist der Praktikant, der vor wenigen Tagen angefangen hat und immer superpünktlich war, immer noch nicht da. Die Redaktion beginnt sich Sorgen zu machen. Als er endlich ankommt und entschuldigend sagt, er habe sich verfahren, denken alle, ok, verfahren, in Oldenburg, naja.

Also, verfahren? Ja, sagt Jon, der bescheiden auftritt und vermutlich niemals von alleine über sein Hobby gesprochen hätte – und zwar so um die 30 Kilometer. Dann lichtet sich die Sache. Jon hat eine kleine Tour vor der Arbeit gemacht, so 110 Kilometer, in 3.15 Stunden. Geplant waren 80 Kilometer. Denn der 18-Jährige aus Unna, der in Gelsenkirchen Journalistik studieren möchte, ist Radrennfahrer – im vergangenen Jahr Mitglied des Junioren-Nationalteams. Inzwischen fährt Jon bei den Männern.

Andy Schleck erstes Idol

Die Region kennt er durch seine Morgenausflüge nach wenigen Tagen besser als mancher Redakteur. Vor der Arbeit an den Jadebusen, plus 30 Kilometer Umweg, mit 32er-Schnitt. Für den schnellsten Praktikanten der Stadt kein Problem. An diesem Wochenende ist der Fahrer des Teams Sauerland ein internationales Rennen in den Niederlanden gefahren, vor einigen Wochen bei einem Rennen der nationalen Rennserie auf einer 120-km-Strecke auf dem Nürburgring – bei entsprechendem Gefälle – mit bis zu 120 Kilometer pro Stunde.

Jon liebt die Landschaften, durch die er beim Training fährt, vier , fünf, sechs, sieben Stunden lang. „Aber beim Rennen hat man dafür überhaupt keinen Blick“, sagt er – „da schaut man nur auf die nächste Kurve und sieht zu, dass man nicht stürzt“.

Jon ist gelernter Fußballer, im Waldstadion von Blau Rot Billmerich hat er gekickt, als langer Lulatsch hat er hinten rausgeköpft, was ging. Das wahre Idol kam für den Schalke- und Tour-de-France-Fan allerdings vom Radsport: „Andy Schleck, der Toursieger 2010, mit seinem Fahrstil, wie er aus dem Sattel ging, und wegen seiner Duelle mit Alberto Contador, das hat mich fasziniert.“

Jon hängt die Fußballschuhe mit 12 an den Nagel und tritt nur noch in die Pedale, für den RSV Unna. Zu jedem Rennen fährt ihn in den Anfangsjahren sein Vater, im Schnitt 150 Kilometer ein Weg. Das Doping-Geständnis von Erik Zabel, der in Unna lebt, wirft den Radsport auch in seiner Region schwer zurück. Viele Rennen fallen aus, weil Sponsoren abspringen.

Aber der RSV gilt nach wie vor als einer der besten Nachwuchsvereine Deutschlands – und sein heutiger U-23-Spitzenfahrer lässt sich nicht entmutigen. Im Training geht’s an die Möhne, die Sorpe, durch den Arnsberger Wald, mit seinem Ridley Fenix, am liebsten mit zwei, drei Freunden vom RSV.

Der 18-Jährige ist mit seiner Größe eher kein Bergfahrer. „Das habe ich total unterschätzt, die fuhren da so leicht hoch. Ich kann dafür eine lange Zeit einen Rhythmus fahren, wie beim Zeitfahren.“

Seinen Durchbruch schafft er 2016, in seinem ersten Jahr bei den Junioren. Er wird als Jüngster von 140 Startern Vierter bei der Deutschen Bergmeisterschaft und 6. bei der Deutschen Zeitfahrmeisterschaft. Der Bundestrainer nominiert ihn. 2017 fährt er alle großen Rennen für die Nationalmannschaft, auch in Tschechien, Frankreich, Luxemburg.

Radrennsport ist eine der härtesten Disziplinen. Wie hart im Extremfall spürt Knolle vor allem bei Paris-Roubaix: „Wegen der harten Kopfsteinpflaster-Passagen ist das eine Materialschlacht, es gilt als härtestes und prestigeträchtigstes Rennen im Straßenradsport. Ich hatte eine Woche lang Schmerzen am ganzen Körper, meine Handgelenke konnte ich überhaupt nicht mehr bewegen.“

Ziel ist Profi-Team

Nach Stürzen und Zwangspausen gerät der Radsport wenig später erstmals in den Hintergrund. Jon nutzt die Rekonvaleszenz, um sich auf sein Abi zu konzentrieren. Er schafft eine 1,8 – und hat jetzt wieder Zeit, sich heranzukämpfen.

Denn Jon will sich in der Männerklasse beweisen, im Profi-Team. Dafür macht er neben seinem NWZ-Praktikum den Norden unsicher: Ab 10 Uhr recherchiert er und schreibt über das erste Bildhauersymposium in der Kulturhalle oder den rappenden „Holzfäller“, davor ist er kreuz und quer durchs Umland gerast. Schön fand er es besonders „nach Osten ’raus, über den Blankenburger See nach Elsfleth, aber auch nach Wardenburg, Garrel und Bösel, vor allem aber an den Jadebusen, wo einem eine Viertelstunde lang kein Auto begegnet.“ Egal, wohin er fährt, das Rad ist dabei: „Mein Ziel ist, dass ich später überall auf der Welt mal gefahren bin.“

Karsten Röhr
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2110

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