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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Lokalsport

Blümchen in Ehren kann man verwehren

08.05.2019

Osternburg „Was mein Mund nicht sagen kann, sagen Tulpen aus Amsterdam!“ – so lautet die Schlusszeile des gleichnamigen Schlagerklassikers von 1956. Ganz ähnlich mag wohl auch der Oldenburger Rudolf Schwartz manches Mal denken. Obgleich: Wahrscheinlich sagt er schon genug durch die Blume(n) ...

Seit rund 15 Jahren sorgt der 72-Jährige in der Straße Achterdiek für Glück und Farben, pflanzt hier regelmäßig auf vielen hundert Metern neue Blumenzwiebeln ein. Alles für ein paar Wochen Blühspektakel pro Jahr, auch in Böschungen und entlang des Kanals. Weshalb? „Weil ich das schön finde“, sagt’s und erfreut sich am letzten Aufbäumen der einst massenhaften Tulpenköpfe. „Morgens laufe ich hier rauf und runter, mittags meist auch noch mal“, so Schwartz, der hier am Achterdiek auch zuhause ist.

Harsche Kritik

Vielen Spaziergängern dürfte es da ähnlich gehen. Nett, oder? Nun. Da gehen die Meinungen offenbar ein klitzekleines bisschen auseinander. In den vergangenen Jahren unterstützten Nachbarn sein Projekt sogar finanziell. Mittlerweile aber gebe es durchaus auch vereinzelte Anlieger, die mit der Privatinitiative von Schwartz - vorsichtig formuliert - nicht so richtig glücklich scheinen, sich bei ihm persönlich oder sogar der Stadtverwaltung beschwert haben sollen. Die Kritik soll durchaus harsch sein, die zugehörigen Argumente lauten dann beispielsweise so: „Meine Pflanzungen würden die Böschung schwächen, sagten sie“, so Schwartz.

Das sieht der gebürtige Emder natürlich etwas anders. Wann immer es nötig und überdies günstig scheint, legt sich der 72-Jährige für die Allgemeinheit nämlich einen neuen Schwung Zwiebeln zu: „Meist im Oktober kaufe ich groß ein, lade das Auto damit voll und pflanze sie dann ein. Wenn ich alle in der Erde habe, fahre ich wieder los und hole die nächsten.“

„Schöne Initiative!“

So geht das dann wochenlang und Hunderte Meter weit. Und wenn die Blumenzwiebeln gerade zum Sortimentswechsel im Angebot sind, geht’s sogar noch viel weiter – so bis zum hiesigen Ruderverein ORVO. „Und es ist wirklich schön, dass jemand so initiativ wird, solch ein Freigeist ist“, sagt da beispielsweise die neu gewählte ORVO-Vorsitzende Manja Simon, „ich habe dazu bislang nur positive Rückmeldungen vernommen.“

Im vergangenen Herbst habe Schwartz nach und auf eigener Rechnung etwa 1200 Euro dafür ausgegeben – zur ganz persönlichen, aber auch der Freude anderer Menschen. Da anscheinend nicht eingerechnet: die Stadt. Denn die Verwaltung – darunter auch die ehemalige Baudezernentin Gabriele Nießen, wie Schwartz dann auflistet – habe ihm seine öffentlichen Pflanzungen einst regelrecht verboten. Auch sei ihm von Amts wegen gedroht worden, „alles wegzumähen“.

Geduldet, aber nicht erlaubt

Das hatte dann zwischenzeitlich mal das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) übernommen – zum Rande des Wanderweges am Küstenkanal, wo Schwartz einst ebenso aktiv war. Dort duldete man die Begrünung zwar, aber nur solange sie nicht die Arbeitsabläufe beeinträchtige, wie es 2013 hieß.

Auch die Stadt argumentiert bis heute sehr ähnlich: „Durch die Gewässerunterhaltung wird im Zuge der Jahresausschreibung ab Mitte bzw. Ende Juli eine Aufreinigung der Gräben vorgenommen. Wie auch in zahlreichen Schreiben erläutert, kann auf die ungenehmigte Bepflanzung im öffentlichen Verkehrsraum von Herrn Schwartz keine Rücksicht genommen werden. Die Belange der Gewässerunterhaltung sind da höher einzuschätzen.“ Unterm Strich des offenbar regen Austauschs beider Parteien steht letztlich: nichts.

Schwartz macht einfach weiter

Wahrscheinlich werden ein paar Schwartz’sche Tulpen noch bis zur kommenden Woche durchhalten, dann aber ebenso verblüht sein. Für Schwartz bedeutet dies nicht das Ende. „Ich bin eine robuste Natur“, sagt er, und: „ich will auch künftig den Achterdiek bepflanzen“. Dann aber bräuchte er aus gesundheitlichen Gründen tatkräftige Unterstützung.

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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