• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • LocaFox
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Lokalsport

Dieser Oldenburger hat den Dreh voll raus

04.04.2017

Oldenburg Konzentriert blickt Jörg Harms auf das Spielfeld vor sich. Jeweils elf kleine Miniaturfußballer, aufgereiht an Metallstangen, die in den hölzernen Spieltisch eingefasst sind, stehen sich gegenüber. Harms führt den Ball mit einer Spielfigur seiner Abwehrreihe. Dann, eine blitzschnelle Bewegung seines Handgelenkes, ein kurzer Pass nach vorn zum Stürmer, der von seinem Doppelpartner bedient wird. Eine schnelle Täuschung mit der Angriffsreihe, ein Schuss – und dann ist es zu hören, das Scheppern, wenn der Ball mit hoher Geschwindigkeit im gegnerischen Tor einschlägt. Jörg Harms nickt zufrieden, greift sich den nächsten Ball und übt denselben Spielzug noch einmal. Und noch einmal. Der 48-jährige Oldenburger bereitet sich auf die Teilnahme an der Tischfußball-Weltmeisterschaft vor, die von der International Table Soccer Federation (ITSF) vom 12. bis 16. April in der Kicker-Hochburg Hamburg ausgerichtet wird.

Pässe finden Abnehmer

Jörg Harms vertritt Deutschland zusammen mit Marvin Velasco (18) aus Burgwedel im Herren-Doppel. Sie sind im vorigen November Deutsche Meister geworden und haben mit dem Titelgewinn ihr WM-Ticket gelöst. „Wir sind eine Super-Kombination“, sagt Harms. Der erfahrene Oldenburger, der als Spieler mit der Nationalmannschaft 2012 schon Vize-Weltmeister geworden ist und seit 2013 auch als Junioren-Nationaltrainer fungiert, kennt das Mega-Talent bereits seit einigen Jahren. „Wir ergänzen uns mit unserer Spielweise hervorragend“, analysiert Harms. Marvin ist der angriffslustige Draufgänger im Sturm, er der Defensivstratege, der Ruhe ausstrahlt. Harms’ Spezialität: Pässe aus der Abwehr heraus spielen, die sein junger Doppelpartner in traumwandlerischer Sicherheit mit seiner Dreier-Angriffsreihe verwertet. „Vier von fünf Pässen kommen an“, sagt Harms. Viele Abläufe sind einstudiert, zehn Turniere hat das Meister-Duo im vergangenen Jahr bestritten.

Jörg Harms räumt ein, dass er in seinem Spiel „nicht die krassesten Skills“ hat, dieses Defizit macht er aber durch Erfahrung und taktisches Geschick wett. „Das ist der Unterschied zum Kneipensport: Beim Kickern in der Kneipe gewinnt derjenige, der über die besten Fähigkeiten verfügt. Ein Turnier auf Profi-Niveau gewinnt derjenige, der die besten Entscheidungen trifft.“

Den Gegner lesen

Gegenspieler feuern den Ball so schnell, dass man als Torwart kaum die Möglichkeit habe, auf die Aktion zu reagieren. Vielmehr komme es darauf an, den Gegner zu lesen. Zu erahnen, welchen Schuss er ansetzen und in welche Ecke er abziehen wird. „Auf hohem Niveau ist Kickern ein Denksport“, sagt Harms. Nicht von ungefähr werde das Spiel im Englischen „High-Speed-Chess“, also Hochgeschwindigkeitsschach, genannt. Und das Herren-Doppel ist für ihn die „Königsdisziplin“.

Steff Schmid: Am Kickertisch eine Macht BILD: privat

800 Spieler aus 41 Nationen kickern in Hamburg – WM-Spiele Live in „3Raumwohnung“

41 Nationen nehmen mit rund 800 Spielern an der Tischfußball-Weltmeisterschaft in Hamburg teil. Neben den Favoriten aus den USA, Frankreich, Belgien, Österreich und Luxemburg sind auch Teams aus Argentinien, Weißrussland, China, Brasilien, Iran, Japan, Südkorea, Taiwan, Peru, Südafrika, Indien, Benin und Uruguay vertreten.

In der Osterwoche von Mittwoch, 12. April, bis Sonntag, 16. April, verwandeln sich die fünf Theaterhallen am Hamburger Kampnagel in Tischfußball-Arenen mit 120 Tischen. Insgesamt werden 25 Weltmeistertitel ausgespielt, in fünf verschiedenen Disziplinen jeweils in den Kategorien Herren, Damen, Senioren (Ü50), Junioren (U18) und Rollstuhlfahrer.

Mitfiebern und Anfeuern ist ausdrücklich erwünscht – aber nur nach Torerfolg oder wenn der Ball rausfliegt, zwischen den Sätzen oder beim Time-Out. Ähnlich wie beim Tennis soll die Konzentration der Sportler nicht beeinflusst werden.

Live gezeigt werden die Spiele in der „3Raumwohnung“ (Abraham 3) in Oldenburg, der Heimstätte des Klubs TFC Devils. Und zwar am Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils ab 18 Uhr und am Ostersonntag ab 15 Uhr.

Zwei Oldenburger Kicker-Cracks sind mit dabei: Jörg Harms tritt als Aktiver im Herren-Doppel an und coacht das Junioren-Team, die zweifache Mannschaftsweltmeisterin Stefanie „Steff“ Schmid (27, Bild) hat sich als Deutsche Meisterin 2015 für das Damen-Einzel qualifiziert.

Mehr Infos unter

Mehr Infos unterwww.tischfussball-wm-2017.de

Jörg Harms hat 1990 mit dem Kickern begonnen – während des Studiums in Göttinger Kneipen. „Ernsthaft“ betreibt er sein Hobby seit 1993, dem Jahr seiner ersten Turnierteilnahme. 1998 zog es ihn nach Oldenburg, von 2000 bis 2006 legte er berufsbedingt eine Pause im Turniergeschehen ein. Doch dann packte ihn wieder die Leidenschaft, er führte den frisch gegründeten Klub TFC Devils Oldenburg in die 1. Bundesliga und wurde 2009 eine feste Größe in der Nationalmannschaft. Dort dominieren jetzt zwar die Jüngeren – als im Tor und in der Abwehr agierender Doppelspieler sieht Harms für sich aber sehr gute Möglichkeiten, um noch lange weiter auf hohem Niveau spielen zu können.

Fünf Kickertisch-Modelle

Bei der WM in Hamburg sind fünf verschiedene Kickertisch-Modelle mit unterschiedlichen Belägen zugelassen. „Das ist vergleichbar mit Rasen- und Sandplätzen im Tennis“, weiß Harms. Jedes Team dürfe seinen Heimtisch wählen, im Duell wird von Satz zu Satz zwischen diesen beiden Tischen gewechselt. Kommt es zum entscheidenden fünften Satz, wird sogar alle zwei Bälle der Tisch gewechselt. Mit seinem Doppelpartner wird Jörg Harms im Bundesleistungszentrum in Hannover trainieren – dort sind alle WM-Tische und Beläge vorhanden. Ob es zu einer vorderen Platzierung unter den 118 Doppel-Teams reicht, vermag Harms nicht zu sagen. „Theoretisch können wir fast jeden schlagen.“ Viel hänge davon ab, nicht schon in der am Donnerstag, 13. April, beginnenden Quali-Runde auf ein Top-Duo zu treffen. Als Favoriten sieht Harms den Belgier Frederic Collignon mit seinem Partner Tom van de Cauter sowie den US-Amerikaner Tony Spredeman an der Seite von Robert Mares.

Bei den Junioren ist Deutschland hingegen klarer Titelanwärter Nr. 1. „Wir haben das größte Potenzial“, wechselt Jörg Harms in die Rolle als Trainer und legt die Latte für seine Schützlinge hoch: „Alles andere als der Sieg wäre eine Enttäuschung.“

VfB Oldenburg - FC St. Pauli U23 - 3x2 Freikarten zu gewinnen

NWZonline-Gewinnspiel
VfB Oldenburg - FC St. Pauli U23 - 3x2 Freikarten zu gewinnen