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Ex-Vfb-Oldenburg-Kapitän Faqiryar: Torwart will seine Heimat zu einem besseren Ort machen

16.03.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-03-16T08:41:56Z 280 158

Ex-Vfb-Oldenburg-Kapitän Faqiryar:
Torwart will seine Heimat zu einem besseren Ort machen

Oldenburg Mit deutschen Sprichwörtern steht Mansur Faqiryar sozusagen auf Du. Oft hört der Deutsch-Afghane derzeit aus dem Volksmund, dass auf einen groben Klotz ein grober Keil gehöre. Doch der frühere Torwart des VfB Oldenburg hält sich an eine mindestens ebenso schlagkräftige andere Spruchweisheit: „Schmiede das Eisen, solange es heiß ist!”

Der 31-Jährige spricht nicht nur Deutsch, sondern auch Rani fließend, eine der beiden Amtssprachen seines Geburtslandes. Seine Eltern sind mit dem ein Jahr alten Sohn 1987 nach Deutschland geflüchtet. Das Eisen, an dem Faqiryar schon während seines 2016 abgeschlossenen Wirtschaftsstudiums zu schmieden begonnen hat, heißt: Nachhaltige Entwicklung in Afghanistan von Kindern, Jugendlichen und besonders Mädchen über den Sport, dazu der Bau einer Fußballakademie in der Hauptstadt Kabul.

Volksheld in der Heimat

In Afghanistan gilt Faqiryar als Volksheld. Das öffnet ihm viele Türen. Im Halbfinale der Südasien-Meisterschaft 2013 gegen Nepal (1:0) hielt er zwei Elfmeter, im Finale gegen Indien (2:0) wehrte er alle Angriffe ab. 30 000 Fans feierten die Mannschaft bei der Rückkehr nach Kabul. „Es gab zum ersten Mal das Gefühl, dass alle stolz auf ihr Land sind”, sagt der damalige VfB-Kapitän.

Gegenwärtig arbeitet er im Stab des Nationaltrainers Otto Pfister aus Deutschland als Torwarttrainer. Die afghanische Auswahl nimmt gerade in einer Gruppe mit Jordanien, Kambodscha und Vietnam die Qualifikation zur Asienmeisterschaft in Angriff.

Vor gut zwei Jahren hat der in Bremen lebende und arbeitende Sportler eine Stiftung gegründet, um ein Netzwerk von Unterstützern zu flechten und Geld für das Projekt einzuwerben. Klaus Berster, Ehrenpräsident des VfB Oldenburg, ist Treuhänder der Stiftung, der „Mansur Faqiryar Foundation”. Alexander Nouri, Trainer des Bundesligisten Werder Bremen, wirkt als Kurator mit. Heimische Bundespolitiker wie Stefan Albani und Thomas Kossendey haben Verbindungen bis hin zum Entwicklungsministerium geknüpft. Organisationen wie der Rotary-Club Westerstede ermöglichen zudem kurzfristig Reisen nach Afghanistan.

Junge Leute begeistert

Gerade ist Faqiryar aus seinem Heimatland nordwestlich von Pakistan zurückgekehrt. „Es kommt dort ganz viel in Bewegung”, lautet sein Fazit. „70 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 25 Jahre, ein gewaltiges Potenzial“, sagt er, „die jungen Menschen begeistern sich für Sport.” Doch er sieht auch eine riesige Lücke: „Einen Rahmen und Programme dafür, das zu nutzen, gibt es kaum.”

Der 2014 gewählte Staatspräsident Aschraf Ghani weckt große Hoffnungen. „Er setzt extrem auf die Jugend, zieht viele der heute Dreißigjährigen, die in Europa studiert haben, zurück ins Land. Es entstehen staatliche Strukturen, sogar ein neues Nationalbewusstsein.” Dass Warlords, Clans, Religionsfanatiker oder Stammesführer ihre Macht nicht so einfach an eine Zentralregierung abgeben werden, ahnt er trotzdem: „Da bin ich nicht naiv. Aber unsere Menschen erkennen die neue Chance.“

Darf Afghanistan da schon als sicheres Ausreiseland gelten? „Kein Afghane, der sein Land liebt, verlässt es freiwillig”, gibt Faqiryar zu bedenken. „Und in Deutschland und Europa fühlt er sich von seiner Mentalität her immer fremd.“ Da ist der Konflikt klar: „In Deutschland lebe ich sicher, aber in einer fremden Kultur. In Afghanistan muss ich täglich Anschläge fürchten, aber hier ist meine Heimat.“ Das sei ein Konflikt, „der für unser Verständnis in Deutschland nicht zu lösen ist.“

Torwart wird zum Stürmer

Erst einmal aber spürt Faqiryar bei seinen Visionen den frischen Wind, da wird der Torwart zum zielstrebigen Stürmer. Vieles hat er in den vergangenen Wochen vor Ort angestoßen. Direkt kann er auf die Unterstützung von Rula Ghani bauen, der Frau des Präsidenten, der „First Lady”, wie er sie respektvoll nennt.

Sie plant ein Kulturzentrum, das Jugendliche, Mädchen und Frauen anziehen soll. „Dort soll auch die Sportschule integriert werden”, hat sie angeregt. Ein Grundstück ist bereits erworben worden, der deutsche Botschafter in Kabul über die Planungen informiert.

Es gibt positive Rückmeldungen an die deutsche Politik, die Mittel bereitstellt. „Da schließt sich ein Kreis”, sagt Treuhänder Berster. „Die Bundesregierung fördert ja gerade solche Projekte, die jungen Menschen in ihren Heimatländern bessere Perspektiven als eine Flucht eröffnen.“

Mansur Faqiryar zitiert eine passende Weisheit: „Sport hat die Kraft, die Menschheit zu verändern.” Das ist kein deutscher Spruch, eher ein internationaler. Nelson Mandela hat ihn gesagt.

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