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Panini-Bilder: Volles Album ist hart erkämpft

04.06.2014

Oldenburg Der idyllische Spielplatz im Eversten Holz, Abendbrotzeit, langsam kehrt hier Ruhe ein. Drei Mädchen drehen ihre letzte Laufrunde, ein kleiner Holztisch unter einer Eiche ist noch besetzt. Wie an jedem Mittwoch um 19 Uhr. Bunt verstreut liegen Bilder von Schweinsteiger und Müller, Götze und Cristiano Ronaldo, Simeon Vrsaljko aus Kroatien und Yaya Touré von der Elfenbeinküste, zwischen Daumen und Zeigefinger von Männern und Kindern zwischen 13 und 72 ganze Stapel mit Nationalspielern, daneben Alben, Kulis, Döschen, Zettel voller Zahlen: Panini-Zeit zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien.

Alle sind konzentriert und heiter auf der Jagd: Wer hat die beiden Chilenen 152 und 156? Sehr gerne auch die 403, Boniek Garcia aus Honduras. Weit wird er wohl nicht kommen, der Garcia in Brasilien. „Selbst in dieser leichten Gruppe ist das Achtelfinale für diese schwache Mannschaft utopisch“, befindet der Kicker. Aber hier, unter der Eiche im Eversten Holz, ist Boniek Garcia sehr bedeutend: das drittletzte Bild, das Martin Heimann noch fehlt.

Der 47-Jährige beobachtet je nach Alter grundverschiedene Sammel-Techniken: „Es ist faszinierend: Die kleinen Kiddies gucken die Stapel nach Gesichtern durch. Die wissen genau, wen sie schon eingeklebt haben und wen nicht. Wir Älteren gucken auf der Rückseite nur nach Zahlen, dabei ist die andere Variante eigentlich schöner.“

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640 Bildchen müssen es sein: Stadien, Verbandswappen, Mannschaftsfotos, Einzelspieler – mit Heimatverein, Geburtstag Größe und Gewicht. Getauscht wird hier 1:1, Kinder bekommen auch schon mal einen ganzen Haufen geschenkt. Wer sein Album fast voll hat, kann die letzten Bilder auch bestellen.

Das kommt für Heimann allerdings einer groben Unsportlichkeit gleich: „Ein echter Panini-Sammler darf nicht im Internet bestellen, das ist albern. Da meldest du dich bei zehn Leuten und dann hast du’s schon voll. Das muss hart erkämpft sein, zum Beispiel hier unter freiem Himmel, auch im Regen.“

So sieht es auch Martin Schneider. Für den 44-Jährigen ist das Sammeln quasi ein Teil der WM- Vorbereitung. Er sagt: „Wir haben WM-Fieber, 41,8 Grad.“ Der Spaß liegt für ihn „im Kaufen und Einkleben, vor allem am Anfang, wenn alles passt, ist das ein Riesenspaß.“ Zuletzt hat ihm die Tochter aber Tütchen mitgebracht, „da waren 35 von 37 Doppelte“, lacht er. Um nicht zuviel Geld für Doppelte auszugeben, „darf man ab 100 Fehlenden nicht mehr kaufen, sondern muss tauschen“, sagt Schneider. Denn so ein Panini-Album ist teuer: „80 bis 90 Euro muss man investieren, ab dann wird getauscht“, sagt der Jäger und Sammler.

2006 ist Heimann mit seinem Sohn eingestiegen, vor allem im „Salon Jürgenz“ ging’s damals rund. „Ich habe meine Liebe dazu wiederentdeckt, aber mein Sohn ist längst wieder ausgestiegen. Er sagt: ,Papa, ich hab’ keinen Bock mehr dazu. Er fragt auch nicht mehr in seiner Klasse für mich, weil ihm das peinlich ist.“

Für die WM ist die Runde hier eher skeptisch: „Halbfinale“, sagt Rainer Kracke, der bei der WM 1974 das erste Mal gesammelt hat, „mehr geht nicht.“ Kracke sammelt „für meine Kinder, aber das ist so ein bisschen Alibi, eigentlich bin ich nur der Sammler.“

Wie bei allen Fußballfans geht es immer gleichzeitig ums Fachsimpeln. „Das Gute am Sammeln ist der Austausch mit den Leuten“, sagt Heimann. „Du willst fertig werden, aber eigentlich willst du doch gar nicht fertig werden, weil’s echt schade ist, wenn’s vorbei ist.“

Karsten Röhr Redakteur / Redaktion Oldenburg
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