Oldenburg - Ein Museum der Menschheit auf dem Mond: Das ist die Idee des kanadischen Physikers und Unternehmers Samuel Peralta. Die Arbeiten von 30.000 Künstlern aus 160 Ländern werden dafür an Bord der NASA-Mission Artemis sein, die im Jahr 2026 erstmals seit 50 Jahren wieder Menschen auf den Erdsatelliten bringen soll. Dafür werden natürlich keine Leinwände in die Raketen geladen – die Gemälde, Fotos, Filme und Musik werden für den „Lunar Codex“ digitalisiert und in Zeitkapseln gespeichert.
Bild von einem Hai
Mit dabei sein wird auf der Reise ein Werk der Oldenburger Künstlerin Alexandra Telgmann. Ausgewählt wurde ihr Bild „Golden Ocean Reflection – Shark“, das in einer Ausgabe des amerikanischen „PoetsArtists“ Magazine abgedruckt ist. „Als ich die Nachricht bekam, dass mein Bild dabei ist, konnte ich mein Glück gar nicht fassen“, erzählt sie. Telgmann malt realistische Kunst und hat viele Kontakte in die USA, wo sie auch studiert hat, nach England, Spanien und in die Niederlande. Dort ist der Stil populärer als in Deutschland. „Im Realismus malt man naturgetreu, aber findet dennoch einen ganz eigenen Blick auf sein Motiv“, erklärt sie.
Leben im Moment
Seit mehreren Jahren schon beschäftigt sich Alexandra Telgmann mit dem Thema Wasser. „Wir haben unsere Welt hier oben. Unter Wasser eröffnet sich eine ganz andere Welt. Man findet Ruhe und Frieden, Geräusche sind abgeschaltet.“ Regelmäßig taucht sie für ihre Motive selbst, zum Beispiel an der Küste von Ibiza. „Wenn man ohne Sauerstoffgerät unter Wasser ist, ist man auf seinen Atem begrenzt. Man lebt ganz im Moment“, beschreibt sie. Einem Hai, wenn auch nur einem kleinen, ist sie schon begegnet. „Ich finde sie faszinierend. Sie werden oft als gefährlich dargestellt. Wenn man richtig mit ihnen umgeht, sind es aber friedliche Tiere“, sagt Alexandra Telgmann. Kraft und Ruhe, das verkörpern die Haie für sie.
Malen mit Gold
Um das reflektierende Sonnenlicht auf dem Wasser über dem Hai darzustellen, hat sie auf Blattgold zurückgegriffen. „Das ist eine alte Technik, sie wurde in früheren Zeiten für Ikonen genutzt“, erklärt die Künstlerin. „Ich nutze sie nun anders.“ Sie malt mit Ölfarben, auch nach traditionellen Verfahren. „Meine Bilder werden deshalb in 300 Jahren noch genauso aussehen wie jetzt“, sagt sie. Schicht für Schicht, Pinselstrich für Pinselstrich trägt sie die Farben auf – so erreicht sie eine große Tiefe in ihren Bildern. „Wasser hat viele Nuancen. Es fließt, es verändert sich. Auch unser Leben besteht aus einem ständigen Wechsel“, erzählt die Künstlerin. Das möchte sie in ihren Werken zeigen – bald konserviert für eine Ewigkeit auf dem Mond.
Reichtum der Menschheit
„Unsere Hoffnung ist es, dass Reisende in einer Zukunft etwas über den Reichtum unser heutigen Welt erfahren. Neben Kriegen, Pandemien und der Klimakatastrophe hat die Menschheit auch die Zeit gefunden zu träumen und Kunst zu erschaffen“, hat der Initiator des Lunar Codex, Samuel Peralta, erklärt. Dafür sollen die Bilder, Filme und Lieder sicher auf dem Mond aufbewahrt werden. Mit dabei sein wird das Bild eines Haies, über dem sich die Sonne golden bricht.
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