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Konzert „Lux in Tenebris“ in Oldenburg Das Licht überwindet die Finsternis

Das Ohmsteder Vokalensemble, unterstützt von Solisten, Musikern und weiteren Chören unter Gesamtleitung von Beate Besser, führte das Friedensoratorium „Lux in Tenebris“ auf.

Das Ohmsteder Vokalensemble, unterstützt von Solisten, Musikern und weiteren Chören unter Gesamtleitung von Beate Besser, führte das Friedensoratorium „Lux in Tenebris“ auf.

Sascha Stüber

Oldenburg - Aus Eifersucht erwächst Entfremdung, aus Entfremdung Gewalt, aus Gewalt Mord: Die Geschichte von Kain und Abel erzählt ein Muster, das bis heute Kriegen und Verbrechen zugrunde liegt. Diesem Muster steht die Hoffnung und Erfahrung gegenüber, dass das Gute letztlich das Böse überwindet. Der Komponist Helge Burggrabe steht mit „Lux in Tenebris“ in einer langen Reihe musikalischer, literarischer oder gestaltender Bearbeitungen dieses Kampfes zwischen Tod und Leben. Unter der Überschrift „Licht in der Finsternis“ hat der 49-Jährige zur 1200-Jahr-Feier des Doms in Hildesheim 2015 entlang der 15 biblischen Szenen der Bernwardtür ein Friedensoratorium komponiert. In gelungener Weise verschränken Burggrabe, die Journalistin Angela Krumpen sowie der Theologe Reinhard Göllner biblische Texte mit Gedichten unter anderem von Rainer Maria Rilke und Hilde Domin sowie mit Texten von Angela Krumpen zu einem inspirierenden Libretto.

Gewicht und Intensität

Die Kirchenmusikerin Beate Besser hat sich getraut, das monumentale Werk, das nach der Uraufführung in Hildesheim bereits im Kölner Dom und in weiteren großen Kirchen zu hören war, mit ihrem Ohmsteder Vokalensemble sowie der Choralschola Oldenburg (Manuel Uhing), einem Jugendprojektchor (Majka Wiechelt), Solisten und Musikern aufzuführen. Seine Kraft gewinnt „Lux in Tenebris“ nicht nur durch das existenzielle Licht-Finsternis-Motiv. Die mehr als 60 Stimmen, begleitet von Bläsern, Schlagwerk, Streichern und Orgel, geben der Komposition Gewicht – untermalt durch eine Lichtinstallation, die Text und Tönen optisch Ausdruck verleiht. Burggrabe gibt der Musik Dichte durch einerseits orientalisch anmutende Ton-Folgen und andererseits beschwörende Wiederholungen. Textpassagen wie „Mein Kind ist tot, getötet von meinem Kind“, die den Brudermord beklagen, gehen in Verbindung mit der expressiven Musik unter die Haut. „Gott ist Licht“ bietet alles auf, was die Besetzung zu bieten hat – ein Statement des Komponisten, der sich durch zeitgenössische Vertonung christlich-religiöser Texte einen Namen gemacht hat.

Anspruchsvolle Partie

Beate Besser führte die große Schar der Mitwirkendem mit einem klaren Dirigat durch alle rhythmischen und musikalischen Untiefen. Der Chor meistert seine anspruchsvollen Partien gut, kommt nur bei den teils hohen Lagen an seine Grenzen. Beim Solisten-Ensemble (Marta Kosztolanyi, Sopran; Sophia Maeno, Alt; Manuel König, Tenor und Matthias Vierweg, Bariton) fällt der Bariton besonders positiv auf.

Das Programmheft bietet mit dem vollständigen Text eine gute Verständnishilfe. Erläuterungen zum Werk und den Reliefs der Bernwardtür erschließen Zusammenhänge. In der abschließenden Lichtvision hat das Licht mit den Versen „Ich war immer da. Ich bin immer da“ das letzte Wort – nicht triumphal, sondern innerlich.

Die letzten Töne verklingen, die Lichter erlöschen, der Kirchenraum liegt im Dunkeln. Es ist die Erfahrung von Frieden, von der wohl jede Zuhörerin und jeder Zuhörer an diesem Abend hofft, dass sie in unserer Welt Wirklichkeit wird. Nicht zuletzt in der Ukraine.

Christoph Kiefer
Christoph Kiefer Reportage-Redaktion (Chefreporter)
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