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NWZonline.de Region

Majestät muss sich für neue Rolle stärken

24.02.2016

Oldenburg /Berlin Stephan Weil hat die Vorteile der Kohlkönigswürde schätzen gelernt. Diskussionen über seine Regentschaft gebe es nicht, erzählte der Regent, denn Kritik stehe als Majestätsbeleidigung unter Strafe. Auch sonst habe die Monarchie einige Vorteile gegenüber den anstrengenden Gepflogenheiten einer Demokratie, seufzte der scheidende Monarch. Kein Wunder, dass Kohlkönig Stephan in seiner Abschiedsrede beim Gröönkohl-Äten am Montagabend in Berlin die zurückliegenden zwölf Monate als „einzigartigen Höhepunkt seiner bisherigen politischen Laufbahn“ verbuchte.

Der niedersächsische Ministerpräsident haderte damit, dass dem einen Amtsjahr kein weiteres folgt. Wochenlang habe er auf einen Anruf aus Oldenburg gewartet, berichtete Weil. „Mit mir hätte man über eine zweite Amtszeit reden können.“

„Nichts als Blödsinn“

Doch daraus wurde nichts. Oberbürgermeister Jürgen Krogmann erteilte dem Ansinnen seines Parteigenossen eine klare Absage; er hielt sich dennoch eine Hintertür offen. Die Statuten für die Kohlregentschaft würden eine Verlängerung „derzeit“ nicht hergeben, führte er aus. Für Dietmar Wischmeyer alias Günter der Treckerfahrer gab es indes einen ganz anderen Grund, Weils Amtsjahr kein zweites hinzuzufügen. „Nichts als Blödsinn“ habe Stephan I. im Kopf gehabt, ärgert sich der „Große Kurfürst“. „So eine Pleite“ könne man sich nicht jedes Jahr leisten, sinnierte der Sprecher des Kurfürsten-Kollegiums. Die wahren Wünsche der Oldenburger nach Unabhängigkeit von Niedersachsen („Oxit“) habe er nicht erfüllt. Es sei ein Fehler gewesen, die Ämter in Hannover und Oldenburg in Personalunion ausüben zu lassen, frotzelte der Kabarettist.

Diese Sorge muss der „Kurfürst“ bei Weils Nachfolgerin Johann I. nicht haben. Als Nicht-SPD-Mitglied und dazu noch als Frau sei sie die geeignete neue Kohlmajestät, urteilte der Königsmacher mit spitzer Zunge. Einstimmiger habe der Beschluss seines Kollegiums gar nicht fallen können als für diese Agrotechnikerin („hat nichts mit Hooligans zu tun“).

Die neue Regentin erwies sich einerseits der Vorschusslorbeeren würdig. Andererseits hatten sich nicht wenige Untertanen dann doch eine standesgemäßere Antrittsrede gewünscht. Die Bundesbildungsministerin zeichnete den internationalen Siegeszug der „Palme des Nordens“ nach. Als Trendgemüse erobere der Grünkohl die Szene-Lokale in den USA. Der hohe Vitamingehalt und andere Vorzüge würden weltweit geschätzt, unterstrich die neue Kohlkönigin. Eine Internationalisierungsstrategie müsse her; ein Graduiertenkolleg an der Carl von Ossietzky Universität könne ebenfalls neue Impulse entfalten. Grünkohl sei anpassungsfähig, individuell und abgehärtet – alles Eigenschaften, um sich auch als „politisches Gemüse“ zu behaupten.

Beim Kohlvolk traf die neue Regentin auf Zustimmung. Alles gut und richtig, hieß es. Doch ihre Leidenschaft für das Grünkohlzepter habe die Königin bei ihrem ersten Auftritt noch etwas zu stark im Zaum gehalten.

Wanka selbst kündigte mehr Bürgernähe an. Sie bittet die Untertanen um Mitteilung, wo ihre Besuche in den nächsten Monaten erwünscht seien – ob im Theater, beim Sport oder zu Festen. Die NWZ  will gerne alle Wünsche der Bürgerinnen und Bürger an die Kohl-Monarchin weiterleiten. Helmut Fokkena („Fokkis Weidenfest“) ließ sich diese Aufforderung nicht zweimal sagen und sicherte sich noch am gleichen Abend zumindest eine halbe Zusage für die Veranstaltung am 22. Juni in Bümmerstede zu.

So perfekt der Abend vom Protokoll und kulinarisch verlief: Das 59. Gröönkohl-Äten brachte eine Krise der Oldenburg-Hymne „Heil, dir o Oldenburg“ zutage. Im Vorjahr hatte der müde, dünne Klang bei echten Fans der Hymne fürs Missfallen gesorgt.

Hymnen-Krise

In diesem Jahr hatte Oberbürgermeister Krogmann die Sängerin Annie Heger und die Band Chapeau Manouche als Unterstützung engagiert. Doch dann sang Heger mit kräftiger Stimme über längere Passagen einen ganz anderen Text, als ihn das Kohlvolk auf den Programmheften vorfand und nach Kräften sang.

Was war passiert? Die Musiker hatte zu einer Fassung der Oldenburgischen Landschaft gegriffen. Die Umformulierung umschifft Klippen, die der Text von Theodor von Kobbe aus dem 19. Jahrhundert enthält. Auf den Tischen ausgelegt war jedoch die Version, die der Ollnborger Kring 1929 vorgeschlagen hatte. „Die Aufarbeitung, wie es zu dieser Unstimmigkeit kommen konnte, ruft nach einem Ausschuss“, nahm Krogmann die Panne mit Humor, hätte sich aber gewünscht, vorher informiert worden zu sein.

Dem offiziellen Programm schloss sich ein gemütlicher Ausklang in den Räumen der Landesvertretung an. Bis tief in die Nacht feierte das Kohlvolk den ereignisreichen Regentenwechsel.


Mehr Infos unter   www.nwzonline.de/fotos-oldenburg 
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Christoph Kiefer
Redaktionsleitung
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2101
Sabine Schicke
stv. Redaktionsleitung
Redaktion Oldenburg
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0441 9988 2103

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