Oldenburg - Hier soll jeder sein eigenes Reich haben und trotzdem Teil einer Gemeinschaft sein, in der alle unter einem Dach leben – vom Kleinkind bis zum Rentner und in allen Altersklassen dazwischen. Das „Wohnprojekt Fliegerhorst“ ist als Mehrgenerationenhaus geplant, in dem bis zu 14 Eigentumswohnungen variabler Größe entstehen sollen. Acht Mitstreiter – zwei Paare und vier Einzelpersonen – sind bereits mit im Boot, weitere Interessenten werden gesucht, das Grundstück im Modellquartier auf dem Fliegerhorst ist reserviert und knapp 1800 Quadratmeter groß.
Nicht anonym
„Als Bewohner wollen wir zusammenkommen“, beschreibt Michael Aldenhoff den Grundgedanken. Jeder wohne für sich und könne sein Leben mit der Nähe oder auch dem Abstand zur Nachbarschaft nach den eigenen Vorstellungen gestalten. Das Projekt schafft einen Rahmen, in dem mehr Begegnung stattfinden kann als in einer sonst oft anonymen Nachbarschaft.
Aldenhoff: „Man muss sich Gedanken machen: Wo will ich später mal wohnen? Man muss sich rechtzeitig darum kümmern.“ Michael Scharmann, der eine der Wohnungen beziehen will, sagt: „Ich wohne alleine, aber mir ist Nachbarschaft ganz wichtig, sich gegenseitig zu unterstützen, mal was zusammen machen.“ Maria Schäfer-Buddenkotte stellt aber klar: „Niemand spekuliert hier auf Versorgung oder gar Pflege. Aber ich kann es mir schon vorstellen, zum Beispiel mal die Kinder der Nachbarn zu hüten.“ Sie wohne mit ihrem Mann jetzt in einem alten Haus, „nicht barrierefrei und mit einem großen Garten“, wie die Oldenburgerin erzählt: „Wir sind Kontaktmenschen und haben uns andere Wohnprojekte angeschaut. Und das hat uns gefallen.“
Gemeinsame Flächen
Man wohnt alleine und ist doch zusammen: So ist die Vorstellung. Deshalb soll es Gemeinschaftsflächen geben, auch als Garten. Vor allem über jüngere Familien mit Kindern würden sich die derzeit acht Personen, die sich in einer GbR für das Projekt zusammengetan haben, als weitere Interessenten freuen. Das Grundstück sei von der Stadt noch bis Jahresende reserviert und soll im Rahmen eines Erbbauvertrages von der Stadt übernommen werden. „Am Ende werden die Wohnungen etwas günstiger sein als sonst auf dem Oldenburger Wohnungsmarkt üblich“, sagt Michael Aldenhoff.
Infos am 13. April
Die Gemeinschaft plant eine öffentliche Infoveranstaltung zum „Wohnprojekt Fliegerhorst“ am Sonnabend, 13. April, ab 15 Uhr im Christophorus-Haus, Brookweg 32 in Oldenburg.
Das reservierte Grundstück gehört zum ModellFlieger-Projekt, das familien- und klimafreundliches Wohnen auf dem Fliegerhorst schaffen will. Das Interesse an den Grundstücken ist derzeit aber verhalten: So konnten ab Juni 2023 Interessierte ihr Interesse an den Grundstücken bekunden, die Phase endete am 1. September 2023 mit lediglich drei Bekundungen. Dabei handelte es sich um eine Baugemeinschaft mit sieben Haushalten sowie zwei Familien, die sich jeweils alleine beworben haben. Die Daten der Interessierten wurden ausgetauscht. Eine gemeinsame Gruppe ist daraus nicht entstanden, teilt die Stadt mit. Verblieben ist die Baugemeinschaft für das „Wohnprojekt Fliegerhorst“.
Vermarktung lahmt
Die übrigen Grundstücksflächen würden weiterhin für Baugemeinschaften vorgehalten. „Insgesamt ist jedoch festzustellen, dass trotz des zunächst relativ großen Interesses an dem Projekt ModellFlieger mit 80 Personen bei der ersten Informationsveranstaltung am 24. Januar 2023 lediglich drei Interessenbekundungen eingegangen sind.“ Den Gründen für das nachlassende Interesse an einer konkreten Umsetzung ist die Verwaltung nachgegangen: „In Gesprächen mit potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern wurden hauptsächlich die schwierige Finanzierung von Bauvorhaben sowie die generell hohen Baukosten als Gründe für das mangelnde Interesse vorgetragen.“ Angesichts der derzeit sinkenden Zinsen und nach weiterer Beobachtung des Marktes soll im 2. Halbjahr 2024 der nächste Anlauf gestartet und eine weitere Interessenbekundung gestartet werden.
