Die Stadt Oldenburg will im Frühjahr eine Stadtkarte veröffentlichen, auf der sichere Orte gekennzeichnet sind. Was auf den ersten Blick wie ein bürgernaher Service wirkt, birgt unangenehme Nebenwirkungen.
Denn wo Straßen, Bezirke oder Stadtteile in ein positives Licht gerückt werden, werden im Umkehrschluss andere gebrandmarkt – es drohen No-go-Areas in Oldenburg. Und das basierend auf dem subjektiven Gefühl einzelner.
Konkret fragt die Stadt in ihrem Aufruf nach „Belästigungen und Unsicherheiten“. Mal davon abgesehen, dass erstere nicht auf ein städtisches Meldeportal, sondern zur Polizei gehören, bleibt offen, wer nach welchen Kriterien bewertet, was als „Unsicherheit“ gilt. Eine kaputte Laterne? Ein aufdringlicher Bettler? Oder gar der knurrende Nachbarshund? Diese Idee ist so nicht richtig zu Ende gedacht.
Eine Meldestelle mit konkreten Verbesserungsvorschlägen ist hingegen sinnvoll und ausreichend. Die Stadt versetzt sich selbst in Zugzwang, sich der konkreten Probleme der Bürgerinnen und Bürger anzunehmen. Denn mit einer Meldung ist immer eine konkrete Erwartungshaltung verbunden: Die benannte Situation muss verbessert werden. Das wäre konstruktive Bürgerbeteiligung. Dafür ist keine Karte nötig, die bestimmte Bereiche brandmarkt.
