Oldenburg - Was vor dem Wochenende wohl einer der unscheinbarsten Plätze der Stadt gewesen sein dürfte, erstrahlt ab sofort in ganz neuem und farbenfrohen Glanz. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler verwandelten den zuvor eher tristen Bundesbahnweg im Rahmen des Memur-Urban-Art-Festival mit ganz verschiedenen Stilen und Ideen in eine Open-Air-Kunstgalerie. Dabei standen weltpolitische Ereignisse der zurückliegenden zwölf Monate im Fokus.

„Ich war mir gleich ziemlich sicher, dass ich das Thema Umwelt darstellen wollte“, sagt etwa Max König (30), der mit seinem Werk auf die Abholzung des Regenwalds am Amazonas in Brasilien eingeht. Es wird der Weg vom durch Menschen unberührten Dschungel bis hin zum Brachland aufgezeigt.“ Zuerst wird das Holz illegal gerodet, dann kommen die Rinderfarmen und zum Schluss kann nur noch Soja angebaut werden – dann ist alles platt und tot“, erklärt der Künstler. Der gebürtige Oldenburger studiert in Hamburg Illustration.

Auf das Memur-Festival bereitete er sich akribisch vor und skizzierte zuvor alle abgebildeten Pflanzen und Tiere in seinem Notizbuch vor. „Ich wollte ganz ohne Schrift auskommen“, sagt er. Die Grundlage bilden bei ihm die Farben Schwarz und Grün, hier und da verwendete er die Technik des Nebelns, um den Gesamteindruck mit zartem Rosa aufzulockern.

Direkt ins Auge gefallen war Königs Kunstwerk der Besucherin Regine Havenstein. „Es wirkt, als ob hier mehrere Dimensionen dargestellt werden“, staunte die Oldenburgerin, die wie viele weitere Interessierte in den Bann der Werke geriet. Noch für ein Jahr zieren diese die vormals triste 250 Meter lange Betonwand in der eher unbekannten Straße zwischen Bahnhof und Pferdemarkt. „Meinetwegen können die Bilder sogar noch länger dranbleiben“, meinte Havenstein schmunzelnd und dürfte damit für alle Oldenburger Kunstfreunde sprechen.