Oldenburg - Zehn Geschosse in einem Gebäude – das ist für Oldenburger Verhältnisse beachtlich. Zum Vergleich: Das vom Pius genutzte Hochhaus an der Peterstraße (ehemals NWZ) hat neun. Einigen Mitgliedern des Bauausschusses erschien die für das Grundstück Osterstraße/Moslestraße/Raiffeisenstraße vom Braunschweiger Architekturbüro Ahad vorgestellte Planung zu groß. „Wenn nicht dort, wo denn sonst?“, fragte SPD-Fraktionssprecher Ulf Prange in die Runde. Er hält das städtebauliche Konzept für diesen Standort für durchaus geeignet.
„ZuHause Immobilien“
Eigentümerin ist die „ZuHause in Oldenburg GmbH und Co. KG i.G.“, deren Muttergesellschaft die „ZuHause Immobilien“ in Stuttgart ist. Das Projekt war vor zwei Jahren erstmals vorgestellt worden, nun hat das Architekturbüro die Pläne präzisiert. Das Grundstück wird teils neu bebaut, bestehende Gebäude werden aber auch für eine weitere Nutzung saniert.
Das Kernstück
Kernstück ist das bereits erwähnte zehngeschossige Hochhaus. Definiert ist der Begriff Hochhaus in Deutschland übrigens damit, dass mindestens ein Raum, der zum Aufenthalt von Menschen vorhanden ist, 22 Meter über der Geländeoberfläche liegen muss – international gelten 40 Meter als Richtwert.
Das ursprünglich als Arbeitsamt und von der Gegenseitigkeitsversicherung Oldenburg genutzte, Mitte der 50er Jahre erbaute Verwaltungsgebäude an der Ecke Raiffeisenstraße/Osterstraße ist baulich gut erhalten. Die räumlichen Strukturen lassen sich zudem an die Bedürfnisse der modernen Arbeitswelt anpassen. Mieter ist seit längerer Zeit ein in Oldenburg ansässiges IT-Unternehmen, das laut Katja Ahad an dem Standort bleiben wird. Ahad: „Ziel des Entwurfskonzepts ist es, die bestehende Infrastruktur und das Grundstück, das bisher als Insel im städtebaulichen Gefüge erscheint, mit ergänzenden Neubauten im Sinne einer Nachverdichtung höher auszunutzen und eine größere Vernetzung (...) mit der Stadt zu erreichen.“
Bei der Konstruktion der Neubauten soll der Einsatz von Stahlbeton wegen seiner problematischen CO2-Bilanz auf ein Minimum reduziert werden. Die Primärkonstruktion wird deshalb als Holz-Beton-Hybridkonstruktion geplant.
Die Neubauten erhalten als Wetterschutzschicht der Außenwand nach Mitteilung der Architekten Oberflächen aus Fassadenmaterialien, die den Gebäuden einen urbanen und wertigen Ausdruck verleihen sollen mit einem Konstruktions- und Montageprinzip, das bei einem späteren Abriss den sortenreinen Rückbau oder eine Reparatur und Ergänzung erlaubt. Die neuen Gebäude schirmen die lärmsensibleren, nach Süden zur ruhigeren Osterstraße gelegenen Bereiche wie Servicewohnen und Pflege von den Lärmquellen ab.
Die Dächer der Gebäude sollen für aufgeständerte Photovoltaik-Anlagen in Verbindung mit einer extensiven Begrünung ausgelegt. Der gewonnene Solarstrom kann somit für die Warmwasserbereitung u.a. genutzt werden. Die Heizwärme für die Neubauten soll durch Luftwärmepumpen erzeugt werden. Die Gebäudehülle des Bestandsgebäudes wird soweit verbessert, dass die benötigte Heizenergie aus Erdwärme gewonnen und für ein energiesparsames, niedrig temperiertes Heizflächensystem genutzt werden kann.
Die zur Osterstraße gelegene Freifläche wird entsiegelt und in einen grünen Pocket-Park umgewandelt, in dem Schatten spendende Bäume auch durch Verdunstungskälte zum Mikroklima einen positiven Beitrag leisten. Dachflächen dienen als Gründächer der Rückhaltung von Regenwasser und wirken sich positiv auf das Klima in der unmittelbaren Umgebung aus.
Business-Center
Neben der Sicherung des Bestandsmieters sind zwei Neubauten an der Osterstraße für die Johanniter Unfallhilfe vorgesehen. Darin gibt es nach Mitteilung der Stadtverwaltung Räume für ein Frauenhaus, Servicewohnungen, Tagespflege und Räumlichkeiten für die Verwaltung dieser Einrichtungen. Im mehrgeschossigen Neubau an der Moslestraße sind Büro- und Dienstleistungsflächen für ein sogenanntes „Businesscenter“ geplant.
Der Ausschuss stimmte dem Aufstellungsbeschluss für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan einstimmig zu.
