Oldenburg - Ob da wohl viele kommen? Einige Zweifel hatten die Organisatorinnen Ann-Christin Langer und Uta-Masami Münch im Vorfeld gehegt. Doch die erwiesen sich als unbegründet.

Im Gegenteil: Elf Termine für Führungen durch den Alten Landtag samt Ausstellung hatten die Mitarbeiterinnen von Polizeipräsident Johann Kühme vorbereitet. Wenige Stunden nach der Veröffentlichung waren die bereits ausgebucht. Daraufhin richteten die Organisatoren kurzfristig weitere sieben Führungen ein. Und noch am selben Tag waren auch diese Angebote mit jeweils 15 bis 20 Besuchern vergeben.

„Mehr geht leider nicht“, bedauerte Kühme. „Wir sind überwältigt von dem Ansturm und freuen uns natürlich über das große Interesse. Aber uns fehlen für noch mehr Führungen die Kapazitäten.“

Die Glücklichen, die einen Termin ergattert haben, können sich auf spannende 90 Minuten freuen. Sie erwartet nicht nur ein Rundgang durchs Haus vom Eingangsportal durch alle Stockwerke bis auf den Speicher. Große Schautafeln, zum Jubiläum „100 Jahre Alter Landtag“ entwickelt, zeigen zudem eine Fülle von Fotos, Briefen, Bauzeichnungen und weitere Erläuterungen zur Baugeschichte und Nutzung.

Ansprechend ist zum Beispiel der handschriftliche Briefwechsel zwischen Architekt Paul Bonatz (1877-1956) und dem Oberbauamt. Wie langsam Entscheidungsprozesse schon vor 100 Jahren verliefen, zeigen verschiedene Entwürfe zum Bau eines Landtags. Von 1876 sind erste Zeichnungen erhalten – 40 Jahre später wurde das Gebäude fertiggestellt. Der Oldenburger Maler Bernhard Winter (1871-1964) hat mehrere Ausschüsse festgehalten – darunter einen Eisenbahnausschuss, der vor 100 Jahren die Belange Oldenburgs gegenüber der Bahn vertrat.

Weitreichende Auswirkungen hatte die Nazi-Diktatur auf den Alten Landtag. Mit der Machtergreifung endete 1933 die Nutzung des Gebäudes als Volksvertretung – nur 17 Jahre nach der Eröffnung. Nazi-Größen hielten in den Räumen Einzug; auf dem Platz vor Landtag und Staatsministerium wurden Parteiaufmärsche inszeniert.

In diese Zeit fällt die Gestaltung der Rückwand des Plenarsaals durch ein riesiges Fresko von Jan Oeltjen, das seit Umbau Ende der 70er-Jahre abgedeckt ist.

In voller Pracht zu sehen sind die Fresken von Bernhard Winter im Foyer vor dem Plenarsaal. Einer Bürgerinitiative ist es zu verdanken, dass Gemälde samt Tonnengewölbe heute noch zu bewundern sind. Entwürfe für den Umbau nach dem Motto „quadratisch, praktisch, gut“ hatten die Entfernung vorgesehen.

Vorträge, Konzerte, Seminare – heute ist der Alte Landtag rege nachgefragt als Veranstaltungsort. Wer Interesse hat, kann über die Polizeidirektion Räumlichkeiten mieten. Eine Kantine im ersten Stockwerk steht ebenfalls der Öffentlichkeit zur Verfügung. 100 Jahre nach der Eröffnung und mehr als 80 Jahre nach der letzten Landtagssitzung hat das Gebäude in Oldenburg einen festen, unverzichtbaren Platz.

Christoph Kiefer
Christoph Kiefer Reportage-Redaktion (Chefreporter)