Oldenburg - Die deutschsprachigen Fachgesellschaften für Notfallmedizin definieren alle Personen als medizinischen Notfall, „die körperliche oder psychische Veränderungen im Gesundheitszustand aufweisen, für welche der Patient selbst oder eine Drittperson unverzügliche medizinische und pflegerische Betreuung als notwendig erachtet“. Das Problem: Jeder erachtet etwas anderes als notwendig. Bei dem einen ist ein Notfall schon, was ein anderer noch als Bagatelle abtun würde. Und: Die subjektive Patientensicht weicht oftmals auch von der medizinischen Sichtweise ab. Auch wenn durch die Großleitstelle oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst eine gewisse Steuerung erfolgt, können Patienten letztlich die Versorgungsebene selber wählen. Und im Zweifel ist das die bestmögliche.

In einer aktuellen Studie der Universität Oldenburg unter Leitung von Dr. Insa Seeger vom Oldenburger Forschungsnetzwerk für Notfall- und Intensivmedizin, gaben 59,8 Prozent der Befragten an, eine Notaufnahme aus Eigeninitiative aufgesucht zu haben. Eine Faustregel sagt, dass jeweils ein Drittel über den Rettungsdienst, den Hausarzt und eigenständig kommt.

Immerhin 9,9 Prozent der Befragten gaben in der Oldenburger Studie an, medizinische Hilfe bei Erkältungssymptomen in der Krankenhausnotaufnahme gesucht zu haben, weitere 5,3 Prozent hatten den Notruf 112 gewählt. Aber: Bei Schlaganfallsymptomen, wenn es auf jede Minute ankommt, wählen nur 63,6 Prozent richtigerweise den Notruf 112, zunächst über die Hausarztpraxis versuchen es 13,4 Prozent, eigenständig kommen 15,2 Prozent zur Notaufnahme, 6,8 Prozent über den ärztlichen Bereitschaftsdienst.

Laut Untersuchungen werden bundesweit etwa zehn Prozent der Notfalleinsätze ohne Nutzung von Sonderrechten gefahren. Auch nimmt die Anzahl ambulanter Behandlungen ohne anschließenden Transport ins Krankenhaus zu – oder anders ausgedrückt: Solche Fälle sind eigentlich gar keine echten Notfälle.

Markus Minten
Markus Minten Stadt Oldenburg und Ammerland (Leitung)