Ofenerdiek - Die Erfolgsgeschichte von Kurt Bastwöste begann mit einem Portugal-Urlaub. 1986 war das, im Sommer, erzählt der 65-Jährige. Zu den Getränken, zu den Mahlzeiten als kleine Vorspeise oder auch einfach nur so standen in Knoblauch eingelegte Oliven auf dem Tisch – lecker waren die.
Abstecher nach Freiburg
Doch auch der schönste Urlaub geht mal zu Ende und Kurt Bastwöste machte sich auf den Heimweg, damals wohnte er noch in Osnabrück. Die Route führte ihn an Freiburg vorbei, wohin er einen kleinen Abstecher machte, um seine dort lebende Schwester zu besuchen. Am nächsten Morgen, ein Samstag, machte er sich auf den Weg auf den Wochenmarkt und sah dort den Stand von Jean-Pierre Huber – auch heute noch Oliven-, Peperoni- und Knoblauch-Spezialist. Um Kurt Bastwöste war’s geschehen: „Das ist es, was ich zukünftig machen wollte – mediterrane Köstlichkeiten verkaufen.“
Seinen Job als Erzieher in einem Heim hängte er an den Nagel. Fortan lieferte Huber nach Osnabrück. Sechs Wochen später stand Bastwöste auf dem Markt und verkaufte Käse, Oliven und Öl. Zunächst an einem kleinen Stand, dann kam ein zweiter hinzu, hinter dem Schwester und Schwager standen.
Suche nach Märkten
Doch wirklich zufrieden war Kurt Bastwöste mit den Erlösen nicht. Also machte er sich auf den Weg, verkaufte probeweise in Emsdetten, in Rheine und rief schließlich beim Marktmeister in Oldenburg an und fragte nach einem Stellplatz. Der verneinte. Doch Bastwöste ließ sich nicht abhalten, rollte an einem Samstagmorgen mit seinem Wagen auf den Marktplatz und traf dort auf Blumenhändler Horst Kiel, der ihm mit seiner angenehm hemdsärmeligen Art einen Platz zuwies – direkt vor Horten, heute Galeria Kaufhof.
Bastwöste baute auf und war um 11 Uhr ausverkauft. „Also machte ich die Eimer zum nächsten Markttag randvoll mit kleinem Berg. Da war um 11.30 Uhr alles weg. Oldenburg hat darauf gewartet“, freut er sich. Kein falscher Eindruck, auch heute noch stehen die Leute Schlange an seinen Ständen auf den Oldenburger Märkten.
Und nicht nur dort – zehn Verkaufswagen gehören mittlerweile zum Geschäft, die neben Oldenburg auch in Bremen, Wilhelmshaven, Varel, Jever, Wiesmoor, Rastede, Wildeshausen, Hude und auf dem Hof Stolle, kurz hinter Bümmerstede, aufgebaut werden.
Keine Landpartien
Das Geschäft auf den Landpartien fällt in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie aus. Doch auch so sind die 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut beschäftigt. 1,7 Millionen Euro werden pro Jahr umgesetzt, an jedem Stand stehen 40 Bottiche, mit Oliven, getrockneten Tomaten oder eingelegten Bohnen. Fruchtessige gibt es zu kaufen oder Weine, Öle sowieso. Im Lauf der Jahre ist immer mehr hinzugekommen. Am Termin mit der NWZ rollte zufällig ein Laster aus Griechenland auf den Hof an der Mellumstraße in Ofenerdiek – gleich an der Grenze zum frisch ausgewiesenen Landschaftsschutzgebiet Weißenmoor. Beladen mit Schafskäse aus 100 Prozent Schafsmilch (oft werde von anderen Herstellern Kuhmilch beigemischt) und Oliven. 1,2 Tonnen von den großen Grünen, die reichen dann für acht Wochen.
Zum Unternehmen gehören mittlerweile die Geschäftsführer Thomas Weßels (50) und Ferdinand Freitag (35). Seit eineinhalb Jahren produzieren sie ihre Leckereien in der ehemaligen Handcreme-Fabrik. „Alle Decken, Wände und Böden sind abwaschbar, es gibt Schleusen und Kühlräume. Wir haben hier ideale Bedingungen vorgefunden, auch ein kleiner Laden gehört dazu, der aber nur freitags und samstags geöffnet hat. Bis Herbst 2018 war der Betrieb am Osternburger Kanal beheimatet.
90 Prozent aus Ofenerdiek
90 Prozent der verkauften Produkte werden in Ofenerdiek verarbeitet beziehungsweise hergestellt. Bastwöste legt großen Wert auf Qualität, Frische, Regionalität und Nachhaltigkeit. Das Brot beispielsweise wird bei Stephan Tönnies (Bäcker Bruno) gebacken. Die Oliven und die Tomaten dazu liefert Bastwöste. Oder der Ziegenkäse: Der stammt von „7 Ziegen“ aus Visbek. Dabei stimmt der Name heute längst nicht mehr. „Wegen der großen Nachfrage laufen dort mittlerweile 60 Tiere rum“, lacht Bastwöste. Auch die Ökologie spielt eine große Rolle. Auf ein neues Dach, unter dem die Fahrzeuge untergestellt werden sollen, kommt eine 40 KV-Solaranlage. Das Lastenrad, mit dem Kurt Bastwöste unter dem Motto „Bastwöste bringt’s“ Bestellungen vor die Haustür der Kunden fährt, wird mit einem Elektromotor angetrieben. Heizung und Warmwasserbereitung laufen über eine Wärmerückgewinnungsanlage.
Die Firma ist gut aufgestellt, blicken die drei Geschäftsführer trotz der Corona-Krise optimistisch in die Zukunft. Der Betrieb geht samstags um 3 Uhr in der Früh und sonst gegen 4 Uhr los.
Das Betriebsklima ist gut, es gibt kaum Wechsel. Und so werden die langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Verkaufsständen oftmals für die Chefs gehalten. Sind sie aber nicht, doch daran stört sich niemand, im Gegenteil – die Hierarchien sind flach, ein wichtiger Bestandteil des Erfolgsrezepts.
