• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg

Warum ist jemand HIV-positiv aber nicht ansteckend?

31.07.2019

Oldenburg Darf ein HIV-positiver Bewerber von der Polizeiakademie Niedersachsen aufgrund seiner Infektion abgelehnt werden? Das Verwaltungsgericht Hannover sagt: Nein, darf er nicht – zumindest in diesem Einzelfall. Mithilfe eines Sachverständigen wurde nachgewiesen, dass die HIV-Infektion nicht zur Dienstuntauglichkeit führt und der Bewerber auch niemanden anstecken kann. Denn bei dem Mann besteht seit Jahren eine erfolgreiche HIV-Therapie. Soweit, so klar.

Aber warum ist jemand nicht ansteckend, wenn er doch HIV-positiv ist? Ist das Risiko nicht zu groß? Im Falle des Polizei-Bewerbers argumentierte die Akademie, der 29-Jährige sei unter anderem wegen des zu hohen Infektionsrisikos nicht tauglich.

Darüber kann Ellen Kiebacher von der Aidshilfe Oldenburg nur den Kopf schütteln. „Es gibt keine andere Erkrankung, wo die Stigmatisierung so groß ist“, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin. Früher, vor 20 Jahren, war Aids ohne Medikamente tatsächlich ein Todesurteil. Geändert hat sich das zwar glücklicherweise – die Vorurteile halten sich jedoch bis heute.

Lesen Sie auch:
Polizei darf Bewerber nicht wegen HIV-Infektion ablehnen

Urteil In Niedersachsen
Polizei darf Bewerber nicht wegen HIV-Infektion ablehnen

Dabei haben sich die Medikamente und die Therapie von HIV bzw. Aids extrem weiterentwickelt. Heute ist eine HIV-Infektion aus medizinischer Sicht kein Problem mehr, betont Ellen Kiebacher.

„Man wird heute relativ schnell auf Medikamente eingestellt.“ Drei Wirkstoffe verhindern, dass das Virus in die Zelle gelangt, sich dort vermehrt und wieder hinaus gelangt. Je nachdem wie hoch die Viruslast zu Beginn der Therapie ist, dauert es wenige Monate, bis das Virus so weit unterdrückt ist, dass es „unter der Nachweisgrenze“ liegt.

„Das heißt, es ist noch irgendwo im Körper, aber in einer so geringen Zahl, dass es nicht mehr nachzuweisen ist“, erklärt Kiebacher. „Das reicht für eine Infektion nicht aus und auch ein normaler HIV-Test würde hier kein positives Ergebnis bringen.“

Die Medikamente unterdrücken das Virus und müssen daher ein Leben lang täglich genommen werden. Unter Therapie besteht kein Risiko mehr. So kann ein HIV-positiver Mensch ungeschützten Sex haben und sogar auf natürliche Weise Kinder bekommen.

Natürlich sei es am besten, so früh wie möglich mit einer Therapie zu beginnen, sagt Ellen Kiebacher. Ein „zu spät“ gebe es in der Hinsicht nicht. „Es sei denn, der Körper ist von Krankheiten wirklich schon zu geschwächt und angegriffen.“ (Siehe Infokasten) Die Folgen einer schweren Lungenentzündung könne auch ein HIV-Medikament nicht rückgängig machen.

Alle drei Monate müssen die Patienten zur Kontrolle bei einer Schwerpunktpraxis, die auf HIV spezialisiert ist. Hier werden unter anderem Blut- und Leberwerte geprüft und kontrolliert, ob die Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt. HIV-positive Menschen unter Therapie seien komplett überwacht. „Wer von uns geht schon vierteljährlich zum Arzt und lässt ein großes Blutbild machen?“, meint Kiebacher. Es klinge paradox, meint Ellen Kiebacher – aber Menschen, die HIV-positiv und unter Therapie sind, seien weniger eine Gefahr, als diejenigen, die sich nicht testen lassen und nicht wissen, ob sie möglicherweise HIV-positiv sind oder nicht.

Natürlich gebe es auch Nebenwirkungen. „Es sind immer noch starke Medikamente“, so Kiebacher. Die Tabletten können müde machen, auf den Magen schlagen oder Schwindel verursachen. Aber im Gegensatz zu früher, wo die damals noch sehr starken Nebenwirkungen die Frührente bedeuten konnten, kann heute, durch das große Angebot an Medikamenten, die Therapie sehr viel besser auf den einzelnen Menschen abgestimmt werden. „Inzwischen kann man sogar Tests machen, die zeigen, welches Medikament zum jeweiligen Virustyp passt.“

Ein wirklich großes Problem sind weiterhin die Vorurteile und die Stigmatisierung. „Die Leute haben Angst, sich als positiv zu outen – und auch, sich überhaupt testen zu lassen.“ Dabei wäre es das beste, sich regelmäßig testen zu lassen, sagt Kiebacher. Oft sei Angst vor der Stigmatisierung von Freunden oder Kollegen groß – dabei gehöre HIV zu den schwer übertragbaren Krankheiten. Im Alltag oder auf der Arbeit wäre das überhaupt kein Problem. „Was hilft, ist Aufklärung“, betont sie. „Medizinisch ist HIV kein Problem mehr – gesellschaftlich schon.“

Lesen Sie auch: Selbsttest Zur Früherkennung – So funktioniert der HIV-Test für zu Hause

Infos in Kürze:

HIV und Aids sind nicht dasselbe. HIV-positiv zu sein bedeutet, dass das Virus im Körper ist. Aids ist eigentlich ein Syndrom oder ein Stadium. Hier ist das Immunsystem durch das HI-Virus schon so geschwächt, dass es zusammenbricht und vor anderen Infektionen wie Bakterien, Pilzen oder Viren nicht mehr geschützt ist. Im schlimmsten Fall treten lebensbedrohliche Erkrankungen auf, zum Beispiel eine schwere Lungenentzündung. Eine Heilung von HIV ist nicht möglich. Kurz nach einer Infektion treten meist grippeähnliche Symptome auf. Es können zwei, aber auch zehn Jahre vergehen, ohne dass der HIV-positive Mensch etwas von seiner Infektion bemerkt.

Eine Infektion wird nicht nur durch die Benutzung eines Kondoms verhindert – auch durch die sogenannte Prä-Expositions-Prophylaxe (PreP). HIV-negative Menschen nehmen tägliche eine Tablette, um sich vor einer Ansteckung zu schützen. Man kann die Tablette über einen längeren Zeitraum einnehmen oder „anlassbezogen“ vor sexuellen Kontakten. Die PreP schützt nicht vor anderen Geschlechtskrankheiten. Die Postexpositionsprophylaxe (PeP) verhindert eine Infektion nach einer potenziellen Ansteckung. Sie muss so schnell wie möglich und für vier Wochen eingenommen werden.

Alles zum Thema Gesundheit finden Sie hier!

NWZonline.de/gesundheit
Alles zum Thema Gesundheit finden Sie hier!

Tonia Hysky Redakteurin / Newsdesk
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2097
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.