Oldenburg - Die ehemalige Oldenburger Liebfrauenschülerin Sarah Nemtsov (geb. Reuter) ist als neues Mitglied in die Berliner Akademie der Künste aufgenommen worden. Die 1980 geborene Komponistin war vor dem 12. Jahrgang und dem Abi nach Hannover gegangen, um dort als Jungstudentin neben der Schule schon das Studium zu beginnen.
Bereits als Neunjährige wirkte sie als Blockflötistin bei zahlreichen Konzerten und Aufnahmen des Reil-Trios mit, mit 14 begann sie Oboe zu spielen. Als Schülerin war sie fünfmal in Folge Preisträgerin von „Jugend komponiert“ und zweifache Siegerin als Oboistin bei „Jugend musiziert“ (1999 und 2000). LFS-Musiklehrer Mathias Kroll erinnert sich noch das Gespräch mit der damals 12-Jährigen am Info-Abend für die Fünftklässler im Februar 1992: „Sie hat gesagt: Ich bin Sarah, ich spiele Oboe und ich komponiere. Ich möchte hier mitmachen.“ Aus diesem Erstgespräch entstand in den Folgejahren viel gemeinsame Musik mit anderen Schülerinnen und Schülern der Schule, auch Orchesterstücke. Für den „Erinnerungsgang“ 2018 entstand „OSSE“ für Chor und Orchester der Liebfrauenschule. Mathias Kroll sagt: „Die Uraufführung erzeugte ,standing ovations’. Die Menschen im Publikum waren so begeistert, dass sie auf die Kirchenbänke stiegen und Beifall spendeten.“
Sarah Nemtsov hat seitdem zahlreiche renommierte Auszeichnungen erhalten. Für ihren ehemaligen Lehrer ist die Aufnahme eine extreme Auszeichnung: „Mit der Aufnahme als Mitglied der Sektion Musik in die Akademie der Künste ist sie in den Olymp aufgestiegen, sie ist eine Komponistin von Weltrang.“
„Waren Sie ein Wunderkind?“ Schon 2018 stellte das Zeitmagazin diese Frage in einem Interview. Sarah Nemtsov sagte damals: „Nein. Ich bin einfach in einem sehr musikalischen Haus groß geworden. Musik war für mich natürlich, da war kein Drill dahinter. Unsere Vermieterin, die unter uns lebte, hatte ein Barocktrio und wurde meine Flötenlehrerin. Sie nahm mich zu ihren Konzerten mit, und der Cembalist der Gruppe gab mir Tonsatz-Unterricht. Als Teenager habe ich mich dann sehr für Jazz interessiert, und dadurch ist alles freier geworden. Über den Umweg Jazz bin ich wieder bei der Neuen Musik gelandet.“
Die vielfach ausgezeichnete Komponistin ist mit dem Pianisten und Musikwissenschaftler Jascha Nemtsov verheiratet. Ihre Mutter ist die Malerin Elisabeth Naomi Reuter. Nemtsov war Mitglied im Komponistenverein Klangnetz. Mit ihrem Mann hat sie 2015 den „Raum für Kunst und Diskurs“ in Charlottenburg eröffnet, eine Galerie und ein Veranstaltungsort. Außerdem initiierte sie das Projekt „Orte – Mekomot – eine Konzerttour“ (2015–2016) mit zeitgenössischen Kompositionen und traditionellen jüdischen Gesängen durch ehemalige Synagogen in Deutschland und Polen.
Akademie und Mitglieder
Die Akademie der Künste in die man hineingewählt werden muss, hat insgesamt 30 neue Mitglieder aufgenommen – in den Bereichen Bildende Kunst, Baukunst, Musik, Literatur, Darstellende Kunst und Film- und Medienkunst. Zahlreiche bekannte Namen sind darunter, auch Lars Eidinger, der künftig in der Sektion Darstellende Kunst vertreten ist oder Eva Menasse in der Sektion Literatur. Aktuell haben die sechs Kunst-Sektionen 426 Mitglieder – eine internationale Gemeinschaft von Künstlern und Künstlerinnen. Gegründet im Jahr 1696, gehört die Akademie der Künste zu den ältesten europäischen Kulturinstituten.
