Oldenburg - Das Mathebuch kostet 8,95, die Lehrbücher für Englisch und Spanisch liegen bei 11,50 und 10,75 Euro – schnell kommen da 60, 70 Euro und auch höhere Summen zusammen, die pro Schuljahr ausgegeben werden müssen. Und das, obwohl in Oldenburg bereits viele Schulbücher kostenlos ausgeliehen werden können. Aber vor allem Arbeitshefte, in die Schüler hineinschreiben und die nicht ausgeliehen werden können, gehen ins Geld.
Pauschale reicht nicht
„Gerade für Familien mit mehreren Kindern, die Geld vom Jobcenter bekommen, ist das eine große Belastung“, wie Andreas Dallmann von der Arbeitslosenhilfe Oldenburg (ALSO) sagt. Zwar gibt es eine Schulmittelpauschale von 150 Euro im Jahr. Erst im vergangenen Jahr war die Pauschale um 50 Euro erhöht worden. Dennoch sei das pro Kind und Schuljahr immer noch zu wenig.
Die ALSO, Donnerschweer Straße 55, bietet montags, mittwochs und donnerstags von 9 bis 13 Uhr sowie montags von 17.30 bis 19 Uhr Hilfe an. Termine unter
Der Antrag kann formlos gestellt werden. Als Nachweis wird eine Liste der Schule über die benötigten Bücher und Hefte benötigt. Bis Ende des Jahres ist es möglich, die Kosten für Bücher aus dem letzten Schuljahr zu beanspruchen.
Schulranzen, Federmappe, Stifte, Hefte, Taschenrechner und Sportschuhe – „Die Pauschale ist schon weg, da habe ich noch kein Schulbuch gekauft“, sagt Vanessa Schweppe. Die vierfache, alleinerziehende Mutter muss jedes Jahr Bücher und Materialien für drei Kinder kaufen. „Meine Jüngste kommt nächste Jahr in die Schule. Dann geht es weiter“, so die 40-Jährige.
Ein Urteil des Bundessozialgerichts soll die Situation von Sozialleistungsbeziehern verbessern. „Laut dem Urteil vom Mai 2019 müssen die Kosten für Schulbücher übernommen werden“, erklärt Dallmann, der für die ALSO als Sozialberater arbeitet. Benötigt wird dafür lediglich ein formloser Antrag.
Beratungsgespräche
„Bisher wissen aber zu wenig Menschen, dass die Kosten für Schulbücher übernommen werden“, sagt er. Die ALSO mache deshalb vermehrt, auch in Beratungsgesprächen, darauf aufmerksam. Die ALSO bedaure, dass das Jobcenter seine Bezieher nicht transparenter informiere: „Die wissen, für wen so eine Information hilfreich wäre.“ Das Jobcenter Oldenburg unterstützt (Stand Oktober 2019) mehr als 16 700 Menschen mit Leistungen zum Lebensunterhalt und zur Unterkunft. Darunter gut 4600 Kinder unter 15 Jahren.
Es habe sich gezeigt, dass die jährliche Schulmittelpauschale je nach Jahrgang und Schulform nicht ausreiche. „Das bildet nicht unbedingt den tatsächlichen Bedarf ab. Zum Glück hat sich jetzt etwas getan. Das Urteil ist ein Erfolg mit großer Bedeutung. Jetzt hoffen wir, dass dieses Angebot bei allen ankommt“, sagt Dallmann.
