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Stadt beteiligt sich an „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ „Antisemitismus hat in Oldenburg keinen Platz“

Eilert Freese
Gruppenfoto der Rednerinnen und Redner (von links):  Ruth Schulhof-Walter, die Oldenburger Rabbinerin Alina Treiger, Dr. Elisabeth Schlesinger, Michael Fürst, Prof. Dr. Andrea Strübind, Jürgen Krogmann und Dr. Carina Brankovic (Uni).

Gruppenfoto der Rednerinnen und Redner (von links): Ruth Schulhof-Walter, die Oldenburger Rabbinerin Alina Treiger, Dr. Elisabeth Schlesinger, Michael Fürst, Prof. Dr. Andrea Strübind, Jürgen Krogmann und Dr. Carina Brankovic (Uni).

Oldenburg -  Mit einer sehenswerten Ausstellung beteiligt sich Oldenburg vom 30. Mai bis 4. Juli im Oldenburger Schloss an dem Programm des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Prof. Dr. Andrea Strübind, baptistische Theologin und Professorin für Kirchengeschichte an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, lobte Oberbürgermeister Jürgen Krogmann für seine Worte. „Wir müssen gemeinsam Brücken bauen und ein gemeinsames Zusammenleben möglich machen“, sagte er zur Eröffnung. Er erinnerte auch an die Grundsteinlegung von 1854 der Synagoge in der Peterstraße. Sie diente bis 1932 den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger als religiöser Raum. Dann begann der Ausstoß aus der Gesellschaft. „Nach 1945 wurde alles wieder besser“, so Krogmann. In Oldenburg begann sehr schnell wieder ein konstruktives christlich-jüdisches Zusammenleben. Die Stadt Oldenburg unterstützte die jüdische Gemeinde sehr gern und intensiv durch den Neubau einer Synagoge in der Wilhelmstraße.

Erinnerung und Austausch

Der jährliche Erinnerungsgang sei eine große Veranstaltung, die das Vergessen verhindere und von einer lebendigen Erinnerungskultur zeuge, so Krogmann. Außerdem finde ein lebendiger Austausch durch die Partnerschaft mit dem Landkreis Mateh Asher im Norden Israels statt. Durch die derzeitigen Vorkommnisse in Israel und den palästinensischen Gebieten sei die Ausstellung ein sehr wichtiger Beitrag. „Ja, auch in Oldenburg gibt es in letzter Zeit wieder erhebliche Konflikte“, hat der Verwaltungschef festgestellt. „Antisemitismus hat aber in Oldenburg keinen Platz“, sagte Krogmann und dankte den Organisatoren für ihren Einsatz.

Ruth Schulhof-Walter vom Verein „321-2021:1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.“ in Köln lobte die Organisatoren, die die Pläne von vor einem Jahr stringent verfolgt hätten. Schulhof-Walter: „Es ist das erste Mal in der jüdischen Geschichte, dass die Juden in ganz Deutschland die Möglichkeit haben, gemeinsam zu feiern.“

Antisemitismus

Michael Fürst, Präsident des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, hatte einige Beispiele aus seinem Leben, wo ihm Antisemitismus offen begegnet ist. „Auch in der Bundeswehr“, so Fürst. „Der Antisemitismus ist nicht beendet“, so Fürst. Er meinte auch, dass die Stadt das Machtmonopol habe, wenn es um die Hetze gegen Juden ginge.

Dr. Elisabeth Schlesinger von der jüdischen Gemeinde in Oldenburg, Andrea Strübind und Dr. Carina Branković, Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Religionswissenschaften an der Universität Oldenburg stellten im Detail Form und Inhalte der Ausstellung vor.

Von besonderer Aufmerksamkeit wurde das Stück „Der kleine Herr Winterstein“ verfolgt. Regisseur und glanzvoller Schauspieler Pavel Möller-Lück vom Theater Laboratorium gab Auszüge aus dem gleichnamigen Stück. Es geht um den berühmten Geiger Roman Winterstein, Sohn eines Schirmfabrikanten. Schirme spielen überhaupt eine große Rolle im Leben von Herrn Winterstein.

Partner der Oldenburger Ausstellung sind die Stadt Oldenburg mit ihrem Kulturbüro und das Stadtmuseum, die jüdische Gemeinde zu Oldenburg, das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte sowie die Jüdischen Studien an der Carl von Ossietzky Universität. Studierende des Seminars „Einführung in das Judentum“ (Sommersemester 2020 an der Carl von Ossietzky Universität) haben zu verschiedenen Themen gearbeitet, die in der Ausstellung gezeigt werden.

Deutschland und die jüdische Gemeinschaft erinnern im Jahr 2021 mit einem Festjahr an 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Zahlreiche Akteure, Städte, Gemein-den und Institutionen beteiligen sich an der Gestaltung des Festjahres. Konzerte, Ausstellungen, Podcasts und Video-Projekte. Der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier trägt die Schirmherrschaft.

Ein Jahr lang  feiert Deutschland die Vielfalt jüdischen Lebens. Anlass ist ein römisches Gesetz aus dem Jahr 321. Kaiser Konstantin schuf 321 ein wertvolles Dekret, das die früheste erhaltene schriftliche Quelle zum jüdischen Leben in Europa nördlich der Alpen beweist. Darin ist zu lesen: „Durch reichsweit gültiges Gesetz erlauben wir allen Stadträten, dass Juden in den Stadtrat berufen werden.“ Dieser Erlass, der nach Köln zurückgesandt wurde, beweist eindeutig, dass damals Juden in Köln lebten.

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