Oldenburg/Bad Zwischenahn - „Feras war nicht nur mein Geschäftspartner, er war auch wie ein Bruder für mich“, sagt Sefyan Saleh. Der 32-jährige Oldenburger hält das Porträt des Frisörs in der Hand, mit dem er im Jahr 2018 „Feras Haarstudio“ an der Donnerschweer Straße eröffnet hat. Es ist zugleich das Bild des Mannes, der am vergangenen Donnerstag, kurz vor den Osterfeiertagen, in Bad Zwischenahn erstochen wurde.
„Es ist eine sehr schwierige Zeit für die Familie, der es sehr schlecht geht“, berichtet Saleh im Gespräch mit der NWZ. Feras Serdar Kheder habe eine Frau und fünf Kinder zurückgelassen. Saleh selbst ist ebenfalls ein Verwandter, Feras Frau ist seine Cousine.
Schuhe als Andenken
Vor dem Haarstudio an der Donnerschweer Straße hat die Familie Blumen und Kerzen aufgestellt. Aber auch ein paar Schuhe des Verstorbenen, die an ihn erinnern sollen. An der Fensterscheibe hinter den Blumensträußen hängt das Porträt von Feras, für den das Haarstudio lange Zeit ein Traum war. Geholfen, diesen Traum zu verwirklichen, hat ihm Sefyan Saleh, der sein Geschäftspartner wurde und wusste, warum er in den Frisör investiert.
„Feras hat sein Handwerk in seiner Heimat, dem Irak, von seinem Vater gelernt. Später hatte er dort auch sein eigenes Geschäft.“ Das Frisörhandwerk sei ein Familiending, berichtet Saleh. „Alle männlichen Mitglieder der Familie üben diesen Beruf aus und verstehen etwas von ihrem Handwerk“, so der 32-Jährige weiter.
Kunden waren für Feras Freunde
Aber nicht nur, dass sein Partner sein Handwerk beherrschte, er sei auch sehr beliebt bei den Kunden gewesen: „Feras war immer sehr freundlich zu allen und auch sehr hilfsbereit“, erinnert sich Saleh. „Er hatte eine direkte Art und hat seine Kunden nie als Kunden, sondern immer gleich als Freunde gesehen.“
In dem Haarstudio habe durch Feras immer eine lockere, entspannte Stimmung geherrscht. „Deshalb kommen die Leute gerne hierher. Wer einmal hier war, kommt in den meisten Fällen auch wieder“, berichtet Saleh, der sich momentan verstärkt um die Familie seines verstorbenen Partners kümmert.
„Wir müssen die Beerdigung organisieren, die in dieser Woche in Hannover, wo Feras Eltern leben, stattfindet“, sagt der 32-Jährige. Der Abschied werde – anders als sonst im jesidischen Glauben, dem der Frisör angehörte, üblich – im kleinen Kreis gefeiert. Grund sind die immer noch geltenden Corona-Kontaktbeschränkungen.
Das tragische Ende eines Streites
Weshalb es zu der tödlichen Auseinandersetzung in Bad Zwischenahn, dem Wohnort von Feras, gekommen ist, weiß sein Geschäftspartner nicht. Er ist sich jedoch sicher, dass es sich um einen privaten Streit gehandelt hat, der eskaliert ist und mit dem Tod des Frisörs ein tragisches Ende genommen hat. „Wir müssen die Ermittlungen der Polizei abwarten, die wird klären, was passiert ist“, ist Saleh sicher.
Auch wenn man es beim ersten Blick auf das Haarstudio vermuten könnte, ist das Geschäft nicht wegen des Todesfalls geschlossen. Es sind die aktuellen Corona-Einschränkungen, die dafür sorgen, dass Kunden sich nicht im Haarstudio frisieren lassen können.
Salon-Name soll bleiben
Wenn es nach Saleh geht, soll das Geschäft so schnell wie möglich wieder öffnen – wahrscheinlich mit einem neuen Mitarbeiter. „Wenn möglich, soll das jemand sein, der die Kunden bereits kennt und schonmal im Geschäft gearbeitet hat“, sagt der Inhaber, für den klar ist, dass der Name des Haarsalons sich nicht ändern soll.
Seinem Freund, Partner und Bruder wünscht Saleh, dass er im Himmel ein glückliches und vor allem sorgenfreies Leben führen kann.
