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Arbeiten in Oldenburg Baustelle für neue Gas-Pipeline wandert durch den Nordwesten

Auch von Westerstede nach Leer wird eine  LNG-Pipeline verlegt.

Auch von Westerstede nach Leer wird eine LNG-Pipeline verlegt.

Archiv/Torsten von Reeken

Oldenburg - Eine 60 Kilometer lange Gaspipeline wird von Etzel in Ostfriesland nach Wardenburg verlegt. Das klingt erst einmal harmlos, doch verbirgt sich hinter diesem Plan eine Großbaustelle, die sich voraussichtlich ab Mitte dieses Jahres bis 2026 in wechselnden jeweils rund fünf Kilometer langen Abschnitten durch die Region ziehen wird.

Natur nur gestört

Sorgen zu machen, dass die Natur nachhaltig zerstört wird, braucht sich aber niemand, betont Projektleiter Franz-Josef Kißing von Open Grid Europe, der sein Büro in Wiefelstede hat. Es handelt sich um eine Wanderbaustelle, die jeweils rund fünf Kilometer lang ist. Sind die Arbeiten in dem jeweiligen Gebiet abgeschlossen, werden die aus Sand aufgeschütteten Baustraßen abgefahren und der Boden renaturiert. Der Arbeitsbereich ist zwischen knapp 50 Meter (im freien Feld) und knapp 40 Meter (in Feuchtgebieten) breit.

Die Pipeline wird neben einer bereits existierenden verlegt. Sie führt durch Friesland und nahe des Bernsteinsees in Conneforde ins Ammerland, an Wiefelstede und Borbeck vorbei unter der Autobahn 28 hindurch unterirdisch durch den Bloher Wold Richtung Küstenkanal. Im Bereich der Stadt Oldenburg wird sie in Höhe des Ziegelwegs am Ortseingang zu Wildenloh den Wildenlohsdamm kreuzen und dann nur wenige Meter am Naturschutzgebiet Everstenmoor vorbei das Stadtgebiet in Nord-Moslesfehn Richtung Wardenburg/Oberlethe wieder verlassen.

Mit dem Micro-Tunneling-Verfahren wird der Bloher Wold (dort verlaufen auch die A 28 und die Bahnstrecke) geschont, am Kanal ist das Verfahren aus technischen Gründen notwendig, um den Wasserweg kreuzen zu können, so Kißing weiter. Beim Micro-Tunneling arbeitet sich eine ferngesteuerte Vortriebsmaschine von einem Start- zum Zielschacht, ohne den Boden aufreißen zu müssen.

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Versorgungs-Sicherheit

Zum Hintergrund: Die Open Grid Europe GmbH (OGE) aus Essen plant, ihr überregionales Ferngastransportsystem durch den Bau einer Leitung zwischen dem Speicher in Etzel (Gemeinde Friedeburg, Landkreis Wittmund) und der bestehenden Verdichterstation Wardenburg „EWA“ in Oberlethe zu erweitern. Die ca. 60 Kilometer lange Leitung (Luftlinie 45,5 Kilometer von Punkt A nach B) hat einen Durchmesser von 1,20 Meter und kann mit bis zu 100 bar Druck betrieben werden.

Das Bauvorhaben dient der Versorgungssicherheit. Mit der Leitung werden die notwendigen Transportkapazitäten geschaffen, um die über das LNG-Terminal Wilhelmshaven angelandeten Mengen an Erdgas weiter in das deutsche Ferngasnetz zu transportieren. Liquified Natural Gas (LNG) steht für verflüssigtes Erdgas.

Das Planfeststellungsverfahren wird nach dem LNGG-Gesetz durchgeführt. Die Öffentlichkeit und die Verbände werden beteiligt und haben ihre gesetzlich festgelegten Beteiligungsrechte. Lediglich die Fristen, in denen sie sich äußern dürfen, sind angepasst.

Rücksicht genommen wird auf bestehende und von den Kommunen geplante Siedlungsstrukturen. Gleiches gilt für Natur- oder Landschaftsschutzgebiete und Wälder wie dem Bloher Wold. Altlastenverdachtsflächen, Rohstoffvorkommen, Wasserschutzgebiete, Erholungsräume für Menschen, Flächen, die für den Aufbau von Windkrafträdern geeignet sind, sind weitere Kriterien, die bei der Planung Beachtung finden. Die neue Pipeline wird neben der bereits existierenden und 1994 verlegten Pipeline gebaut. Dafür werden ausschließlich Rohre verwendet, die ebenfalls für den Transport von Wasserstoff zertifiziert sind.

Abschluss 2026

Betroffen sind die Gemeinden Friedeburg, Zetel, Bockhorn, Varel, Wiefelstede, Bad Zwischenahn, Edewecht, Stadt Oldenburg sowie die Gemeinde Wardenburg. Der Arbeitsstreifen wird jeweils den örtlichen Gegebenheiten angepasst. Kißing hofft, Mitte des Jahres mit den vorbereitenden Arbeiten beginnen zu können. Im vollen Umfang soll 2025 gebaut werden und die Rekultivierung 2026 abgeschlossen sein – wenn das Wetter mitspielt. Mit rund 280 Millionen Euro Baukosten wird aktuell gerechnet.

Thomas Husmann
Thomas Husmann Redaktion Oldenburg
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