Oldenburg - Auch wenn die Bildungspolitik Landessache ist, berühren ihre Fragen vielfach auch kommunale Angelegenheiten. Das hat nicht zuletzt auch die Corona-Pandemie gezeigt. Grund genug für den Kreisverband Oldenburg-Stadt in der Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Lokalpolitkern auf den Zahn zu fühlen. Fünf Politikerinnen und Politiker von im Rat der Stadt vertretenen Parteien standen Moderatorin Gesine Multhaupt und den rund 40 Zuhörerinnen und Zuhörer – darunter zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer – Rede und Antwort.
Klaus Raschke (CDU) meinte, die Präsenzpflicht in den Schulen sei sehr wichtig für die Kinder und man möge doch schnellstens dafür sorgen, dass nun auch die notwendigen Filteranlagen installiert werden. Auch sei noch keine ordentliche Internetverbindung in allen Schulen gewährleistet. Kein Kind in Oldenburg dürfe von der Bildungsmöglichkeit ausgeschlossen werden. Von seiner Partei sei keine Erhöhung des Bildungsetats im Haushalt der Stadt geplant.
Auch Daniela Pfeiffer (FDP) wünschte sich, dass die Kinder wieder durchgehend am Präsenzunterricht teilnehmen können. Auch vor Corona seien schon Investitionen in die Digitalisierung getätigt worden, dies müsse jetzt weitergeführt werden. Aber Laptops seien nicht die einzige Lösung, weil auch in vielen Haushalten ein W-Lan Anschluss fehle. Es sei ein großer Fehler gewesen, dass die Förderschulen abgeschafft wurden.
Der Bildungsetat müsse angehoben werden, weil in allen Bereichen Geld fehle, forderte Andrea Hufeland (Grüne). Schulen seien Lebensräume, in denen sich alle wohlfühlen sollten, Lehrer und Schüler. Dazu gehöre auch eine gesunde Ernährung in den Schulen. Die Digitalisierung sei sehr wichtig, aber die Kinder müssten auch lernen, wie man mit Diversität umgeht und Verantwortung tragen lernen.
Das gemeinsame Lernen sei für „Die Linke“ sehr wichtig, plädierte Hans-Henning Adler für die Integrierten Gesamtschulen. In allen Schülern würden unterschiedliche Begabungen stecken, die durch Inklusion herausgearbeitet werden könnten. Adler empfahl die Einrichtung eines Schulversuchs, an der die Schüler mit Einschränkungen teilnehmen sollten. Die Bildungs- und Sozialarbeit müsse mit einem höheren Etat ausgestattet und die Ganztagsschulen ausgebaut werden.
Für Nicole Piechotta (SPD) ist die Digitalisierung im Unterricht ein wichtiger Faktor, hier sei ja schon einiges initiiert. Die SPD wolle einen Beitrag zur besseren Bildung leisten auch etatmäßig. Auf dem Fliegerhorst Gelände sollte eine neue Schule mit neuen Ideen für neue Schulformen beginnen. Österreich aber auch Schweden hätten gute Ideen kam dazu aus dem Publikum. Die SPD bekenne sich klar zur Inklusion in allen Klassen.
In der anschließenden Diskussion kam zum Ausdruck, dass die Kinder zur Entfaltung ihrer Potenziale mehr Betreuung bräuchten und Gesamtschullösungen Veränderungen bringen könnten. Der Zweite Bildungsweg wurde sowohl hinterfragt als auch befürwortet. Kritisch wurde gefragt, wo das Geld geblieben sei, das jetzt durch die Abschaffung der Förderschulen übrig sei.
