Oldenburg - Kuschelnde Horden von Kindern, haufenweise kleine Leseratten, gemeinsam in die fabelhafte Welt der Bücher versunken. Ein Bild, das Jürgen Krogmann Jahr für Jahr rührt, auch, wenn er „um Fluchtwege besorgt ist“. 2020 muss sich nicht nur der Oberbürgermeister in Verzicht üben: Die Kinder- und Jugendbuchmesse in diesem Herbst wird eine andere sein. Aber: sie findet statt. Vom 7. bis 17. November. Ohne Kuschelhorden, dafür mit einfallsreichen Alternativen.
was uns Erwartet
120 Veranstaltungen in der realen Welt umfasst das diesjährige Kibum-Programm. Es wird je 60 Lesungen und Vorstellungen an Kitas und Schulen geben. Aus gegebenem Anlass werden Autoren, Schauspieler und Kinderunterhalter die Bildungseinrichtungen besuchen, statt sie – wie sonst – im PFL-Lesetempel zu empfangen. Etliche Kitas haben sich bereits einen Termin gesichert, wie Kibum-Organisatorin Regina Peters glücklich verkündet: „Die Resonanz ist enorm, alle freuen sich, endlich wieder gemeinsam etwas Schönes erleben zu können.“
Die 46. Auflage der Kinder- und Jugendbuchmesse Kibum geht vom 7. bis zum 17. November und wird Pandemie-bedingt zu einem großen Teil im Internet stattfinden.
Seit März wird an einem dennoch tollen Programm gefeilt. Das Bibliotheks- und Informationszentrum (BIS) der Uni hat einen digitalen Leseraum für Eltern, Kinder und Pädagogen geschaffen. Orientierung auf der Kibum-Website bietet der blaue „Bücher-Klecks“, wer ihm folgt, landet auf einem QR-Code – dem Schlüssel zur digitalen Kibum. Freigeschaltet wird diese Internetseite zum offiziellen Start am 7. November.
Kitas und Schulen haben den Luxus, Schreibende und Schauspielende einladen zu dürfen. Wie das geht und wer wann zur Wahl steht, kann entweder im ausliegenden Programmheft oder auf der aktuellen Kibum-Homepage nachgelesen werden. Anmeldeschluss für die kostenfreien Besuche ist der 7. Oktober.
Eine Preisverleihung für herausragende literarische und künstlerische Leistungen auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendliteratur, wie es seit 1977 im Rahmen der Kibum praktiziert wird, fällt auch 2020 nicht aus. Am 13. November wird es im Kulturzentrum PFL dazu eine Feier im kleinen Rahmen geben.
Jetzt schon stöbern können Neugierige auf der offiziellen Kibum-Homepage und sich Buchtipps sowie Programmpunkte anschauen. Richtig los geht’s am 7. November. Bis dahin:
Wo noch was läuft
Für einzelnen Kinder und Familien gibt es in diesem Jahr ein umfangreiches Online-Angebot. Über die Kibum-Homepage und den YouTube-Kanal können sich kleine Bücherwürmer im Kinder- oder auch Klassenzimmer mit Leseproben vergnügen, Videos mit Lesungen, Vorführungen und Konzerten anschauen, Interviews angucken und sogar an Mal- und Kreativkursen teilnehmen. Regina Peters ist dafür auf eine filmische Reise gegangen, hat die Kinderbuchhäuser Altona (Hamburg) und Berlin besucht und von Fachleuten Videos aufnehmen lassen. Kinderbuchautorin Kirsten Boie, die sich selbst lieber Schirmfrau, statt Schirmherrin der Kibum nennt, spricht ein Grußwort und viele andere tolle Schriftsteller leisten Beiträge.
Wer da am Werk war
Verantwortlich für die digitale Kibum ist zu einem großen Teil die Oldenburger Uni. Nach 46-jähriger Partnerschaft und mit viel Wissen und Wissenschaft im Gepäck wurden vom Bereich Bibliotheks- und Informationssystem 1500 Neuerscheinungen der Kinder- und Jugendliteratur eingeworben – das sind genauso viele, wie in den Vorjahren. Für die Verlage ist das Online-Format nach langer Durststrecke eine ersehnte Gelegenheit. Dass die Bücher online nicht vollständig zu lesen sind, ist den Urheberrechten im Internet geschuldet. Dafür wird es Links mit kleinen Lesungen geben.
Was Diesmal Besser ist
Die notgedrungene Umstellung auf Online eröffnet neue Wege. So hofft man neben Kindern auch mehr Jugendliche gewinnen zu können, die meist eine größere IT-Affinität haben. Heike Andermann, Leiterin des Bibliotheks- und Informationssystem der Uni, sieht in der digitalen Kibum eine „Initialzündung für die Zukunft“ – Onlineformate sollen auch künftig Bestandteil der Messe werden.
Wer Live zu besuch ist
19 Autoren und Illustratoren von Kinder- und Jugendbüchern werden zur Kibum erwartet – was den gewohnt hohen Standard hält. Zu den Gästen, die Schulen und Kitas besuchen, gehört unter anderem Andreas Steinhöfel, Träger des deutschen Jugendliteraturpreises und Autor von „Rico, Oskar und die Tieferschatten“. Mit dem Belgier Bart Moeyaert kommt einer der bedeutensten Kinder- und Jugendbuchautoren in die Stadt.
Aber auch neuere Talente, wie Anne-Sophie Monrad, die als eines der meistgebuchten Models Deutschlands in ihrem Debüt „Fashion Victim“ den Weg von der normalen Schülerin zu dem Laufstegmodel schildert und sich dabei auch mit Magerwahn, finanzieller Ausbeutung, Konkurrenzdruck und sexueller Belästigung beschäftigt.
Wer Online Gastiert
Dem Zeitgeist entsprechend wird die Klimaschutzaktivistin und „deutsche Greta Thunberg“ sowie Stern-Kolumnistin Luisa Neubauer im Digitalen zu Gast sein. Interviewt wird die Autorin von der 14-jährigen Buchbloggerin Mirai Mens. Ob die inzwischen 7o-jährige Kirsten Boie trotz Corona nach Oldenburg kommt, ist noch unklar.
Was Große freut
Anstelle der durch die Uni geleiteten Fachseminare wird es in diesem Jahr die Online-Reihe „Wissenschaft in 10 Minuten“ geben, bei der in Kurzbeiträgen Kinder- und Jugendbücher rezensiert werden, Wissenschaffende über didaktische Potenziale von Texten sprechen und Fachleute Einblick Tun und Wissen geben.
