Oldenburg - Luftströme, Brandschutz, Fluchtwege, das Verhalten von Menschen, die in Panik aus der Kirche fliehen – es gibt praktisch nichts, was sich beim Wiederaufbau der im April vor drei Jahren abgebrannten und schwer beschädigten Kathedrale Notre-Dame in Paris nicht simulieren und digital darstellen ließe. Ermöglicht wird das vom „Building Information Modeling (BIM)“; zu Deutsch: Bauwerksinformationsmodellierung.
Michael Raps (links),Forschung und Entwicklung im Bereich Bauinformationsmodelle (BIM - building information modelling) an der Jadehochschule nahm aus der Hand von Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler die Plakette des Instituts für datenbankorientiertes Konstruieren entgegen, die die Hochschule als digitalen Ort in Niedersachsen ausweist. Bild: Thomas Husmann
Thomas HusmannBeispiel Notre-Dame
Der Pariser Architekt Emmanuel Di Giacomo vom Unternehmen „Autodesk“ demonstrierte zur Eröffnung der BIM-Tage an der Jade Hochschule in seinem Vortrag, was heute mit Einsatz digitaler Technik alles so möglich ist. Das beginnt mit der Vermessung der Brandruine, der Herstellung passgenauer Bauelemente wie Steinen und Holzkonstruktionen, Lieferung, Einbau; komplexe Vorgänge, die fein aufeinander abgestimmt sein müssen – das Building Information Modeling (BIM) hilft den Architekten, Ingenieuren und Bauarbeitern bei der Planung und Ausführung. Bis 2024 soll Notre-Dame fertig sein, 2000 Menschen sind damit in unterschiedlichen Funktionen beschäftigt.
Plakette übergeben
Zuvor hatte Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) den Standort Oldenburg der Jade Hochschule mit der Plakette des Instituts für datenbankorientiertes Konstruieren als „Digitalen Ort Niedersachsens“ ausgezeichnet. In Zeiten explodierender Baukosten aufgrund steigender Rohstoff- und Energiepreise komme der digitalen Planung immer größere Bedeutung zu, erklärte Thümler am Donnerstag in seiner Begrüßungsrede zur Eröffnung der 9. Oldenburger BIM-Tage, die an diesem Freitag auf dem Campus Ofener Straße auch schon wieder enden.
Der Einsatz der Arbeitskräfte, die Lieferung der Materialien und die Logistik müsse optimiert werden, um Kosten einzusparen. Die BIM-Tage böten den Architekten, Softwareanbietern und Handwerkern die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, miteinander ins Gespräch zu kommen und Informationen auszutauschen. Alles unter dem Dach der Jade Hochschule, die Thümler mit Blick aufs Bauwesen und die Architektur als „Keimzelle für Neues“ adelte.
Digitales mit Tücken
Dass die digitale Welt auch ihre Tücken hat, zeigte sich beim Livestream mit dem zugeschalteten Parlamentarischen Staatssekretär Jens Brandenburg aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin. Den konnte man im Lichthof der Hochschule zwar sehen und hören, sein Bildschirm blieb aber schwarz und auch die Tonübertragung klappte nicht. Das hinderte ihn aber nicht daran, mit seinem Redebeitrag zu beginnen. In Kürze werde die neue Agentur für Forschung und Innovation, kurz „DATI“ genannt, ihre Arbeit in der Region aufnehmen, kündigte er darin an.
