Oldenburg - Es war am Freitag um 7 Uhr ein besonderer, historischer und für die Betrachter, von denen einige mit den Tränen zu kämpfen hatten, bewegender Moment – zum letzten Mal warnte die schrille Glocke vor dem Schließen der Schergitter, die Brückenwärterin leitete an ihrem Befehlsstand die Hebung ein, und dann setzte sich der Überbau der „Cäci“ rumpelnd in Bewegung, stoppte nach 3,50 Meter wieder – und dann war ein Stück Oldenburger Geschichte zu Ende.

Den Hebevorgang in Gang gesetzt hatte Brückenwärterin Angela Boomgaarden (32), die erste Frau in der Geschichte der Brücke, die seit sieben Jahren in dem Betriebsraum Dienst tut, beziehungsweise tat. An diesem Samstag wird sie die Brücke am Morgen noch einmal herunterfahren, damit die Asphaltschicht der Fahrbahn und die Fußwege sowie anderer „Ballast“ abgefräst beziehungsweise abgebaut werden können. Die Reste des Überbaus werden dann an diesem Samstagabend oder Sonntagmorgen wieder hochgefahren und Anfang nächster Woche auf einer Stahlkonstruktion abgesetzt.

Der Schwimmkran wird nach Mitteilung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Weser-Jade-Nordsee Anfang Mai den Überbau ausheben und zum Abwracken abtransportieren. „Was mit den Toren, den beweglichen Antriebsteilen oder den Steinen aus dem Mauerwerk geschehen soll, steht noch nicht fest“, sagt Fachbereichsleiter Rüdiger Oltmanns vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Weser-Jade-Nordsee. Es hätten bereits zahlreiche Bürger ihr Interesse signalisiert. Denkbar wäre es, eine Versteigerung für den guten Zweck zu organisieren oder größere Teile neben der neuen Brücke auszustellen.

Die Verbundenheit der Oldenburger mit ihrer Cäcilienbrücke ist jedenfalls groß. Noch am Donnerstag strömten Hunderte zur Brücke, um Abschied zu nehmen, noch einmal über sie hinweg zu laufen oder zu fahren, sie zu fotografieren und das Schrillen der Glocke zu hören. Augenzeugin der letzten Hebung am Freitagmorgen war auch Inga Knönagel (50), die – so wie viele andere Oldenburger in ihrer Jugend zu Schulzeiten auch – häufig vor der hochgezogenen Brücke stand, warten musste und dann zu spät zum Unterricht kam. Ihr Vater Rudolf Knönagel (77) erinnert sich, wie er 1965 in seinem Auto sitzend und auf die Weiterfahrt wartend im Radio den Start einer Apollo-Rakete in Amerika verfolgte. Als der Reporter erklärte, die Rakete habe jetzt Afrika erreicht und dabei den Atlantik überquert, senkte sich die Brücke wieder.

Alles Geschichte(n).

Thomas Husmann
Thomas Husmann Redaktion Oldenburg