Oldenburg/Cherbourg - „Wir haben unsere Rollatoren gegen eine Rennjacht getauscht.“ Wenn Mathias Barghoorn das sagt, überspitzt er. Aber der Oldenburger und seine Mitsegler gehören allesamt der Generation 60plus an. Sie sind keine Profis, nicht über Maß sportlich und haben dennoch gerade als Team ein herausforderndes Abenteuer gestemmt: Sie sind beim Fastnet Race gesegelt, haben keinen Schiffbruch erlitten, hohe Wellen durchpflügt, bei Flaute wacker durchgehalten und sind am Ende stolz von Bord gegangen.
Ohne Hochseeerfahrung
Für Mathias Barghoorn ist die Regatta ein Punkt auf der Liste der Dinge, die er einmal in seinem Leben machen wollte. „Und es war toll, großartig.“ Gesegelt ist Barghoorn zusammen mit dem Oldenburger Ulli Osterhues unter dem erfahrenen Skipper Dirk Lahmann (Bremen) und mit weiteren Freizeitseglern. „Wir waren eine Altherrencrew und, abgesehen vom Skipper, ohne Regatta- und Hochseeerfahrung“, so Barghoorn weiter.
Die Ostsee und die Nordsee zwischen Bremerhaven und Helgoland sind normalerweise Segelreviere der beiden Oldenburger. „Wir chartern dann für verlängerte Wochenenden eine Jacht.“ Die Teilnahme an der Regatta sei eher eine Schnapsidee gewesen, „nur ohne Schnaps“, sagt der 66-Jährige. Eigentlich ging es um das Boot: Die Snifix Dry wurde 1978 als Einzelanfertigung auf der Werft Abeking & Rasmussen in Lemwerder (Wesermarsch) als Jacht für solche Rennen gebaut. Nur ist die Snifix Dry nie bei solch einer Regatta gestartet. Barghoorn: „Der Skipper fand, das Schiff hat es verdient, so eine Regatta zu segeln. Und wir haben gemerkt, dass die Jacht genau dafür gemacht ist.“
Mastbruch und raue See
Denn gleich zu Beginn der Regatta hatte es die Crew mit rauer See zu tun: Nach dem Start im britischen Portsmouth türmten sich die Wellen bei sechs bis sieben Windstärken aus West und bei ablaufendem Wasser steil auf. „Wir hörten über Funk die Mayday-Mayday-Rufe der anderen Schiffe“, berichtet Barghoorn. Manch ein Schiff erlitt Mastbruch, während des Rennens fielen 50 Jachten aus oder die Crews gaben auf. „Aber die Snifix Dry ging einfach so durch die Wellen.“
Wenig Schlaf
Gesegelt wurde rund um die Uhr, alle zwei bis vier Stunden wechselten sich die Crewmitglieder ab. Wer nachts nicht segelte, versuchte bei Schräglage in einer der Kojen zur Ruhe zu kommen und zumindest ein bisschen Schlaf zu finden. „Das ist wichtig. Vor allem das Segeln unter Spinnaker erfordert höchste Konzentration“, weiß der Oldenburger. Das Kontrastprogramm an Bord folgte vor Cornwall: zwölf Stunden lange völlige Flaute. „Da dümpelt man rum, guckt in den Nebel und trinkt Kaffee.“ Und auch auf den letzten Seemeilen vor der Zieleinfahrt im französischen Cherbourg ging den Seglern die Puste aus: Bei starker Tidenströmung und ohne Wind drohte die Snifix Dry abzutreiben. „Selbst 500 Meter vor dem Ziel war dessen Erreichen noch fraglich“, so Barghoorn. Im Schneckentempo sei das Schiff über die Ziellinie gekrochen – nach fünf Tagen, 13 Stunden und sieben Minuten – und habe mit Rang 31 von 70 eine respektable Platzierung in der Klasse IRC 4 erreicht. Im Gesamtfeld erreichte die Crew Platz 195 von 314.
