Oldenburg - Not macht erfinderisch. Wie man trotz Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln eine der renommiertesten Keramikveranstaltungen zusammen töpfert, weiß Beate Anneken jetzt.
Einen zweitägigen Künstlermarkt mit 60 000 Besuchern aus aller Welt wird es in diesem August trotzdem nicht geben. Auch keine Begleitausstellung im Schloss, keine Workshops unter Profianleitung, keine einzige Preisvergabe, keine Publikumswahl. Gar nicht. Fast nichts. „Wir arbeiten mit Hochdruck an einem Onlineformat“, sagt die Leiterin der Werkschule und Initiatorin der Internationalen Keramiktage. Seit April rauchen die kreativen Köpfe des Organisationsteams – schon im Frühjahr war klar, dass es bis Ende August aufgrund der Corona-Lage keine Großveranstaltungen geben wird.
Finanzielle Verluste
Natürlich war die Akquise zu diesem Zeitpunkt längst abgeschlossen: Künstler, Designer, Handwerker und Fachhändler waren längst ausgewählt und eingeladen, der Standplan für den Markt am Schloss erstellt, das Programmheft gedruckt, Anmeldungen zu Kursen angenommen. „Ein enormer finanzieller Verlust“, sagt Beate Anneken – nicht nur Werkschule und Förderer, auch für die vielen Freischaffenden, die nun nicht zu den international hoch geschätzten Keramiktagen kommen werden. Mit viel Unterstützung der Stadt und des Touristikmanagements habe man nach Möglichkeiten gesucht, das ganze nicht einfach absagen zu müssen.
„Wir wollten eine Keramikerpromenade machen. Mit vielen kleinen Stationen quer durch die Innenstadt – vom Waffenplatz über den Isensee-Parkplatz bis zum Rathausmarkt“, sagt Beate Anneken. Immerhin 74 positive Rückmeldungen hatte sie von den Künstlern, die aus ihren Heimatländern reisen durften.
Mit der aktuellen „Niedersächsischen Verordnung zur Eindämmung des Corona-Virus“ jedoch ist eine Durchführung der Veranstaltung nahezu unmöglich: Zwar sind demnach Spezialmärkte wieder erlaubt, allerdings nur zu sehr einschränkenden Bedingungen. Unter anderem müssen die jeweiligen Orte abgesperrt sein, es muss Eintrittsgeld erhoben werden, und es dürfen nicht mehr als 1000 Menschen zur gleichen Zeit am gleichen Ort sein – eine Vorgabe, die für die Organisatoren unmöglich einzuhalten gewesen wäre. „Das wäre rein personell nicht machbar gewesen“, bedauert Beate Anneken.
Die Idee, das Ganze nun doch, wie gewohnt, auf dem Schlossplatz stattfinden zu lassen, wurde nach einigen Diskussionen auch verworfen. Auch gilt: „Immer nur eine begrenzte Besucherzahl zulassen und die dann wieder verscheuchen, damit die nächsten reinkommen?“ Nein, so stellt sich die Initiatorin ihre Keramiktage nicht vor. Gerade die entspannte und schöne Atmosphäre, das Flanieren und Verweilen, die angeregten Gespräche machen ihrer Meinung nach die Veranstaltung aus. Künstler hinter Plexiglas – das passe nicht.
Planung bleibt für 2021
So hat Beate Anneken schweren Herzens sechs Wochen vor dem für viele Menschen festen Termin abgesagt. Den vielen Anfragen von langjährigen Besuchern, die von weither kommen und den Oldenburg-Besuch mit ihrer Ferienreise verbinden, musste sie eine Absage erteilen. Das stehende Programm samt Ausstellung der Vorjahressiegerin und dem Keramikerporträt mit Künstlern aus Spanien und Ungarn soll eins-zu-eins am ersten Augustwochenende 2021 stattfinden.
Und bis dahin? „Werden wir auf unserer Homepage Keramikliebhabern die Möglichkeit geben, sich umzusehen und schlau zu machen“, verspricht Beate Anneken. Online sollen dann verschiedene Keramikkünstler mit ihren besonderen Techniken vorgestellt werden. Der Plan ist, dieses kostenlose Angebot zum Zeitpunkt der eigentlichen Veranstaltung, am 1. August, freizuschalten.
Kreative Urlaubstipps
Die Werkschule wird außerdem auf eine Sommerpause verzichten und über die Ferien Kurse anbieten. Beate Anneken selbst tröstet sich mit einer kleinen Kunstpilgerreise zu verschiedenen Keramikerwerkstätten der Republik. Das empfiehlt sie auch allen, die in diesem Jahr wegen der Pandemie weder ans Mittelmeer fahren noch über den Oldenburger Keramikermarkt flanieren können.
Tipps, wo die Reise hingehen kann, gibt es bei der Werkschule. Unter
