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Luftreiniger für Oldenburger Grundschulen in Corona-Zeiten „Werden nicht erreichen, dass wir keine Fensterlüftung mehr brauchen“


Ein Luftfiltergerät steht in einem Fachraum des Alten Gymnasiums. Die Schule hat mehrere mobile Luftfiltergeräte angeschafft. Grundschulen sollen diese nun ebenfalls bestellen können.

Ein Luftfiltergerät steht in einem Fachraum des Alten Gymnasiums. Die Schule hat mehrere mobile Luftfiltergeräte angeschafft. Grundschulen sollen diese nun ebenfalls bestellen können.

Oldenburg - Die Politik hat im Schulausschuss mit Blick auf eine mögliche vierte Corona-Welle die Anschaffung von mobilen Luftreinigern für Oldenburger Grundschulen auf den Weg gebracht. Der Beschluss fiel am Ende einstimmig, wenngleich es vorher einen deutlichen Disput darüber gab, ob dieses Vorhaben weiter gefasst werden sollte.

Obwohl sich selbst Experten uneins sind, ob die Geräte tatsächlich die Infektionsgefahr in Klassenzimmern reduzieren, hatte die von Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) geführte Verwaltung die (auch internen) Bedenken hintangestellt und will den Grundschulen das Angebot machen, mobile Luftreiniger nach eigenem Ermessen bei der Stadt anzufordern. 1,2 Millionen Euro sollen dafür (sofern am 19. Juli auch der Rat zustimmt) außerplanmäßig bewilligt werden. Darüber hinaus soll der Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft und Hochbau in Einrichtungen für Kinder unter 16 Jahren die Ausstattung mit fest installierten Lüftungsanlagen vorantreiben bzw. vorhandene aufzurüsten.

Erwartungen gedämpft

Da letzteres längere Planung nötig macht, sollen die mobilen Geräte kurzfristig für Abhilfe schaffen. Schulamtsleiter Matthias Welp legte sich allerdings sehr ins Zeug, die Erwartungen an den Nutzen zu dämpfen. „Wir werden nicht erreichen, dass wir keine Fensterlüftung mehr brauchen. Wir werden auch nicht erreichen, dass wir wegen fehlender Lüftungsmöglichkeit aus der Nutzung genommene Räume wieder in die Benutzung nehmen können.“ Die mobilen Luftreiniger böten keine verlässlichere Reduzierung der Aerosole als die Fensterlüftung, sie seien als zusätzlicher Schutz zu verstehen. Er verwies zudem auf die Geräuschkulisse der Geräte und besondere Gegebenheiten jeder Schule. „Sie müssen in den Schulalltag passen“.

Reaktionen

Geraldine Dudek als Vertreterin des Stadtelternrats bezeichnete es im Schulausschuss als klugen Vorschlag, die Schulen bei der Beschaffung der mobilen Luftreiniger einzubinden. Sie wüssten am besten, in welchen Räumen das Aufstellen sinnvoll oder womöglich gar nicht möglich sei. „Wir wollen ja keine Halle bezahlen, in denen die Geräte ungenutzt gelagert werden.“

Dinah Maasch, die zu den Müttern gehört, die gegenüber dem Land auch auf dem Klageweg mehr Sicherheit an Schulen einfordern, war es wichtig, zu erfahren, wann weiterführende Schulen mit Luftfiltern ausgestattet werden könnten. Mehrheitlich war man sich einig, dass zunächst die bis Herbst umzusetzenden Maßnahmen an den Grundschulen bewertet werden müssten. „Ich denke, dass wir in der ersten Schulausschusssitzung nach der Wahl das Thema aufnehmen und hören werden, wie die Erfahrungen an den Schulen sind“, so Schulamtsleiter Matthias Welp.

Weiterhin stellte er klar, dass die Luftreiniger nicht nach den Sommerferien überall zur Verfügung stehen werden. Die Anschaffung müsse EU-weit ausgeschrieben werden, die Vorbereitungen liefen bereits. „Wenn wir Anfang Oktober die Geräte in die Schulen stellen können, dann hat das gut geklappt.“

„Wahlkampfgetöse“

In einem weitergehenden Antrag forderte die CDU indes unter anderem, die Ausstattung mit Luftreinigern gemeinsam mit den Grundschulen auch für Kitas und in der Folge für weiterführende Schulen sowie danach für Jugendeinrichtungen festzulegen, konnte damit aber nur FDP-Ratsherr Roland Zielke überzeugen. SPD und Grüne dagegen fanden die Argumentation der Verwaltung zum gewählten Vorgehen schlüssig. SPD-Ratsherr Jens Freymuth wertete den CDU-Vorstoß gar als „völlig unrealistisch“ und „Wahlkampfgetöse“. Hans Hermann Schreiber (WFO/LKR) war nicht stimmberechtigt, sieht jedoch bei den mobilen Luftreinigern allenfalls einen psychologischen Effekt. „Ich würde dafür kein Geld ausgeben.“

Christian Kähler informiert bei CDU-Fachgespräch Experte spricht sich klar für Raumluftfilter aus

Markus Minten Oldenburg

Nachdem ihr eigener Antrag abgelehnt war, gab auch die CDU-Fraktion der Verwaltungsvorlage ihre Stimme. Die Partei und ihr Oberbürgermeisterkandidat Urlich Gathmann setzen sich seit Monaten ebenfalls für die Ausstattung aller Klassenräume mit (mobilen) Raumluftreinigern ein und wiederholten diese Forderung noch einmal. Das Geld sei vorhanden, betont der OB-Kandidat. Die Stadtverwaltung hatte für die Ausstattung von Räumen in Grundschulen und Förderschulen (Klassen 1 bis 4) ein Investitionsvolumen von rund zwei Millionen Euro errechnet.

Patrick Buck
Patrick Buck Redaktion Oldenburg (Stv. Leitung)
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