Oldenburg - Werden auch Kinder unter zwölf Jahren bald gegen Corona geimpft? Ein entsprechender Impfstoff ist zugelassen, eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) wird erwartet. Offen ist, wie genau sie ausfallen wird. Auf diese Entscheidung wartet ein Großteil der Kinderärzte, während einige wenige bereits jetzt Kinder in der Altersgruppe impfen. Ob die Kleinen eine Spritze bekommen sollen, darüber entscheiden am Ende die Eltern. Hier wird das Thema höchst unterschiedlich diskutiert.
„Wir können es gar nicht abwarten“, sagt er Oldenburger Wolf Wiegand. Er hat drei Kinder im Alter von sieben, elf Jahren sowie wenigen Monaten. Schon fast neidisch blickt er in anderen Länder, in denen bereits seit Wochen Fünf- bis Elfjährige die Impfungen erhalten. Und aus anderen Bundesländern kenne er es, dass bereits Termine gemacht werden könnten, „während hier in Oldenburg alle erst auf die Entscheidung der Stiko warten und dann erst planen“, so sein bisheriges Gefühl. Ganz so ist es nicht, die Stadt hat inzwischen einen Impfpunkt speziell für Kinderimpfungen angekündigt.
Keine Zweifel
Dass die Impfungen für die jüngeren Kinder die richtige Entscheidung ist, daran hat der 45-Jährige keinen Zweifel. Er habe die Erfahrungen aus anderen Ländern wie Israel oder den USA verfolgt, wo es nur ganz selten nennenswerte Nebenwirkungen gegeben habe. Der Nutzen überwiegt aus seiner Sicht. „Unsere Hauptmotivation ist, ruhigen Gewissens die Großeltern besuchen zu können“, sagt Wiegand. Vor seinen Kindern sei er immer sehr offen mit diesem Thema umgegangen. Sie freuten sich auf den Impfschutz.
Was ihm als Elternteil nun wichtig ist: Planbarkeit. Er wünscht sich gute Impfangebote auch außerhalb der ohnehin schon stark beanspruchten Kinderarztpraxen. Neben Impfpunkten könnte er sich beispielsweise Impfmobile an Grundschulen für Schüler UND Eltern vorstellen. „Das würde die Schwelle senken, sich impfen zu lassen“, ist Wiegand überzeugt.
Wer sich in Elternkreisen bewegt, hört andere Stimmen. Neben den konsequenten Impfgegnern gibt es noch diejenigen, die zwar selbst geimpft sind, aber zurückhaltender sind, was ihre eigenen Kinder angeht. Schließlich verläuft eine Covid-19-Erkrankung bei Kindern in den meisten Fällen deutlich milder als bei Erwachsenen.
Warten auf Stiko
Birte Neumann ist grundsätzlich fürs Impfen, will ihre Entscheidung, was die Kinder angeht, aber an der Stiko-Empfehlung orientieren. Als Apothekerin wisse sie, wie dort gearbeitet werde und ist überzeugt, dass sie dem Gremium vertrauen kann. Es gehe dabei ums richtige Abwägen zwischen Nutzen und Risiko. Auch der Nutzen für die Allgemeinheit (Stichwort: Herdenimmunität) sollte aus ihrer Sicht einbezogen werden. Wie mild die Wirkung des Virus’ beim Nachwuchs sein kann, konnte sie selbst erleben: Ihre Kinder (sechs und zehn Jahre) waren kürzlich symptomlos infiziert.
Gesellschaftlichen Druck, ihre Kinder impfen lassen zu müssen, verspürt Neumann nicht. „Die Entscheidung treffen wir für uns.“ Und sie könne nachvollziehen, wenn Eltern zögerten. Was sie falsch fände, wäre eine Impfpflicht für diese Altersgruppe. „Wenn man darüber diskutiert, dann sollte man zunächst über eine Impfpflicht für Risikogruppen, wie etwa für Menschen in höherem Alter, sprechen.“
