Oldenburg - Am Stautorkreisel hat die Stadt in den vergangenen Jahrzehnten einen gewaltigen Wandel vollzogen. Dort, wo die Haaren in die Hunte floss, am Jordan Sportboote und stolze Segelschiffe festmachten, braust heute der Verkehr über eine große Brücke hinweg, die als solche nicht wahrgenommen wird – sie ist für das Auge nicht sichtbar und überspannt ebenerdig die Haaren beziehungsweise den Jordan (Mühlenhunte).
Kunstgewerbemuseum
Zu sehen ist auf der alten Ansichtskarte noch das Kunstgewerbemuseum an der Ecke Gottorpstraße/Stau. Das Gebäude mit dem Turm wurde 1873 im Stil der Neorenaissance als Wohngebäude errichtet, weiß Stadtführer und Hobbyhistoriker Helmuth Meinken. 1891 wurde es dann vom Kunstgewerbeverein als Museum eingerichtet.
Schon 1914 wurde es wieder abgerissen. An seiner Stelle entstand zwischen 1915 und 1917 der repräsentative neoklassizistische Bau der Oldenburgischen Landesbank. Der Hafen erstreckte sich noch bis an die Staulinie heran. Vor der damals neuen Post (von 1902) wurde der Fischerknabe abgestellt, der zuvor direkt neben dem Hafenbecken seinen Platz hatte, wie auf der Postkarte zu sehen ist.
Hafenbecken überbaut
Im Buch „Denkmäler und Skulpturen“ von Michael Hopp ist nachzulesen, dass, als der Hafen an dieser Stelle in den 30er-Jahren überbaut wurde, der Fischerknabe in die neue kleine Parkanlage, Rosenplatz genannt, vor die ehemalige Hauptpost kam. Trotz der großen Ähnlichkeit mit der Statue vom Fischerknaben neben dem Theater, der vom Künstler Paul Peterich geschaffen wurde, stammt der sitzende Fischerknabe aus der Werkstatt von Heinrich Obermann. Geschaffen wurde er um 1900 herum. Der Gießername C. Leyrer verweist auf eine Entstehung in München.
Dann wurde auch der Rosengarten vor der Hauptpost in den Jahren 1965/66 dem Straßenverkehr geopfert und der mittlerweile in einem Wasserbecken sitzende Fischer verschwand für lange Jahre in einem Gebüsch im Garten hinter der „Brücke der Nationen“ an der Gartenstraße. 1982 zog er schließlich zum Bürgerfelder Teich. Der Stein, auf dem der Fischerjunge saß, liegt heute noch im Garten der Oldenburgischen Landschaft an der Gartenstraße, berichtet Kunstschmied Hardwig Bauer. Er hat großes Interesse daran, den Fischerjungen von seinem heutigen Standort am Bürgerfelder Teich in den Schlossgarten neben den Wasserlauf am Tropenhaus umziehen zu lassen. Meinken bevorzugt die Idee, den Fischerjungen als kleine Attraktion für Touristen wieder an den Stau zu bringen – zum Beispiel an den Platz vor dem Lokal „Glut und Wasser“, wo auch die Kreuzfahrtschiffe anlegen.
Blickrichtung Hafen: Der sitzende Fischerjunge war bis 1965 in den Rosengarten vor die Hauptpost umgezogen.
Zurück zur Bank: Die OLB baute nach den Plänen des Architekten H. Früstück einen repräsentativen Verwaltungssitz mit Kassenhalle. Ins Auge fallen die ionischen Halbsäulen in den beiden Schaufassaden. Das Gebäude wird von der Gottorpstraße aus betreten.
Abriss beantragt
In der Nachbarschaft des ehemaligen Handelshofes sowie einiger Speicher und Wohnhäuser wurde für den als Landesmuseum geplanten Vorgängerbau von Klingenberg aus dem Jahre 1901 bereits 1914 vom Baurat Früstück der Abbruchantrag gestellt, ist in „Architektur in Oldenburg seit der Jahrhundertwende“ von Reinig und Zugermeier nachzulesen.
Obwohl das vorhandene Bankgebäude aus dem Jahre 1915 erweiterungsfähig gewesen wäre, entschloss sich die OLB sechs Jahrzehnte später für eine zeitgenössische Lösung, einen Neubau aus Beton, Stahl und Glas.
Der Anblick heute: Der Rosengarten wurde zum Parkplatz, der Verkehr fließt durch einen Kreisel.
