Oldenburg - Wildpinkler, Müll, Drogenhandel, Schlägereien, laute Musik und Autoposer: Themen rund um die Dobbenwiese, über die zurzeit stark diskutiert wird. Am Samstagabend hatte sich die Polizei mit sechs Einsatzwagen erstmals deutlich sichtbar auf der Wiese positioniert. 29 Beamte – meist in Uniform – waren vor Ort. Wir waren mit, aber auch ohne Polizei unterwegs.

21 Uhr: Geschätzte 200 vor allem junge Menschen in vielen kleineren Gruppen auf der riesigen Wiese: Es wird Fußball, Wikinger-Schach und Flunkyball gespielt. In der Mitte der Wiese ist ein Volleyballfeld aufgebaut. Die Stimmung ist gelöst: Häufig ist Lachen zu hören, vereinzelt schreit jemand. Bei den meisten Gruppen sind alkoholische Getränke zu sehen. Marihuana ist nirgends zu riechen.

21.05 Uhr: Studenten sitzen auf einer Decke und hören Musik. Man kann sich gerade noch unterhalten. Eine berichtet, dass an einem Wochenende einmal jemand einen Böller geschmissen und die Polizei größere Gruppen aufgelöst hätte. Prinzipiell habe es aber keinen Stress gegeben. Ein anderer ergänzt: „Hier sind viele, die gerade ihren Schulabschluss gemacht haben. Das sind 17-/18-Jährige, die dann schonmal rumschreien.“21.15 Uhr: Ein 29- und ein 30-Jähriger, die vorher schon zwei Mal auf der Dobbenwiese waren, erzählen, dass sie gerne hier seien, weil viele junge Leute da sind und es ihnen in der Innenstadt zu voll ist. Sie haben den Eindruck, dass auf der Wiese viele „vorglühen“ und sich dann auf den Weg in die Stadt machen. Heute seien aber viel weniger Leute da als noch am Vortag. Die Polizei habe die Wiese am Freitag um 23 Uhr geräumt, weil es zu laut gewesen sei.21.25 Uhr: Treffen mit dem Einsatzleiter der Polizei: „Durch unsere Präsenz ist es heute entspannter. Auch sonst ist der größte Teil der Leute vernünftig, nur einige benehmen sich nicht.“ Innerhalb weniger Minuten fahren eine weiße und eine schwarze Limousine hupend an der Wiese vorbei. Das bleibt heute die Ausnahme. Und: Aus dem zweiten Wagen hängt eine Deutschland-Fahne und jemand ruft „Deutschland“ heraus: Das EM-Spiel gegen Portugal lässt grüßen.21.35 Uhr: Der Einsatzleiter hofft, dass die Diskotheken bald wieder öffnen. „Die jungen Leute haben im Moment ja keine Alternativen.“ Zur Toilettenproblematik sagt er: „Die Frauen gehen zum Burger King am Westkreuz, für die Männer ist das zu weit. Aber wenn wir hier Dixies aufstellen, kippen sie uns die um.“22 Uhr: Hektische Betriebsamkeit: Zehn Uniformierte rücken in zwei Gruppen aus. Die eine läuft wegen eines Fahrraddiebstahls in die Lasiusstraße und die andere wegen der Beschädigung eines Schaukastens Richtung Ofener Straße.22.15 Uhr: Es geht zum benachbarten Kaiserteich. Dort hört eine Gruppe Jugendlicher Musik. Nach einer Ermahnung machen sie die Musik leiser. Die Polizei ist keine 20 Meter weg, da wird die Musik wieder lauter gestellt. „Hätten wir das mitbekommen, wäre die Box weg gewesen“, sagt später einer der Beamten.22.30 Uhr: Über Funk kommt die Meldung „Schlägerei am Kaiserteich“. Die Polizisten gehen schnellen Schrittes wieder Richtung Teich und sprechen dort kurz mit einer Gruppe junger Erwachsener. Die sagen, dass sie nichts von einer Schlägerei mitbekommen haben. Die Polizei ermahnt sie ebenfalls, ihre Musik leiser zu stellen. „Das waren die nettesten Polizisten, die ich jemals kennengelernt habe. Aber das war bestimmt nur wegen euch“, sagt einer von ihnen augenzwinkernd.22.33 Uhr: Eine Anwohnerin bedankt sich bei der Polizei für die Präsenz und beklagt die Zustände.23 Uhr: Zwei Mädchen am Kaiserteich berichten, dass es am vorherigen Wochenende „viel chaotischer“ zugegangen sei.23.03 Uhr: Zurück auf der Wiese: Es ist schon viel weniger los. Die Übriggebliebenen werden von der Polizei noch einmal ermahnt, ihre Musik leiser zu stellen und machen sich auch darum langsam auf den Weg. Die Studentengruppe vom Anfang will „in der WG“ weiterfeiern. Auch eine andere, größere Gruppe (etwa 15 junge Erwachsene) will „privat“ weitermachen. Auf der Wiese bleibt laut Polizei erstaunlich wenig Müll zurück. An diesem Wochenende waren mehr Mülltonnen aufgestellt worden.