Oldenburg - Nach den Herbstferien wird es das gleiche Szenario wie vor den Ferien sein: Vor vielen Oldenburger Schulen fahren morgens Eltern mit ihren Fahrzeugen vor, um ihre Kinder zur Schule zu bringen.
Was die Problematik von so genannten Elterntaxis angeht, hat die Oldenburger Polizei bereits in diesem Jahr Alarm geschlagen (wir berichteten). Denn oftmals sorgen die Eltern selbst für Gefahrensituationen vor den Schulen, weil sie in Halteverboten stehen, den Schulweg der Kinder behindern und durch Rangiermanöver Unfälle verursachen. Seit Jahren versucht die Polizei gemeinsam mit der Stadt und Schulleitungen zu sensibilisieren.
Gründe der Eltern
Mit überschaubarem Erfolg, wie Susanne Osing von der Verkehrswacht Niedersachsen weiß: „Die Elterntaxiproblematik ist nicht neu und eine Lösung schwierig, weil die Rahmenbedingungen an den Schulen unterschiedlich sind.“ Die Vision, dass alle Kinder zu Fuß kommen, werde sich aus ihrer Sicht wohl eher nicht erfüllen. „Eltern müssen von dem Schulweg zu Fuß überzeugt sein, erzwingen lässt sich hier nichts. In der Regel ist die Herausforderung zum Schulbeginn größer als zum Ende des Unterrichts“, sagt Osing.
Dabei gebe es unterschiedliche Gruppen von Eltern: zum einen diejenigen, für die es selbstverständlich ist, dass ihr Kind den Schulweg zu Fuß oder gegebenenfalls mit dem Fahrrad zurücklegt. Viele Eltern setzen ihre Kinder aus Gründen der Bequemlichkeit und der Zeitersparnis beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit an der Schule ab. Andere befördern ihr Kind „aus Prinzip von A nach B“.
Ein weiterer Grund sei, so erklärt Osing, die Sorge vor dem unsicheren Schulweg aufgrund der schlechten Verkehrssituation oder aus Angst vor Belästigungen. Eine Angst, die eine Mutter auch an unsere Redaktion herangetragen hat. Auf dem Schulweg ihrer Kinder seien die Geh- und Radwege so schlecht, dass nicht nur Fahrzeuge, sondern auch andere Fußgänger und Radfahrer eine potenzielle Gefahrenquelle für die Kinder darstellen würden. Hinzu komme die dunkle Jahreszeit, in der Grundschulkinder als Verkehrsteilnehmer schnell übersehen werden könnten.
Zusammenarbeit
Mats Meerbothe, der sich im Oldenburger Stadtelternrat engagiert, sagt, dass es auch auf die Zusammenarbeit zwischen der Stadt und den Schulen ankomme. Denn nur, wenn alle Seiten genügend Einsatz zeigen, könnte sich etwas ändern.
„In den letzten Jahren sind die Einzugsgebiete der Schulen immer größer geworden, der Ganztag wurde ausgebaut und es gibt mehr Verkehr. So ist es auch an der Grundschule Krusenbusch, die meine Tochter besucht“, sagt Meerbothe. Das seien Faktoren, die zu einer Verschärfung des Problems führen würden. Er befürwortet das „Wiener Modell“, bei dem Straßen für den Durchgangsverkehr zeitweise komplett gesperrt werden, um den Schulweg für Kinder sicherer zu machen.
Wenn der Schulweg sicherer gemacht werden könne, mehr „Elternhaltestellen“ wie beispielsweise bei dem Projekt „Schulexpress“ eingerichtet werden könnten und Grundschulkinder dazu ermutigt werden würden, den Schulweg selbstständig zu absolvieren, könne es gelingen, die Problematik der Elterntaxis nachhaltig zu lösen, sagt Susanne Osing. Auch sie weiß, dass das nur gelingen kann, wenn alle Akteure gut zusammenarbeiten.
