Oldenburg/Emden - Daniel Hölle und Juan Felipe Quiñones Sánchez, Doktoranden der medizinischen Fakultät an der Universität Oldenburg, sind mit dem „Hermine-Heusler-Edenhuizen Preis“ ausgezeichnet worden. Die Medizinische Fakultät und der Verein der Freunde und Förderer der Universitätsmedizin Nordwest würdigen damit Publikationen der beiden Nachwuchswissenschaftler in international angesehenen wissenschaftlichen Zeitschriften.
Forschung außerhalb des Labors
Neuropsychologe Daniel Hölle veröffentlichte im Magazin „Behavior Research Methods“ eine Studie seines Teams, bei der durch Geräusche verursachte Signalübertragungen im Gehirn bewusst nicht unter Laborbedingungen, sondern im Alltag der Probanden aufgezeichnet wurden. Ein Smartphone erzeugte akustische Signale und zeichnete die dadurch verursachten elektrophysiologischen Aktivitäten des Gehirns über Sensoren am Ohr der Probanden auf. So gelang es zum ersten Mal, solche Hirnaktivitäten für eine Dauer von sechs Stunden im Alltag zu dokumentieren. Damit zeigen die Wissenschaftler: Neurosensorische Prozesse im Gehirn sind auch außerhalb des Labors erforschbar. Hölle hat die Forschungsarbeit als Mitglied der Arbeitsgruppe „Neurophysiologie des Alltags“ von Dr. Martin Bleichner verfasst, die im Rahmen des renommierten Emmy-Noether-Programms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird.
Gesichter erkennen – wie geht das?
Der ebenfalls ausgezeichnete Neuropsychologe Juan Felipe Quiñones Sánchez beschreibt im Fachmagazin „NeuroImage“, dass die Fähigkeit, Gesichter zu erkennen, sowohl von der genetischen Veranlagung als auch von Umwelteinflüssen abhängt. Zu diesem Ergebnis kamen Quiñones Sánchez und sein Team, nachdem sie bei rund 400 Zwillingen mit Hilfe spezieller MRT-Gehirnscans die Fasern von Nervenbahnen der sogenannten Weißen Substanz untersucht hatten, die für die Gesichtserkennung verantwortlich sind. Juan Felipe Quiñones Sánchez arbeitet und forscht in der Abteilung Psychologische Methodenlehre und Statistik unter der Leitung von Prof. Dr. Andrea Hildebrandt.
Preis nach Frauenärztin benannt
Der vom Verein Freunde und Förderer der Universitätsmedizin Nordwest gestiftete „Hermine-Heusler-Edenhuizen-Preis“ ist nach der ersten in Deutschland niedergelassenen Frauenärztin (1872-1955) benannt und wird einmal pro Semester verliehen. Die Tochter eines Landarztes wuchs in Pewsum bei Emden auf und gehörte zu den wenigen Frauen, die im Kaiserreich ihr Abitur erwarben. Gegen viele Widerstände studierte sie Medizin und ließ 1909 zunächst in Köln und später in Berlin nieder. Auf Vorschlag der Forschungskommission entscheidet die Medizinische Fakultät gemeinsam mit dem Verein über die Vergabe. Angesichts der hohen Qualität beider Arbeiten wurden ausnahmsweise zwei Preisträger vorgeschlagen.
