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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg

Anwohner bangen um ihre Erinnerungsstücke

14.08.2018

Oldenburg Ortstermin unterm Dach: Julius Schöppner klappt die Luke runter und weist den Reportern den Weg nach oben. „Meine Schwester lagert hier ihre Kleidung“, erzählt der 20-Jährige. „Und ich habe hier meinen kompletten Hausrat.“ Auch seine Fitnessgeräte stehen auf dem Dachboden. Ob er und seine Schwester ihre Sachen aber jemals wieder benutzen können, ist noch ungewiss. „Vielleicht müssen wir alles wegschmeißen.“

So geht es vielen Bewohnern der „Englischen Siedlung“ im Stadtnorden. Teurer Weihnachtsschmuck, altes Spielzeug der Kinder, Erinnerungsstücke an die verstorbene Tochter – das alles könnte für immer verloren sein, auf dem Sondermüll landen, wie Dirk Jahn von der Interessensgemeinschaft „Englische Siedlung“ sagt. „Alles kontaminiert.“

Soldatensiedlung

Die Siedlung in Oldenburgs Stadtnorden wurde in den 50er-Jahren für die englischen Besatzungssoldaten vom benachbarten Fliegerhorst gebaut.

Besitzer ist der Staat, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, kurz BImA. Insgesamt gibt es in der Siedlung 97 Häuser, 95 sind bewohnt. Heute kann dort jeder wohnen.

Rund 60 Mietparteien haben sich in einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen, um sich für den Erhalt und die Sanierung der Siedlungshäuser einzusetzen.

Auch die Sorge um die Gesundheit wächst. Auf neun Dachböden der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) wurde eine hohe Belastung mit dem Insektengift Lindan nachgewiesen. Ein Gutachten dazu wurde der Interessensgemeinschaft anonym zugestellt. „Das war am 22. Juli um 14 Uhr“, berichtet der Pressesprecher Dirk Jahn. „Wir mussten uns das Gutachten mehrere Male durchlesen, weil wir es nicht glauben konnten.“ Als der Vorstand die Anwohner bei einer Versammlung informierte, seien auch die sprachlos gewesen.

Asthma, Allergien – einige Bewohner klagen über chronische Leiden. Katharina Isermeyer wohnt seit Mai 2007 in der „Englischen Siedlung“. „Anfangs war alles prima“, erzählt die 69-Jährige. „Aber nach drei Jahren verschlechterten sich meine Lungenbefunde.“ Sie leidet unter starken Husten- und Erstickungsanfällen. Auch das Gespräch mit der NWZ muss sie immer wieder unterbrechen, weil der Husten sie heimsucht. Bisher hat sie den Schimmelbefall im Keller für ihr Leiden verantwortlich gemacht. „Aber es spricht auch einiges dafür, dass die Krankheit mit den hohen Schadstoffwerten auf dem Dachboden zusammenhängt.“ Was sie beobachtet hat: Wenn jemand in einem Siedlungshaus die Luke herunterzog, fielen oft zahlreiche tote Insekten herunter.

Trotz der Missstände in ihrer Wohnung will die 69-Jährige nicht umziehen. „Ich habe hier einen schönen Garten und die Nachbarn sind nett“, sagt Katharina Isermeyer und blickt hinaus ins Grüne. Sie denkt über eine Mietminderung nach, wie sie laut Dirk Jahn mehrere Anwohner schon durchsetzten. Er zum Beispiel zahle wegen verschiedener Mängel nur 40 Prozent der Miete, würde aber viel lieber die volle Miete überweisen, wenn alles instandgesetzt wäre.

Dirk Jahn ist fassungslos über die „Unfähigkeit der Behörde“. Als Ex- Soldat ist er persönlich enttäuscht vom Staat, dem er 15 Jahre in der Bundeswehr gedient hat, und der nun seine besondere Fürsorgepflicht verletzte: „Es ist traurig, was hier gerade gespielt wird, es tut weh.“ Aber nicht nur die Anwohner beschäftigen die hohen Schadstoffwerte. Bei der NWZ meldeten sich Mieter aus anderen Siedlungen, die sich nun Sorgen machen: Ist ihr Dachböden möglicherweise auch mit Insektengift belastet?

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Inga Wolter
stv. Ltg.
Online-Redaktion
Tel:
0441 9988 2155

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