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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg

Oldenburger Klinikchef gerät schwer unter Druck

08.06.2019

Oldenburg Klinikum-Chef Dr. Dirk Tenzer gerät nach der Verurteilung des früheren Krankenpflegers Niels Högel wegen Mordes an 85 Patienten in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst weiter unter Druck. Bei der Urteilsbegründung am Donnerstag erhob Richter Sebastian Bührmann schwere Vorwürfe gegen den Oldenburger Klinikchef, dessen selbstgezeichnetes Bild als Aufklärer in Sachen Högel nun immer mehr Risse bekommt.

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Tenzer hatte 2014 „auf eigene Faust“, so Bührmann, eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt und entsprechende Protokolle erstellt. Die Staatsanwaltschaft kam an die wichtigen Schriften jedoch erst, nachdem sie bei einer Hausdurchsuchung die Abschrift eines solchen Protokolls gefunden hatte.

Späte Herausgabe

Das war, anders als vom Richter in der Urteilsbegründung aufgeführt, jedoch nicht schon 2016, sondern erst im August 2018 – und das auch erst unter dem Druck einer drohenden polizeilichen Durchsuchung. Zu diesem Zeitpunkt waren die Ermittlungen gegen den früheren Krankenpfleger bereits abgeschlossen, der Beginn des Prozesses gegen ihn wegen 100-fachen Mordes stand kurz bevor.

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Tenzer begründete die zögerliche Herausgabe vor Gericht damit, er habe den Vertrauensschutz sichern wollen. Bührmann hat einen anderen Verdacht: „Weil man sensible Informationen nicht weitergeben wollte!“ Dies gelte auch für die Strichliste: Ein Stationsleiter glich im Auftrag des Chefarztes Dienstzeiten und Sterbefälle ab, die meisten Striche standen hinter dem Namen Högel. Auch diese Liste befand sich seit 2014 im Besitz von Tenzer und kam erst 2016 bei den Ermittlern an. Warum? Tenzer sagte vor Gericht, er habe die Relevanz der Liste nicht erkannt. „Das wäre Sache der Staatsanwaltschaft gewesen, zu entscheiden, ob die Liste relevant ist oder nicht“, belehrte der Richter den Klinikchef.

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Die späte Kenntnis der Gesprächsprotokolle ist nach den NWZ-Informationen auch der Grund für die Verzögerung bei den Ermittlungen gegen ehemalige Kollegen Högels aus dem Klinikum Oldenburg. Die Staatsanwaltschaft hatte bestätigt, dass „Nachermittlungen“ notwendig geworden seien; mit einer möglichen Anklageerhebung sei deshalb frühestens im Herbst 2019 zu rechnen.

Den Informationen zufolge stehen vor allem fünf damalige Mitarbeiter im Fokus der Behörden: der ehemalige Geschäftsführer des Klinikums Oldenburg, Rudolf Mintrop, zwei Chefärzte, die frühere Pflegedienstleitung und ein Stationsleiter. Gegen sie wird wegen des Vorwurfs Tötung durch Unterlassen ermittelt, sie sollen den mörderischen Krankenpfleger trotz deutlicher Hinweise nicht gestoppt haben.

Auf Nachfrage dieser Zeitung wies Klinikchef Tenzer die von Bührmann erhobenen Vorwürfe zurück. Schon in einer Pressemitteilung erklärte die Klinikleitung am Donnerstag, sie unterstütze „seit September 2014 vorbehaltlos die Aufklärung der damaligen Vorfälle in unserem Haus rund um Niels Högel“. Man wolle sich nächste Woche erneut äußern.

Rücktritt gefordert

Während sich Nebenkläger-Anwältin Gaby Lübben „dankbar für die klaren Worte“ Bührmanns in Richtung des Klinikchefs zeigte, äußerte Christian Marbach sich „schockiert“ über die Deutlichkeit der Verschleierungsvorwürfe in der Urteilsverkündung. Marbach, der seinen Großvater an Högel verlor und als Sprecher der Interessengemeinschaft (IG) Klinikmorde auftritt, kündigte an, noch in dieser Woche Oberbürgermeister Jürgen Krogmann anrufen zu wollen: „Ich werde ihn auffordern, im Sinne der Patientensicherheit und zum Schutz des Klinikums, Herrn Dr. Tenzer einer anderen beruflichen Verwendung zuzuführen.“

Weiter führt er aus: „Es kann nicht sein, dass ein Geschäftsführer glaubt, Beweismittel zurückzuhalten und Sachen zu verschleiern.“ Es könne ja auch mal um Behandlungsfehler gehen, da sei „kein Vertrauen mehr da“.

Auch der Vorsitzende des CDU-Stadtverbands, Christoph Baak, forderte am Freitagabend den Rücktritt des Klinikum-Chefs. „Herr Tenzer ist nicht mehr haltbar“, sagte Baak dieser Zeitung. „Wenn er noch etwas Achtung vor dem Amt hat, macht er seinen Platz frei.“ Tenzer habe bewusst Informationen zurückgehalten und sei für das Klinikum nicht länger tragbar.

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Frank Lauxtermann, der als Zeuge vor Gericht früheren Kollegen aus dem Klinikum Oldenburg Falschaussage und üble Nachrede vorgeworfen hatte, attackierte Dr. Dirk Tenzer ebenfalls: Der Klinikchef führe den Stil seines Vorgängers weiter, „nach dem Zurückhalten von Beweismitteln ist nichts mehr vom großen Aufklärer geblieben“. Tenzer sei für ihn „eine Enttäuschung auf ganzer Linie“.

Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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Christoph Kiefer Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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