Oldenburg - Kurz nach Mittag schloss Galeria in Oldenburg am Montag seine Türen – und informierte per Aushang: „Verehrte Kunden! Auf Grund einer Mitarbeiterbesprechung schließen wir heute um 14 Uhr unsere Filiale. Wir bitten um Ihr Verständnis.“
Hinter verschlossenen Türen ging es dann um ganz schlechte Nachrichten für die 70 Mitarbeiter – und auch für die Stadt. Kurz zuvor hatte der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof dem Aufsichtsrat die Liste präsentiert, welche Filialen geschlossen und welche weitergeführt werden. Gerettet sein sollen 77 Filialen. Oldenburg soll eines der 52 Schließungshäuser sein. Es gehört – mit Bremen, das 235 Mitarbeiter hat – zu den 31 Filialen, die noch bis Ende Januar 2024 öffnen sollen, die anderen 21 schließen schon Mitte dieses Jahres. 5000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollen damit ihre Arbeit verlieren.
„Schlag ins Gesicht“
Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) sprach gegenüber unserer Redaktion von einem „zusätzlichen Tiefschlag“ in finanziell enorm belastenden Zeiten. Er begrüßte, dass Betroffene in eine Transfergesellschaft wechseln können und so „etwas mehr Zeit erhalten, einen neuen Job zu finden“, so der Minister. Für die Innenstädte „müssen wir aktiv gegensteuern“, sagte Lies. Die Gewerkschaft Verdi in Niedersachsen und Bremen sprach von „einem Schlag ins Gesicht der Betroffenen“. Nach mehr als 18 Jahren der Sanierung und des damit verbundenen Gehaltsverzichts stünden viele Existenzen auf dem Spiel – hier neben Bremen und Oldenburg auch in Braunschweig (185), Celle (60) und Hildesheim (80).
Zugeständnisse?
„Es ist jedoch möglich, dass es nach der Veröffentlichung der Liste noch Zugeständnisse der jeweiligen Vermieter gibt, sodass einzelne Häuser eventuell doch noch gerettet werden könnten“, schreibt das Handelsblatt. Der Oldenburger Oberbürgermeister Jürgen Krogmann äußerte sich am Montag ähnlich. Krogmann setzt auf weitere „intensive Gespräche“ mit und zwischen Vermieter und Mieter.
„Region ohne Kaufhaus“
Der CMO-Vorsitzende Christoph Baak sagte: „Das ist ein bitterer Tag für den Standort Oldenburg.“ Die Verwaltung müsse aber auch gelobt werden für ihren Einsatz, zumal es vielleicht noch einen Strohhalm gebe. Das CMO sichere jede Unterstützung zu.
Die Entscheidung sei allerdings auch unverständlich: Wenn es dabei bliebe, läge „der ganze Norden brach, es gäbe dann keine Kaufhäuser mehr zwischen Hamburg, Hannover und Münster“, sagte Baak. Auch das spräche für den Erhalt in Oldenburg.
Die Einschätzung teilt Carola Havekost. Die Geschäftsführerin für den Bereich Handel und Stadtentwicklung bei der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) sagte: „Sollten die Beteiligten wirklich alle Chancen für den Erhalt des Standortes Oldenburg ausgelotet haben und die Schließung final beschlossen sein, wäre das eine sehr bittere Entscheidung für die Region und ein tiefer Einschnitt für die Oldenburger Innenstadt in zentraler Lage am Marktplatz. Denn auch Galeria Kaufhof gehört zu den Frequenzbringern, die Kundinnen und Kunden in die Innenstadt ziehen.“
Bürger-Stimmen
Eine ehemalige Mitarbeiterin sagte: „Ich finde das total traurig. Ich habe hier zwei Ausbildungen gemacht und das ganze Team sehr geschätzt. Meine Freunde, die hier noch arbeiten, sind jetzt natürlich schlecht dran.“ Auch viele Kunden beschäftigte die Nachricht. Eine 56-jährige Oldenburgerin sagte: „Das ist der Lauf der Dinge. Der Online-Handel wird das jetzt alles übernehmen.“ Ein 74-jähriger Passant sagte: „So fällt die Oldenburger Innenstadt aus. Es ist eine Frechheit.“ Mia Glock fände ein Ende von Galeria in Oldenburg „schade und traurig“. Auch wenn sie selbst gar nicht so regelmäßig dort eingekauft habe, „habe ich aber doch immer was gefunden“. Der große Kaufhausstandort – zuerst Hitzegrad, später Merkur, dann Horten, danach Galeria Kaufhof – besteht seit 1863 an der Stelle.
Entwicklung & Aussicht
Galeria Karstadt Kaufhof hatte Ende Oktober 2022 zum zweiten Mal innerhalb von weniger als drei Jahren Rettung in einem Schutzschirm-Insolvenzverfahren gesucht – wegen „der Energiepreise und der Konsumflaute“. 40 Häuser waren im ersten Verfahren geschlossen worden. Der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz äußerte sich für die verbleibenden Häuser zuversichtlich: „Ich bin überzeugt, dass die Galeria-Warenhäuser eine Zukunft haben“, so der Sanierer. Der Handelsriese müsse dafür aber „kleiner und dezentraler werden“. Galeria werde hoffentlich „in drei Kalenderjahren“ wieder Gewinn machen. Die Stadtverwaltung will darum kämpfen, dass das mit und nicht ohne Oldenburg der Fall sein wird.


