Oldenburg - Die Hindenburgschule nach dem Zweiten Weltkrieg, ein Kollegium in dem (wie auf anderen Schulen auch) ehemalige Nazis wieder als Lehrer beschäftigt waren, Pflicht und Gehorsam einforderten, die oftmals selbst in preußischer Tradition mit aller damit verbundener Strenge erzogen worden waren. Unsere Redaktion erreichen zahlreiche Reaktionen auf die Berichterstattung über Dieter Vogt und Günther Nullmeyer, die sich getraut hatten, öffentlich über die Schrecken aus ihrer Schulzeit in den 50er und 60er Jahren an der Hindenburgschule zu berichten.
Schlechte Erinnerungen
Schlechte Erinnerungen hat auch Geert Claußen, Jahrgang 1938, später Realschulrektor und CDU-Ratsherr in Oldenburg. Er schreibt:
„Ab 1950 besuchte ich mit guten Grundschulzensuren die Hindenburgschule. Es gab in den nächsten beiden Jahrgängen befriedigende Leistungen, dann im 7. Schuljahr wurde ich mit einer (!) Fünf in Latein nicht versetzt. Das war damals möglich, aber ein Klassenkamerad mit gleichem Zensurenbild wurde versetzt, „weil sein Vater noch in Kriegsgefangenschaft“ war und seine Mutter „alleinerziehend“. (...)
Fehlende Begabung
Zu Beginn der neuen 7. Klasse prophezeite uns der neue Klassenlehrer Otto L., ein Studienrat kurz vor der Pensionierung, von uns (5 oder 6) Jahrgangswiederholern werde kaum einer das Gymnasium schaffen, da wir nicht die nötige Begabung hätten. Ich erreichte im Gegensatz zu einigen Mitschülern mühelos die 8. Klasse. Der Ton und das Verhalten unseres Klassenlehrers waren autoritär. Geringe Verstöße wurden oft beleidigend kommentiert und maßlos bestraft. Einträge ins „heilige“ Klassenbuch waren „Tadel“ und wurden von anderen Lehrern mit hämischen Bemerkungen kommentiert. Ein Tadel war ein Charakterfehler.
Angepasster Junge
Ich war ein angepasster Junge und fiel in keiner Weise negativ auf, ein „tadelloser“ Schüler. Es gab keinerlei Vergehen, nicht mal ein „Schundheft“ war bei mir gefunden worden. Auch meine Zensuren waren in Ordnung. Die 9. Klasse schien problemlos erreichbar. Eines Tages war im Herbst das „heilige“ Klassenbuch (eine „Urkunde“) verschwunden. Der Klassenbuchführer (ein „Ehrenamt für eine Vertrauensperson“) hatte dafür keine Erklärung. Ein Verbrechen (!) war begangen worden. Alle Klassenkameraden wurden ohne ein Ergebnis vernommen. Da bat mich mein Klassenlehrer L. in einer Pause zu bleiben und forderte mich energisch auf, den Übeltäter zu benennen. Ich hatte keine Ahnung (das ist bis heute – 70 Jahre später – noch so). Weil ich so „verstockt“ war, wurde mein Vater in die Schule zitiert, um mich zur Einsicht zu bringen. Das war natürlich vergeblich. Mein Klassenlehrer drohte, ich würde schon sehen, welche Folgen meine Tat haben würde. Auch mein Deutschlehrer sprach mich auf mein „Vergehen“ an. Er schwärmte von seiner Zeit als Hitlerjugendführer und „seinen Jungs“.
