Oldenburg - Eine gute Nachricht für geschichtsbewusste Oldenburger: Die Bahn hat das Signal für die Sanierung der Gleishalle auf Grün gestellt. Die Mittel für alle Planungsphasen wurden wie geplant bewilligt, teilte eine Bahnsprecherin auf Nachfrage der NWZ mit. Das erste europaweit ausgeschriebene Paket für die erforderlichen Arbeiten werde im September veröffentlicht. Der Baubeginn ist für Ende 2023 geplant, da unter anderem sogenannten Sperrpausen für Teilbereiche der Bahngleise bei umfangreichen Bauarbeiten langfristig angemeldet werden müssen.
Wie berichtet wird der Hauptbahnhof von Dezember 2023 bis Herbst 2027 zur Großbaustelle. Für mindestens 60 Millionen Euro soll die Gleishalle über den Bahnsteigen in drei Bauabschnitten zunächst demontiert, in Einzelteile zerlegt, in Werkstätten überarbeitet und dort repariert werden, bevor die Konstruktion im Bahnhof wieder aufgebaut wird. Teile, die nicht aufgearbeitet werden können, werden durch neue ersetzt. Der Vorstand der DB Station&Service AG hat nun Geld für das Projekt freigeben.
Vermutlich Anthrazit-Ton
Die Gleishalle soll, wie bei ihrer Eröffnung im Jahr 1915, in frischem Glanz erstrahlen. In welcher Farbe, steht noch nicht fest. Der ursprüngliche Anstrich wird bei der Aufarbeitung der Stahlteile zum Vorschein kommen. Vermutlich ist es ein Anthrazit-Ton. Es bleibt während der Arbeiten immer eine der drei Hallen stehen bzw. kann die restaurierte genutzt werden. Saniert werden auch die 54 Köpfe der Fundamente und ins Dach werden die Scheiben eingesetzt.
Bahnsteig-Verlängerung
Zu den Arbeiten gehören ferner der Austausch der längs verlaufenden Mauer in Richtung ZOB, der Rückbau der Stangenverbände an den vorderen Seiten der Gleishalle, die 1960 eingebaut worden waren, der Rückbau der sechs Lastenaufzüge, der Neubau eines Gepäckbahnsteiges nach historischem Vorbild sowie die Erneuerung von Beleuchtung und Lautsprecheranlage.
Begonnen wird mit den Arbeiten im Richtung ZOB, also Norden gelegenen „Hallenschiff“, das mittlere sowie das Richtung Empfangsgebäude liegende folgen. Der Bahnsteig 5/6, auf dem die Züge Richtung Bremen und Leer abfahren, wird bei dieser Gelegenheit gleich verlängert. Die Bahn hatte ursprünglich aus Kostengründen sogar einen Abriss der Konstruktion und den Bau moderner Unterstände aus Beton nach Vorbild des Hauptbahnhofs in Hannover favorisiert. Stadtverwaltung, Rat und Oldenburgische Landschaft kämpften demgegenüber für eine Sanierung. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz schaltete sich ein. Das Ensemble des von 1911 bis 1915 in Form des Jugendstils errichteten Bahnhofs mit Fürstenpavillon, Empfangshalle und Gleishalle steht in Gänze unter Denkmalschutz.
