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Lob für Schulprofil Minister-Tusch fürs Herbartgymnasium

Schöner Rahmen für die Ehrung durch Grant Hendrik Tonne (rechts) im Herbartgymnasium: Die Schulbigband „120 Dezibel“ (im Bild ein Teil davon) unterlegte die Auszeichnung mit tollen Beiträgen, die auch den Kultusminister begeisterten.

Schöner Rahmen für die Ehrung durch Grant Hendrik Tonne (rechts) im Herbartgymnasium: Die Schulbigband „120 Dezibel“ (im Bild ein Teil davon) unterlegte die Auszeichnung mit tollen Beiträgen, die auch den Kultusminister begeisterten.

Sascha Stüber

Oldenburg - Als erste Schule in Niedersachsen hat Kultusminister Grant Hendrik Tonne am Mittwoch das Herbartgymnasium für seine Leistungen im Modellprojekt „Zukunftsschule“ ausgezeichnet – insbesondere wegen ihres vor wenigen Jahren neu geschaffenen Profils „Wirtschaftslehre/Wirtschaftsethik“: Intoniert wurde die Ehrung in der Aula durch den feinen Solo-Gesang und die fette Bläserformation der HGO-Bigband „120 Dezibel“. „Ich könnte mir keinen besseren Ort dafür vorstellen“, sagte Tonne zur Auftakt-Auswahl des Herbartgymnasiums. Insgesamt sind 20 Schulen im Land beteiligt.

Das Ziel

Das Projekt „Zukunftsschule“ im Landesprogramm „Bildung 2040“ suche nach Wegen, „dem Anspruch nach guter, moderner Bildung gerecht zu werden“, sagte Tonne. Phänomene wie „verschiedene Formen von Extremismus“, die „drohende Spaltung der Gesellschaft“ und der „menschengemachte Klimawandel“ forderten „ein entschiedenes Umdenken in Gesellschaft und Schule“, die Schülerinnen und Schüler müssten lernen, sich kritisch und konstruktiv mit einer globalisierten Welt auseinanderzusetzen, heißt es in der Beschreibung des Projekts, das Nachhaltigkeit und Demokratiebildung stärken will.

Trotz der angespannten Situation im Schulalltag werde an den ausgewählten Schulen ein Freiraum geschaffen, um in diesem Sinne zukunftsweisende Dinge auszuprobieren, so der Minister. Es gebe allerdings nicht den einen, richtigen Weg, sondern viele Möglichkeiten, sagte Tonne: „Da muss man Unterschiedlichkeiten zulassen, die verschiedenen Schulen können das auf ihre Weise machen.“

Das Modellprojekt

Das Herbartgymnasium leuchtet mit seinem Profil „Wirtschaftslehre/Wirtschaftsethik“ das Spannungsfeld aus, in dem sich die Wirtschaft bewegt – in der bestmöglichen Verbindung von „Renditestreben, Verantwortungsbewusstsein und Zukunftsorientierung“, sagte HGO-Lehrer Janosch Schierke, der das Projekt mit seiner Kollegin Margitta Berghaus verantwortet. Schierke: „Wir haben hier die Zeit, Dinge profunder zu erarbeiten“ – fächerübergreifend, auch über Projektlernen, in einer Verzahnung von Theorie und Praxis. Dabei seien die Schüler auch immer selbst gefragt: von Fernreisen bis zu den Untiefen von Social Media.

Und immer gehe es dabei auch darum, ganz unterschiedliche Sichtweisen und Aspekte einzubeziehen, verschiedene Positionen auszuhalten und je nach Ansatz, Norm und Moral mit Dilemma-Situationen umzugehen. Die Schüler verstünden am Ende der dreijährigen Phase des gewählten Profils (Klasse 8 bis 10) nicht nur grundlegend die ökonomischen Zusammenhänge, sondern könnten sie im Alltag auch kritisch reflektieren.

Schon jetzt steckten die Schüler tief in der Praxis: von der Arbeit in Schülerfirmen, der Produktion von Kurzfilmen, karitativen wirtschaftlichen Aktionen und der Teilnahme an Wettbewerben bis zur Umstellung der kompletten eigenen Schule, wie sie durch die aktuelle 9. Wirtschaftsprofil-Klasse vorangetrieben werde. Schierke sagte: „Wir sind auf einem guten Weg, die Schule mit als Erste in Niedersachsen klimaneutral zu gestalten.“

Auch dies sei ein Projekt, das Spannungsfelder spiegele und so herausfordere – etwa im Blick auf Klima-Kompensationen innerhalb gegebener Sachzwänge. Ohne dass es sich wie Unterricht anfühle, entstehe aus der Erkenntnis, dass es zu all diesen Fragen keine einfachen Antworten gebe, „eine steile Lernkurve“.

Die Schulleiterin

Schulleiterin Annika Neesen ordnete das Projekt ein in die „Bemühung um Antizipation: Wie werden die Schüler morgen leben? Wie werden sie verantwortungsfähige Mitglieder der Gesellschaft?“ Bei Herausforderungen der globalen Auseinandersetzung um Ressourcen, den Einsatz von Gentechnik, den Umgang mit Social Media – zwangsläufig gebe es „multiple Perspektiven und Güterabwägungen“. Die intensive Beschäftigung damit könne dazu führen, dass man sich nicht nur in Entweder-oder-Kategorien, sondern mehr innerhalb von Sowohl-als auch-Koordinaten bewege. Neesen sagte: „Viele wollen auf schwierige Fragen einfache Antworten. Das hilft aber nicht weiter.“ Gefordert sei eine größere Ambiguitätstoleranz, mithin die Fähigkeit, entspannter und offener mit Herausforderndem umzugehen und nicht sofort ausweichend oder ablehnend zu reagieren. Gespeist sein müsse die Haltung aus einem gesunden und verantwortungsbewussten „Optimismus und einem mutmachenden Sinn für Optionen, den wir uns immer erhalten sollten“.

Karsten Röhr
Karsten Röhr Redaktion Oldenburg
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