Oldenburg/Hannover - Es wäre so einfach: Studierende könnten mit einer „Uni-Card“ für Niedersachsen in der Mensa bezahlen, in Bibliotheken notwendige Medien ausleihen oder problemlos die Hochschule wechseln. Alle Daten wären in einer Cloud abrufbar – natürlich Datenschutzkonform und praktisch für die Nutzer. Zukunftsmusik? Nein, sagt Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU). Man brauche nur die richtige Infrastruktur.
Daher will Niedersachsen eine führende Rolle spielen beim Aufbau einer sicheren, dezentralen Dateninfrastruktur in Europa. „Gaia-X“ heißt der Name dieser Initiative.
Sechs Labore forschen
Zu den Motoren dieser Entwicklung gehört das Oldenburger Informatik-Institut Offis. Hier ist die Koordinierungsstelle ZDIN (Zentrum für digitale Innovationen Niedersachsen) angesiedelt. In sechs Zukunftslaboren bündelt das ZDIN die Kräfte aus Forschung und Wissenschaft, erklärt Offis-Vorstand Wolfgang Nebel. Fünf der sechs Labore seien in Oldenburg angesiedelt. Gearbeitet werde zu Themenfeldern wie Verkehr, Gesundheit und Energie. Im Sommer werde man das „Zukunftslabor Wassermanagement“ in Leben rufen, ergänzt ZDIN-Geschäftsführerin Agnetha Flore.
Nicht zuletzt der Krieg in der Ukraine habe die Augen dafür geöffnet, wie gefährdet der Datenschatz sei, so Thümler. Auch Digitalisierungsstaatssekretär Stefan Muhle wies auf die Abhängigkeit von mächtigen IT-Konzernen aus den USA und China hin. Um Souveränität zu erlangen, wurden sichere und vertrauenswürdige Cloud-Infrastrukturen benötigt. „Wissenschaft und Wirtschaft, alle Nutzerinnen und Nutzer sollen Daten sammeln und miteinander teilen können – aber so, dass sie darüber die Kontrolle behalten“, ergänzt Thümler. Es gelte, einen sicheren Umgang mit Daten und Diensten zu entwickeln und zu betreiben.
Noch viele Ideen
Vertreter des ZDIN, allen voran Agnetha Flore, übergaben Thümler und Muhle am Donnerstag in Hannover ein Positionspapier. Das Ziel: Niedersachsen als maßgeblichen Mitgestalter von „Gaia-X“ zu positionieren. In den Einrichtungen, die sich bundesweit an dem Projekt beteiligen, steckten Forschungsmittel im Volumen von rund 90 Millionen Euro, bilanziert Thümler. Die Bündelung von Know-how und den fachübergreifenden Austausch betont Flore.
Die „Uni-Card“ ist übrigens nur eine von mehreren Ideen. Die neue Cloud sollte auch in puncto Niedersächsisches Kulturerbe hilfreich sein, hofft der Minister. Bürger könnten ihr Wissen über alte Gebäude und Stadtgeschichten in eine Denkmal-Datenbank einbringen. Solche praktischen Anwendungen seien wichtig, um bei den Nutzern Vertrauen für „Gaia-X“ zu schaffen, ist Offis-Vorstand Nebel überzeugt.
