Oldenburg - Die Oldenburger Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Heike Fleßner ist am 2. Februar im Alter von 76 Jahren nach langer schwerer Krankheit gestorben. „Ein wunderbarer Mensch voller Energie, Zugewandtheit und Verlässlichkeit“, schreiben Kolleginnen und Kollegen der Carl-von-Ossietzky-Universität in ihrer Anzeige zum Tod der 76-Jährigen und drücken damit sicherlich das Gefühl vieler Freunde und Weggefährten aus, die Heike Fleßner begleitet haben. „Sie war warmherzig, positiv denkend, blickte bis zum Schluss zuversichtlich in die Zukunft – und sie war ein gefühlvoller Mensch, für den die Familie einen hohen Stellenwert genoss. Ihre Herkunft war der in Esens gebürtigen Ostfriesin wichtig“, sagt Helga Wilhelmer über ihre Freundin.

Bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2009 war sie Hochschullehrerin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik. Von 2001 bis 2009 hatte sie zudem das Amt der Direktorin des universitären Zentrums für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (ZFG) inne. Nach ihrem Lehramtsstudium arbeitete Fleßner von 1966 bis 1971 zunächst als Hauptschullehrerin und war vom unter Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) unterschriebenen Berufsverbotsverfahren bedroht. Aus dem Klassenraum wechselte sie an die pädagogische Hochschule Oldenburg, aus der kurze Zeit später die neu gegründete Carl-von-Ossietzky-Universität hervorging. 1980 promovierte sie mit einer historischen Untersuchung zur öffentlichen Kleinkinderziehung auf dem Land. Nach ihrer Habilitation 1994 wurde ihr 1997 der Titel außerplanmäßige Professorin verliehen. Fleßner war maßgeblich am Aufbau des Forschungsschwerpunkts Frauen- und Geschlechterforschung an der Uni beteiligt und Gründungsmitglied des Zentrums für Frauengeschichte. Gleiches gilt für den Verein für Kinder, der 1980 als Verein zur Förderung der öffentlichen Kleinkinderziehung gegründet wurde. Bei den Studierenden war sie hoch geschätzt.

Von 1985 bis 1991 war sie Mitglied des Rats der Stadt Oldenburg, zunächst für die Deutsche Kommunistische Partei, dann ab 1989 für die Fleßner/Müller-Fraktion. In ihrem Ruhestand engagierte sie sich beim Landesverband Niedersachsen von pro familia, zu dessen Vorsitzender sie 2014 gewählt wurde. Überdies war sie Mitglied des Vorstands der Bertha Ramsauer Stiftung in Oldenburg, die sich für Frauenbildung einsetzt. Auch engagierte sie sich im Förderkreis des CineK. Helga Wilhelmer beschreibt sie so: „Sie hat immer gekämpft, sich nie etwas gefallen lassen, war hochintelligent, differenziert und sehr sozial.“ Ihre Arbeit und ihr Einsatz haben deutliche Spuren hinterlassen.

Thomas Husmann
Thomas Husmann Redaktion Oldenburg