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NWZonline.de Region

Wo Senioren in Oldenburg einfach die Krätze kriegen

03.11.2017

Oldenburg Das geht unter die Haut: Zwei Bewohner eines Oldenburger Altenwohnheims erkranken zur selben Zeit an Krätze, einer stark juckenden und hochansteckenden Hauterkrankung (siehe Infokasten). Der Mediziner verhält sich, wie die Leitlinien es vorsehen: die beiden Bewohner werden mit Cremes behandelt und dürfen keinen Kontakt mehr zu den anderen Menschen in dem Heim haben. In der Fachsprache heißt das, sie werden in ihrem Zimmer isoliert, d.h. sie kommen unter Quarantäne.

Beide Patienten reagieren nicht auf die Cremes, so dass der Mediziner eine Therapie mit Tabletten verordnet. „Die sind leider im Moment nicht lieferbar“, erklärt Bezirksapothekerin Dr. Gabriele Röscheisen-Pfeifer. „Aus Frankreich können sie jedoch importiert werden.“ Die Mehrkosten dafür betragen laut ihren Worten etwa 6 Euro.

Milben übertragen die Krankheit

Die Krätze, medizinisch als Scabies bezeichnet, ist eine hochansteckende Hauterkrankung, die mit einem unerträglichen Juckreiz für die Erkrankten einhergeht. Die Menschen reagieren darauf mit einem Kratzen (von dem lateinischen Begriff scabere, übersetzt: kratzen). Daraus wird der Name der Krankheit abgeleitet.

Ausgelöst wird die Erkrankung durch den Befall von Krätzmilben. Die Tiere hinterlassen Eier und Kot in der Hornschicht der Oberhaut und lösen dadurch eine allergische Reaktion aus. Es kommt zu Rötungen, Quaddeln, Krusten und Bläschen, die mit Eiter gefüllt sind.

Vor allem in Nordrhein-Westfalen hatte man 2016 festgestellt, dass in Kindertagesstätten, Altenheimen und Flüchtlingsunterkünften die Krankheitsfälle extrem zugenommen hatten.

Beide Patienten sind gesetzlich versichert. Nach schriftlichem Kostenvoranschlag übernimmt eine Kasse die Kosten, die andere – eine Ortskrankenkasse – lehnt die Kostenübernahme trotz mehrfacher Interventionen der Apothekerin und des Mediziners ab. „Das ist beschämend“, findet Apothekerin Gabriele Röscheisen-Pfeifer. Auch das Gesundheitsamt der Stadt Oldenburg wird über die Krätze-Erkrankung informiert. Apothekerin und Mediziner haben zur Selbsthilfe gegriffen und die Tabletten dennoch in Frankreich bestellt. Sie hoffen, dass die Angehörigen der Erkrankten die Erstattung mit der Krankenkasse erstreiten können.

„Wenn die Krankenkassen weiterhin auf sinnlose und häufig erfolglose Genehmigungsverfahren pochen“, so erklärt die Apothekerin, „könnten sich auf diese Weise Krankheiten sehr viel schneller ausbreiten.“ Sie habe in diesem Jahr schon von deutlich mehr Krätzefällen Kenntnis als sonst.

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Unglaublich beschämend

Außerdem wollen die Oldenburger Apotheker ihren Worten zufolge eine Petition vorbereiten, in der sie sich des Themas Antibiotika annehmen. Damit wollen sie das Bewusstsein dafür schärfen, dass viele Pharmafirmen aus Kostengründen ihre Antibiotika-Produktionsstätten längst nach Indien verlagert haben. Sie wollen sich dafür einsetzen, dass auch in Europa weiter produziert wird.

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Sabine Schicke stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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