Oldenburg - Das Wassersystem ist ein äußerst komplexes. Eingriffe an der einer Stelle haben Auswirkungen an anderer. Und das können durchaus auch negative sein. Expertenwissen ist also gefragt. Und eine genaue Koordinierung. Aus diesem Grund hat die Stadt am Sonntagnachmittag einen Katastrophenschutz-Stab eingerichtet. Neben Berufsfeuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW), Rettungsdienst und Polizei, Bundeswehr und Stadtverwaltung, sind temporär auch Fachberater aus den Wasser- und Bodenverbänden in diesem Stab vertreten. Hier laufen sämtliche Lagemeldungen zusammen und werden bewertet. Hier werden alle notwendigen Einsatzmaßnahmen koordiniert.
Enge Vernetzung
„Wir wollen vor der Lage sein und bleiben“, erklärt Jürgen Krogmann, warum er den Stab einberufen hat. „Und bisher haben wir alles unter Kontrolle.“ Das Wichtigste: „Es besteht akut keine Gefahr für Leib und Leben.“ Als Oberbürgermeister ist Krogmann Kopf des Stabes, wechselt sich mit seiner Stellvertreterin Dagmar Sachse ab. Ein Hochwasser ist eine Lage, die sich aufbaut. Und weil das auch am Dienstag noch so ist, wird der Stab auch noch einige Tage eingesetzt bleiben. Rund 30 Menschen sitzen zusammen, stimmen sich eng ab und koordinieren Vorbereitungen und Einsätze. Viermal über den Tag verteilt finden Lagebesprechungen statt. Im Hintergrund wirken noch viele weitere Personen mit.
Nur durch diese enge Vernetzung – gerade auch unter Einbezug der Wasserexperten – sei es möglich, einen optimierten Ablauf des Wassers zu erreichen, ist sich Jens Spekker, Chef der Oldenburger Berufsfeuerwehr, sicher. Und das scheint am Dienstag auch gut zu funktionieren. Aus einigen Bereichen werden sinkende Pegelstände gemeldet. Gerade im Stadtsüden sei es gelungen, durch kontinuierlichen Wasserabfluss trotz dreier Wasserzüge (Hunte, Osternburger Kanal und Fleth) eine ausbalancierte Lage zu erzeugen. Selbst der Küstenkanal werde genutzt, so Krogmann – „alles, wo man Wasser hin managen kann“.
Insgesamt steht der Höhepunkt aber wohl noch bevor. Am 28. und 29. dürfte der höchste Wasserstand der Hunte erreicht sein. Rund 30 Stunden nachdem der Scheitelpunkt den Pegel Colnrade passiert hat, erreicht er Oldenburg. Auch das macht deutlich, wie wichtig eine regionale Abstimmung ist. Die Pegelstände haben mittlerweile die des Hochwassers von 1998 annähernd erreicht. Beispiel Huntlosen II: 6,48 Meter waren es am 30. Oktober 1998, am frühen Dienstagabend 6,41 Meter. Vergleichbar sind die Werte allerdings nur bedingt, sind die Deiche seitdem doch vielerorts erhöht worden.
Die Feuerwehr setzt auch Drohnen ein, um sich ein Bild der Lage an Haaren und Hunte aus der Luft zu machen. Posten beobachten entlang der Haaren Veränderungen. Ein Hauptaugenmerk liegt derzeit auf dem Regenwasserrückhaltebecken Petersfehn. Dieses ist fast voll. Um weitere Kapazitäten zu schaffen, wird derzeit die Ablaufmenge in die Haaren erhöht. Ja, das bringe höhere Wasserstände in der Haarenniederung mit sich, so dass Wasserübertritte auf Grundstücke punktuell nicht auszuschließen seien, räumt Krogmann ein. In der Gesamtschau soll das Handeln aber zur Beherrschung der Lage beitragen.
Etwas Hoffnung machen dem Stab die Niederschlagsprognosen für die kommenden Tage. „Je weniger von oben nachkommt, umso besser“, sagt Sozialdezernentin Sachse. In Summe soll es aber noch einmal 20 Liter pro Quadratmeter geben.
Viele Ehrenamtliche
Helfer in dreistelliger Größenordnung sind im Einsatz, viele davon ehrenamtlich, vor allem Freiwillige Feuerwehren und THW. Ihre Aufgaben reichen vom Füllen der Sandsäcke bis hin zur Verpflegung. „Sehr beeindruckend“ findet Krogmann das. Und auch Strekker lobt die „problemlose Bereitschaft“. Die Ortswehren arbeiten im Dauerbetrieb daran, die Sandsack-Kapazitäten zu erhöhen. An Bürger können keine Sandsäcke abgegeben werden. Diese sind für die akuten Gefahrenpunkte vorgesehen – und für mögliche Deichsicherungen.
Sorge bereitet dem Stab allerdings die Unvernunft vieler Menschen. Trotz Betretungsverbots waren auch am Dienstag Hunderte auf den Deichen unterwegs. „Wir machen das ja nicht zum Spaß“, betont Sachse. Es gehe schlicht um die Sicherheit vieler. Denn durch das Begehen der aufgeweichten Deiche könnten diese Schaden nehmen. „Und das ist nicht zuletzt auch für all die Menschen hier im Stab, die über Tage versuchen, möglichst viel Sicherheit zu erzeugen, ein Schlag ins Gesicht.“ Sie appellierte daher noch einmal eindringlich an alle Menschen, die Deiche und die entsprechenden Zuwegungen zu meiden.
Bürgertelefon für Fragen
Unter der Telefonnummer 0441/2354500 hat die Stadt ein Bürgertelefon eingerichtet. Bereits an den Feiertagen gingen hier zahlreiche Meldungen ein. Ab diesen Mittwoch, 27. Dezember, ist das Bürgertelefon von 7 bis 18 Uhr erreichbar. Die Stadt empfiehlt zudem, die Warn-App KATWARN zu nutzen.
