Oldenburg - Der Weg zu einem seit Jahren geforderten Hotel, in dem vor allem auch Kongressteilnehmer in größerem Stil untergebracht werden können, ist ein Stück weiter geebnet worden: Einstimmig – bei vier Enthaltungen – hat der Stadtrat am Montagabend das „Angebotsverfahren für das bebaute städtische Grundstück Europaplatz 14-16“ gestartet. Die Stadt hatte dafür von der Schweinezuchtgesellschaft die entsprechende Immobilie erworben.
Zuvor hatten mehrere Kommunalpolitiker im Ausschuss für allgemeine Angelegenheiten die Notwendigkeit weiterer Hotelkapazitäten in der Stadt betont. „Es geht darum, nach Oldenburg zu holen, was bisher in Bremen und Bad Zwischenahn gelandet ist“, sprach Bernhard Ellberg (SPD) Kongressteilnehmer an, die mangels Angebot in Oldenburg bisher in die Nachbarschaft ausweichen müssen. „Die gehören in die Stadt.“
Rund 30 Meter Höhe
Mit dem Start des Angebotsverfahren für den Bau eines Hotels mit 130 Zimmern soll eine Jahrzehnte andauernde Forderung nach einem Tagungshotel umgesetzt werden. Bau und Planung treffen mit dem Neubau der Kongresshalle sowie der Festsäle der Weser-Ems-Hallen (WEH) zusammen. Das Hotel soll niedriger werden als das Gebäude der Landessparkasse zu Oldenburg am Berliner Platz (circa 37 Meter). Möglich wären damit sechs Vollgeschosse (mit überhöhtem Erdgeschoss) und zwei weitere Staffelgeschosse, was eine Gesamthöhe von etwa 30 Metern ergebe. So wäre auf dem 3175 Quadratmeter großen Grundstück eine Bruttogeschossfläche von bis zu 7000 Quadratmetern realistisch.
Gesucht werden ein Investor und ein Betreiber (beides kann auch in einer Hand liegen) eines Hotels der Drei-Sterne-plus-Kategorie. Anhand unterschiedlicher Vergabekriterien sollen geeignete Bewerber ausgewählt werden. Vergeben werden Punkte für das Nutzungs- und Betreiberkonzept sowie das Energie- und Mobilitätskonzept. Über die eingehenden Angebote und eine Empfehlung der Verwaltung entscheidet letztlich der Rat. Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) rechnet ab jetzt mit einer Verfahrensdauer samt Bauzeit von dreieinhalb bis vier Jahren.
Eine Unsicherheit
Eine große Unbekannte gibt es allerdings: Die Stadt bietet das Grundstück für einen Hotelneubau im Wege des Erbbaurechts mit einer Dauer von 60 Jahren und einem Erbbauzins von drei Prozent an. „Wir wissen nicht, wie das Erbbaurecht angenommen wird“, äußerte sich Finanzdezernentin Julia Figura im Ausschuss vorsichtig. In bisherigen Erkundungsgesprächen seien eher zurückhaltende Signale gesandt worden.
Auch die Reaktionen auf die Idee, das Hotel an eine Quartiersgarage anzubinden, statt einer – auch angesichts unklarer Untergrundverhältnisse teuren – eigenen Tiefgarage, sind offen. „Wir glauben aber, dass es daran am Markt Interesse gibt“, sagte Wirtschaftsförderer Ralph Wilken im Fachausschuss. Für Christoph Baak (CDU) ist die Beteiligung des Betreibers an den Erlösen einer solchen Quartiersgarage von Bedeutung. Die Stadt möchte angesichts weiterer geplanter oder angedachter Projekte (Stadionneubau, Umbau, Modernisierung und Erweiterung der WEH, Neubau einer Dreifeldsporthalle, Sanierung des Kramermarktgeländes) das Parken ganzheitlich für das Gesamtareal lösen.
Während Holger Kruse, Inhaber des benachbarten CCH-Hotels, sich nach Bekanntwerden des Verkaufs – auch angesichts aus seiner Sicht bisher von der Stadt verhinderter eigener Investitionen – kritisch geäußert hatte, sieht die Politik kein grundsätzliches Problem der entstehenden Konkurrenzsituation: „Das kann auch eine Win-win-Situation werden“, glaubt Ellberg, der auch Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der WEH ist.
