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Kolumne „Aus dem Lehrerzimmer“ Husch, husch, ab in die Schule, sagt der Kultusminister

Frau Immerfrei

Oldenburg - Nun ist es soweit: Die Länder können nicht mehr stillhalten und müssen Kitas und Schulen öffnen. Am besten sofort, unverzüglich. Günter Schabowski hätte es nicht besser machen können. Der allgemeine Lockdown wird verlängert und die Regel, nur mit einem weiteren Haushalt Kontakt zu halten, bleibt auch bestehen. Nur nicht für Lehrer, die dürfen ab März an weiterführenden Schulen bzw. seit einiger Zeit schon in Abschlussklassen und an Grundschulen im Szenario B um die zwölf Haushalte pro Klasse „kontaktieren“. Zusammen mit Mutationen des Coronavirus eine spannende Mischung.

Infizierte Kinder

In Freiburg gab es neulich in einer Kita 13 infizierte Kinder mit der Mutation B117. Testungen? Fehlanzeige. Die dortige Kultusministerin Susanne Eisenmann, vom Twitterlehrerzimmer liebevoll „Nanni“ genannt, war „vollkommen überrascht“ davon. Aber sie vertritt auch vehement die Ansicht, Kinder und Jugendliche seien gegen Corona quasi immun und verteidigt so ihre Schulöffnungen im Februar.

In Niedersachsen bleibt man derweil immerhin dabei, ab März über das Szenario B nachzudenken und brüstet sich mit dem Zehn-Punkte-Plan und dem Corona-Stufenplan, die nun laut Kultusminister Schule machen. Nettes Wortspiel. Nach einem Jahr „Wir fahren auf Sicht“, wie es immer hieß, sind Handlungsstrukturen und gewisse Planungssicherheiten eine tolle Sache.

Aber bei Inzidenzen zwischen 100 und 200 Schulsport mit 35 Personen und bei Werten bis zu 100 Szenario B bei dieser Lage zu erlauben, erschließt sich mir nicht. Vor allem nicht bei den sich fröhlich verbreitenden Mutationen und dem unzureichenden Infektionsschutz für Lehrer und Schüler.

Meine Schüler lernen überwiegend gerne zu Hause, weil sie weniger Zeitdruck und mehr Ruhe haben. Aber es geht schließlich um die Bildung und nun ja, es gab schließlich sechs FFP2-Masken vom Dienstherrn und wir Lehrer dürfen uns nun wöchentlich testen lassen. Also husch an die Schulen, Lehrer sein ist schließlich Berufung. Hoffen wir, dass den Kultus- und Schulministern auch nach der Pandemie das Thema Bildung so sehr am Herzen liegt, wie jetzt.

Ergänzend dazu sollen die Schulen jetzt endlich das Geld aus dem Digitalpakt abrufen, da möchte der Kultusminister nachhelfen, sagte er auf einer Pressekonferenz. Das dauert alles viel zu lange und irgendwann sind die Schulen selbst schuld, wenn sie bei der Digitalisierung nicht weiterkommen, oder?

20 Jahre Tiefschlaf

Ganz ehrlich: Nein. Es ist echt nett, nach 20 Jahren Tiefschlaf einen Geldtopf hinzustellen, doch daran wieder riesige bürokratische Rechtfertigungen zu knüpfen und Forderungen zu stellen, die arbeitszeittechnisch nicht machbar sind, ist schwierig. Sich nun auch noch aufzuschwingen, den Schulen dafür die Schuld zu geben, ist frech.

Nun muss der Rubel aber wieder rollen. Deshalb werden Schulen und Kitas geöffnet, damit die Eltern wieder arbeiten gehen können und die Wirtschaft am Laufen bleibt. Deshalb – und nicht wegen der Bildung oder der Schüler.

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