Oldenburg - Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ist im Zusammenhang mit Ungereimtheiten bei der Abrechnung im Impfzentrum Schortens-Roffhausen bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Einen Generalverdacht gegen das DRK dürfe es aber nicht geben, hatte Frieslands Landrat Sven Ambrosy nach der Durchsuchung des Impfzentrums im August gewarnt. Es seien lediglich einzelne führende DRK-Mitarbeiter wegen des Verdachts auf Abrechnungsbetrug ins Visier geraten, so der Landrat. Und ohnehin handeln die einzelnen Kreisverbände selbstständig.
Dennoch richtete sich nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen das DRK in Jever der Blick auch auf Impfzentren in anderen Regionen. So betrieb das DRK Oldenburg zum Beispiel das Impfzentrum der Stadt Oldenburg in der Weser-Ems-Halle. Anders als das DRK in Jever, das Presseanfragen unbeantwortet ließ, äußerte sich das DRK in Oldenburg zur Abrechnung und Vergütung von Mitarbeitenden im Impfzentrum.
Kein Verdacht
Demnach hat der DRK-Kreisverband Oldenburg-Stadt die Beschäftigten im Impfzentrum in der Weser-Ems-Halle tariflich bezahlt. Zugrunde gelegen habe der DRK-Reformtarifvertrag, sagte Kreisgeschäftsführer Mathias Melchior, unserer Redaktion. Die Stadt Oldenburg geht davon aus, dass das DRK die Mitarbeitenden entsprechend den eigenen Angaben bezahlt hat. „Wir haben keine Hinweise, dass dies nicht erfolgt sein könnte“, sagte ein Sprecher der Stadt.
609 000 Euro Kosten
Das DRK habe neben Kosten für sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Ausgaben für geringfügig Beschäftigte sowie ehrenamtlich Beschäftigte in Rechnung gestellt, erläuterte der Stadtsprecher. Die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten seien den DRK-Angaben zufolge in den Lohngruppen 3, 6a oder 9a/9c eingestuft gewesen. Für die geringfügig Beschäftigten seien Stundensätze zwischen 9,50 und 14,40 Euro abgerechnet worden. Die Ehrenamtlichen hätten pro Vier-Stunden-Schicht eine Aufwandsentschädigung von 40 Euro erhalten müssen, so die Stadtverwaltung.
Insgesamt summieren sich die Beträge, die das DRK der Stadt in Rechnung gestellt hat, nach Angaben der Stadt auf 609 838 Euro, sagte der Stadt-Sprecher. Davon entfallen auf die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 462 971 Euro, auf die geringfügig Beschäftigten 51 463,36 und die ehrenamtlich Tätigen 50 230 Euro, sagte der Sprecher. Die Schlussrechnung stehe allerdings aus, Änderungen seien noch möglich.
Verwaltungspauschale
Ebenso wie das DRK in Jever hat das DRK Oldenburg der Stadt eine Verwaltungspauschale von 45173,20 Euro in Rechnung gestellt. Diese Summe soll Kosten decken, die im Zusammenhang mit dem Betrieb des Impfzentrums entstanden sind, zum Beispiel bei der Personalsuche. Die Forderung nach einer Pauschale haben nicht alle Impfzentren-Betreiber erhoben. Die Johanniter, die das Impfzentrum in Schortens nach der Kündigung des DRK weiterbetrieben haben, wirtschaften nach eigenen Angaben ohne dieses Geld. Eine achtprozentige Verwaltungspauschale auf die Personalkosten, wie sie in Medienberichten für das DRK Jever erwähnt worden seien, „erhalten die Johanniter nicht“, sagte ein Sprecher unserer Redaktion.
Zwischen Dezember und September hatten mehr als 127000 Bürgerinnen und Bürger in der Weser-Ems-Halle eine Erst- und/oder Zweitimpfungen erhalten. Ende September war das Impfzentrum, das für 1000 Impfungen am Tag ausgelegt war, den Betrieb eingestellt.
