Oldenburg - Man kann den früheren Wasserturm, das heutige EWE-Forum, schon sehen, wenn man vor dem Eingang des Botanischen Gartens am Philosophenweg steht. Er ist quasi das Wahrzeichen des Quartiers Alte Fleiwa, in dem sich unter anderem Teile der Stadtverwaltung und IT-Unternehmen angesiedelt haben. Um dorthin zu gelangen, ist allerdings ein Umweg nötig, denn dazwischen verläuft die Bahnlinie. Das will eine Initiative – zumindest für Fußgänger und Radfahrer – ändern.
Fleiweg
Auf dem Tisch liegt der Vorschlag für eine Unterführung, den sogenannten Fleiweg. Zu den Initiatoren und Unterstützern dieser Forderung gehört Klaas Brümann. Für ihn und seine Mitstreiter ist es nur logisch, die nahezu autofreie Route vom Campus Wechloy über den Bahnhaltepunkt bis zum Quartier Alte Fleiwa mit der anderen Seite der Bahnlinie zu verbinden.
Schließlich plane dort die Uni die ehemaligen Laves-Gebäude für den Bereich Humanmedizin zu nutzen. Bisher muss der Fahrradverkehr den Umweg über den Schützenweg oder die Auguststraße in Kauf nehmen, um von einer Seite der Bahnlinie auf die andere zu wechseln. Aus Brümanns Sicht ist das eine schlechte Alternative. Denn in beiden Straßen gebe es ein hohes Verkehrsaufkommen, aber keine Radwege.
Radfahrer hätten also die Wahl, auf der Straße zu fahren (wo sich viele unsicher fühlen) oder wie an der Auguststraße auf den Gehweg auszuweichen. Dort sind aber natürlich auch die Fußgänger unterwegs. „Die Fleiweg-Unterführung soll Wege verkürzen und helfen, Konflikte auf dem Gehweg und der Fahrbahn zu reduzieren”, so Brümann. Die Diskussion ist übrigens nicht neu. Der Durchstich an dieser Stelle ist seit Jahrzehnten ein Thema. Nun ist nach Ansicht der Unterstützer aus verschiedenen Gründen aber der richtige Zeitpunkt, einen neuen Anlauf zu wagen.
Da ist zum einen der anstehende Wahlkampf, in dem man Parteien auf Versprechen festnageln kann. Da ist die im Vergleich zu früher umfangreichere Förderkulisse zur Finanzierung von Radverkehrsprojekten. Und da ist die Sorge, dass die alten Laves-Gebäude abgerissen werden und der Bereich so bebaut wird, dass für eine Unterführung kein Platz mehr ist. „Darum müssen wir jetzt Druck aufbauen“, so Brümann. Unterstützung erhält er von großen Teilen der Anwohnerschaft, vom ADFC, der Bürgerinitiative „Rettet das Haarentorviertel“, der Initiative Verkehrswandel und dem VCD. Derzeit läuft eine Petition auf dem Beteiligungsportal der Stadt.
Botanischer Garten
Rückenwind erhält die Initiative auch von Professor Dirk Albach, dem Direktor des Botanischen Gartens. Der Vorteil für seine Einrichtung wäre, dass Besucher dann auf der anderen Seite der Bahnlinie, vor allem am Wochenende, Parkmöglichkeiten auf dem Fleiwa-Areal nutzen könnten.
Der Philosophenweg ist dafür nämlich alles andere als ideal. „Wir haben hier häufig ein Problem mit Reisebussen“, berichtet er. Auch dass er für die Unterführung womöglich einen kleinen Teil des Gartengeländes abgeben müsste, könne er verschmerzen.
Stadt
In einer Antwort auf ein Schreiben des ADFC zu dem Vorschlag verweist der Verkehrsdezernent der Stadt Oldenburg, Sven Uhrhan, auf das gut befahrbare Radwegenetz rund um das Quartier. Mit Blick auf die Kosten (geschätzt zwei Millionen Euro plus Grunderwerb) sehe er für das Projekt derzeit keine Priorität. Als langfristige Option wolle er die Idee aber durchaus weiterverfolgt wissen.
Auch unter den Anwohnern des Philosophenwegs gibt es zudem ein paar Skeptiker. Unter anderem gibt es bei ihnen die Befürchtung, dass Jugendliche die wetterfeste Unterführung für laute Partys nutzen könnten.
